Astronomie Ein Diamant als Planet

US-Forscher haben mit Hilfe des Kepler-Teleskops einen Planeten entdeckt, dessen Kern aus 18.000.000.000.000.000.000.000 Tonnen Diamantgestein bestehen soll. Um das wertvolle Mineral abzubauen, ist es dort allerdings etwas zu heiß.

Von Patrick Illinger

Eine Grafik der Yale University zeigt, wie der Exoplanet 55 Cancri e aufgebaut sein dürfte. Er ist zweimal so groß wie die Erde und besitzt eine grundsätzlich andere Chemie als unser Planet.

(Foto: AFP/Haven Giguere)

Seit bald 20 Jahren ist die Jagd im Gang, mehrere Hundert Treffer wurden bereits erzielt. Mit fast schon sportlichem Antrieb suchen Astronomen nach Planeten, die fernab unseres eigenen Sonnensystems um ein leuchtendes Zentralgestirn kreisen. Exoplaneten nennen sie diese fremden Welten, und die Trefferliste der Planetenjäger nimmt exponentiell zu: Rund 840 offiziell bestätigte Exoplaneten listen die Himmelsforscher zurzeit auf.

Seit sich das vor drei Jahren eigens für die Planetenjagd gebaute Weltraum-Teleskop Kepler an der Suche beteiligt, kommen fast täglich neue Kandidaten hinzu. Mehr als 2400 wahrscheinliche Exoplaneten hat der Weltraumspäher alleine im Sternbild des Schwans entdeckt.

Nun haben Astrophysiker festgestellt, dass auf der langen Liste ihrer Exoplaneten ein ganz besonderer Himmelskörper steht. Bei genauer Betrachtung hat sich gezeigt, dass 55 Cancri e, der etwa achtmal so schwer ist wie die Erde und daher eine "Supererde" genannt wird, offenbar nicht aus Gestein und Wasser besteht, sondern zum größten Teil aus Kohlenstoff.

Von diesem Kohlenstoff ist eine beträchtliche Menge so stark zusammengepresst, dass er einen harten, kristallinen Zustand angenommen hat, den wir Erdenbewohner Diamant nennen.

Im Sternbild Krebs umkreist der Planet mit Diamantenkern den Stern Cancri 55, meldet die Yale University, die die Karte mit Sky Map Online angefertigt hat.

(Foto: AFP/Nikku Madhusudhan)

Mindestens ein Drittel von 55 Cancri e, der 2004 aufgespürt wurde und mit weiteren Planeten um einen mit dem bloßen Auge sichtbaren Doppelstern im Sternbild Krebs kreist, könnte nach Erkenntnissen einer dreiköpfigen Forschergruppe der Universitäten Yale und Toulouse aus dem wertvollen Edelstein bestehen. Genauere Analysen der Flugbahn, des Gewichts und der Masse haben es nach Angaben des Forschers Nikku Madhusudhan (Universität Yale) nun möglich gemacht, die chemische Zusammensetzung zu ermitteln.

Dabei kam unter anderem heraus, dass es auf dem Planeten - anders als zunächst vermutet - wahrscheinlich keinerlei Wasser gibt, dafür aber massenweise Kohlenstoff in Form von Grafit und Diamant sowie Eisen und das dem Diamant ähnliche Siliziumkarbid.

Diese Entdeckung erschüttert das Bild, welches sich Astrophysiker bislang von fremden Planeten gemacht haben. Ausgehend von den Zuständen auf der Erde und den erdnahen Planeten wie Mars, Venus und Jupiter, vermuteten sie in anderen Sternensystemen eine ähnliche chemische und geologische Zusammensetzung der Exoplaneten. Doch offenbar ist die planetare Vielfalt im Weltraum viel größer, als es der Blick auf das eigene Sonnensystem vermuten lässt.

Der Diamantplanet ist übrigens in galaktischen Maßstäben gemessen nicht weit von der Erde entfernt. Nur 40 Lichtjahre trennen uns von schätzungsweise 18.000.000.000.000.000.000.000 Tonnen Diamantgestein.

Dennoch sollten sich irdische Bergbauunternehmen keine Hoffnung machen: Auf dem Planeten herrschen unwirtliche Zustände. 2150 Grad Celsius ist es auf der Oberfläche heiß, weshalb dort jede Bohrmaschine schmelzen und biologische Lebensformen verdampfen würden, bevor 55 Cancri e auch nur in Sichtweite gerät. Der Planet kreist derart nah um seinen Zentralstern, dass eine Umrundung, für die unsere Erde 365 Tage braucht, nur 18 Stunden dauert.

Weltraumforschung Das Geheimnis der Sternengeburt

Der tiefe Blick in den Weltraum hilft, die Entstehungsgeschichte der Sterne und Planeten zu verstehen. Um das Geheimnis der Sternengeburt genauer zu ergründen, setzen die Astronomen ihre Hoffnungen auf immer leistungsstärkere Teleskope.

(Video: Nasa/Süddeutsche.de)