Astrobiologie Forscher finden organisches Molekül im All

Viermal Kohlenstoff und einmal Stickstoff: Das sind die Zutaten einer chemischen Verbindung, die Forscher tief im All nachgewiesen haben. Ihre verzweigte Struktur begeistert die Wissenschaftler - sie verweist auf Bausteine des Lebens.

Von Robert Gast

Für Astrobiologen gibt es spannende und weniger spannende Moleküle. Spannend sind chemische Gebilde unter anderem dann, wenn sie Ähnlichkeit mit Aminosäuren haben. Diese Bausteine von Proteinen sind schließlich Basis für Leben. Insofern ist es eine spannende Entdeckung, die Forscher des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie präsentieren (Science, Bd. 345, S. 1584, 2014). In einer 27 000 Lichtjahre entfernten Region des Alls haben die Astrophysiker um Arnaud Belloche Spuren eines Moleküls entdeckt, das eine überraschend komplexe Struktur aufweist. Gelungen ist die Entdeckung mit dem Observatorium Alma, das in Chile steht und das All nach Mikrowellen absucht.

Das Gebilde mit dem Namen iso-Propylcyanid besteht im Wesentlichen aus vier Atomen Kohlenstoff und einem Stickstoffatom. Drei der Kohlenstoffe und der Stickstoff sind wie Glieder einer Kette aufgereiht. Das vierte Kohlenstoffatom ist allerdings senkrecht zu der Kette orientiert. Diese Abzweigung macht das Molekül zu einem Exoten im Vergleich mit jenen 180 Molekülvarianten, die Forscher bisher in den Tiefen des Alls nachweisen konnten.

Gebildet hat sich das iso-Propylcyanid in einer dichten Wolke aus Gas und Staub, die sich in der Nähe des Zentrums der Milchstraße befindet. Dort ist der Exot allerdings recht selten: Auf eine dieser Verbindungen kommen 100 Millionen Wasserstoffmoleküle. Dennoch lege die Entdeckung nahe, schreiben die Forscher, dass verzweigte Moleküle, zu denen auch Aminosäuren zählen, nichts Ungewöhnliches im Weltall sind. Dass Aminosäuren irgendwo durchs All driften, wissen Forscher schon länger. Die Bausteine der Proteine steckten in Kometen, die auf die Erde gestürzt sind.