Nicht der Arzt Albert Schweitzer, sondern der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker war es dann, der in der Schuld eine Krankheit erkannte, die er die "seelische Krankheit Friedlosigkeit" nannte. Ist es nicht in der Tat ein Zeichen von Krankheit, wenn in den USA die Bombardierung von Hiroshima - mit mehr als 200.000 Opfern - nach wie vor als nationale Ruhmestat gilt?

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Indessen hat der Glaube an die Heilbarkeit dieser Krankheit bekanntlich eine weltweite ärztliche Friedensbewegung entstehen lassen. Deren einer Ansatz sind präventive Aufklärung und aufrüttelnde Demonstrationen. Ein anderer ist internationale Hilfe für Opfer von Krieg, auch von nuklearen Katastrophen wie Tschernobyl.

Dieser Bewegung voran steht jedoch der urärztliche Ansatz des Versöhnens. Ärztlicher Friedensarbeit muss immer ein Pro und nicht ein Anti voranstehen. Gerade Ärzte haben eine Chance, etwas zur Überwindung der Krankheit Friedlosigkeit zu tun.

Auf das Herz hören

Der Arzt Albert Schweitzer hat sich in alter Sprache auf das Herz berufen, das von uns zu tun verlange, was den tiefsten Regungen unseres geistigen Wesens entspreche. Die Humanität gebiete, auf das Herz zu hören. "Das Herz", sagte Paracelsus in der Philosophia sagax, "ist die Seele im Menschen." "So nun die Lieb in Gott im ganzen Herzen gehen soll, so muss da weichen von der Seel alle Widerwärtigkeit Gottes", also alles, was Gott zuwider ist.

Herz und Liebe im Sinne von Paracelsus und Schweitzer, und fast auch schon das Wort Humanität kommen uns nicht leicht über die Lippen, wohl weil wir uns selbst nicht mehr recht trauen, ob wir den Anspruch einlösen können, der in diesen Begriffen steckt.

"Das Gute missfällt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind", sagte Nietzsche. Doch an den Arztberuf knüpft sich nun einmal seit jeher die Erwartung, dass er dem Guten diene. Das kommt nicht nur aus der Gesellschaft, sondern steckt offenbar ursprünglich als Wunsch in denen, die diesen schönen Beruf anstreben.

In einer älteren Studie haben wir ermittelt, dass Abiturienten, die sich fürs Medizinstudium entscheiden, sich mehr fürsorgliche Gedanken um andere Menschen machen als andere Studienanwärter. Was an äußerer Unfreiheit, Verflachung des Zeitgeistes oder individueller Ernüchterung zu einem späteren Einstellungswandel beitragen kann, muss hier unerörtert bleiben.

Zu wiederholen ist nur, dass wir uns als Ärzte unserer hohen Verantwortung nicht nur für das physische Wohl, sondern besonders auch für die Menschlichkeit unserer Gesellschaft bewusst bleiben müssen. Dass von dieser Sensibilität bei unserem professionellen Nachwuchs mehr vorhanden ist, als es mitunter nach außen scheint, ist mein psychologischer Eindruck.

Das mag nach Gutmenschen-Optimismus klingen. Aber ich hoffe, zugleich im Namen der anderen drei Ausgezeichneten zu sprechen, wenn ich sage, dass ein praktischer Optimismus im ärztlichen Engagement ein geeignetes Mittel ist, einem heute weit verbreiteten theoretischen Pessimismus zu widersprechen.

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