Arzneimittel-Rückstände in Gewässern In vielen Gewässern gibt es ganze Chemikalien-Cocktails

Klaminder und seine Kollegen waren allerdings überrascht, wie deutlich die Auswirkungen selbst bei der niedrigen Dosierung waren. "Wir haben Messungen gemacht, die in einem ökologischen Kontext wichtig sind. Es ist alarmierend, dass Konzentrationen, wie sie in der Umwelt auftreten, einen solchen Effekt haben können." Als Lösung des Problems fordern sie bessere Kläranlagen und eine sachgemäße Entsorgung alter Arzneimittel.

Stefan Scholz, Ökotoxikologe vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig lobt das Design der Studie, wäre aber bei der Aussage "umweltrelevante Konzentrationen", wie es die Schweden in ihrem Fachartikel schreiben, "etwas vorsichtiger gewesen". Die kleinere im Labor eingesetzte Menge könne vielleicht direkt am Abfluss einer großen Kläranlage gemessen werden, "sie würde sich im Fluss aber schnell sehr stark verdünnen". Das könne sich aber im Sommer ändern, wenn in Teilen Europas bei Wasserknappheit "einige Flüsse fast zu 100 Prozent aus Abwasser bestehen". Die Aussagekraft der schwedischen Ergebnisse will er jedoch keinesfalls schmälern. "Erstaunlich ist auch, wie empfindlich die Fische offenbar auf den Stoff reagieren."

Vor dem Hintergrund, dass in den meisten Gewässern nicht nur ein Beruhigungsmittel gelöst ist, sondern ein ganzer Cocktail von Chemikalien, wird deutlich, dass es in diesem Bereich noch viele Fragen zu beantworten gibt. "Es gibt durchaus kombinatorische Effekte, selbst wenn die Einzeldosen der verschiedenen Wirkstoffe in einem Gemisch keine Effekte zeigen", sagt Ökotoxikologe Scholz.

Dem Umweltbundesamt zufolge finden sich Spuren von 156 verschiedenen Arzneistoffen in der Umwelt, 24 davon stuft das Amt als gefährlich für Umweltorganismen ein. Auch im Trinkwasser sind Spuren von Arzneimitteln zu finden, für den Menschen gehe davon allerdings keine Gefahr aus, heißt es in einer Mitteilung aus dem vergangenen Jahr. Bei der Zulassung neuer Arzneimittel werden diese auch auf ihre Umweltwirkung geprüft. Eine systematische Überwachung dieser Stoffe findet jedoch bislang nicht statt.