Auch nach Meinung der EFSA-Experten unterschätzt die MSDI-Methode den Verzehr vieler Stoffe beträchtlich. Sie errechneten daher, wie viele Aromastoffe verschiedenen Lebensmitteln zugesetzt sind und wie viel ein Verbraucher täglich maximal isst und trinkt. Nach diesem TAMDI-Verfahren (Theoretical Added Maximum Daily Intake) kommt das AFC-Panel zu weit höheren, oft besorgniserregenden Aufnahmemengen.
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Das Ausmaß der Unsicherheit wird bei 53 Aromastoffen deutlich, für die die Gutachter der EFSA im Dezember 2005 Empfehlungen vorlegten. Drei schädigen möglicherweise das Erbgut und wurden von der weiteren Bewertung ausgeschlossen, bis die Hersteller dazu Testergebnisse vorlegen. Die übrigen Stoffe liegen zwar nach dem MSDI-Verfahren weit unter der Grenze, bei der die Gesundheit gefährdet wäre.
Rechneten die Experten aber nach dem TAMDI-Verfahren, fanden sie 31 Stoffe, die Grenzwerte überschritten. So nehmen Verbraucher zwar laut MSDI täglich nur 0,011 Mikrogramm Methyl-Vanillat zu sich, nicht mal ein Hunderttausendstel dessen, was noch als ungefährlich gilt. Laut TAMDI aber sind es täglich 3700 Mikrogramm, und damit gut das Doppelte des Schwellenwerts von 1800 Milligramm.
Für Piperonylalkohol sind mehr als 90Mikrogramm bedenklich. Kein Problem, so lange nach MSDI gerechnet wird - kommt man doch nur auf eine Tagesdosis von etwa einem hunderstel Mikrogramm. Gemäß TAMDI kann es aber 300000mal so viel, und damit das Vierzigfache der unbedenklichen Menge sein. Einen Grund für die Widersprüche kann die Lebensmittelbehörde nicht nennen. "EFSA ist für die Bewertung der Aromastoffe zuständig. Die Erhebung von Daten wie den Produktionsmengen, liegt nicht in ihrem Aufgabenbereich", erklärt EFSA-Sprecherin Carola Sondermann.
Pfirsicharoma aus Schimmelpilz
Wer nur Produkte mit "natürlichen" oder "naturidentischen" Aromen kauft, ist nicht auf der sicheren Seite. Ohnehin werden in Europa nur 15 künstliche Aromen verwendet. Doch "naturidentische" Aromastoffe stammen auch aus dem Labor, haben aber ein Vorbild in der Natur - etwa das Vanillin, synthetischer Nachbau eines Stoffs der Vanilleschote. Natürliche Aromen müssen hingegen aus natürlichen Rohstoffen gewonnen werden. Auch das heißt nicht, dass Himbeeraroma im Joghurt aus den Beeren stammt. Oft wird es aus Zedernholz extrahiert, auch ein Naturprodukt. Andere "natürliche" Aromastoffe werden von Bakterien oder Pilzen produziert. So kann Fleischgeschmack aus Hefe stammen, Pfirsicharoma aus Schimmelpilzen.
Näher gekennzeichnet werden müssen solche Stoffe nicht - so steht auf Joghurtbecher oder Fertiggericht meist nur "Aroma" auf der Zutatenliste. Auch garantiert natürliche Herkunft keine Harmlosigkeit: Zu den Aromastoffen, die wegen Krebs erregender Wirkung aus der Liste gestrichen wurden, gehören Methyleugenol und Estragol - Bestandteile von Basilikum, Lorbeer und Estragon und in vielen Kräutertees enthalten. Verboten ist es, die Stoffe zuzusetzen und so den Konsum weiter zu erhöhen. Tees und Kräuter dürfen verkauft werden.
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(SZ vom 1. Februar 2006)
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