Archäologischer Fund Bier für die Toten
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Oberschenkelknochen zwischen Armreifen aus glänzenden Perlen: In Syrien haben deutsche Archäologen eine 3300 Jahre alte Grabkammer entdeckt.
Die Schüsseln vom letzten Ahnenmahl standen noch gestapelt unter den glatt polierten Steinbänken, als Peter Pfälzner die Grabkammer als erster Mensch nach mehr als 3300 Jahren wieder betrat. Das Skelett einer Frau lag auf einer Bank, und über die Kante ragte ein goldener Reifen mit 130 Perlen und Steinen aus aller Welt ins Nichts. Ein bizarres Bild. "Auf dem Sarkophag neben ihr stand noch eine Schale für die toten Vorfahren", erzählt er. "Als wir sie wegnahmen, war das einer der Momente, in denen man die Zeit spürt."
Aus Bernstein ist dieser Löwenkopf, den Wissenschaftler aus Tübingen in Mittelsyrien entdeckten. Das 3500 Jahre alte Gefäß lag in einer Felsgruft im Königspalast von Qatna in Mittelsyrien.
(Foto: Foto: dpa)Ab und zu schimmert es golden
Es war bereits eine Sensation, als der Tübinger Archäologe im Jahr 2002 die Königsgruft von Qatna in Syrien entdeckte. Ein Königsgrab lag wenige Meter unter der Erde, seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend hat es niemand mehr betreten, niemand mehr den Goldschmuck, den baltischen Bernstein, die ägyptischen Steinkrüge berührt.
Doch jetzt, 2009, hat Pfälzner eine weitere unversehrte Grabkammer entdeckt, gefüllt mit Alabastervasen, Steingefäßen, Figuren, den Knochen und Schädeln von dreißig Toten. Ab und zu schimmert es in der "Gruft VII", wie er sie nennt, auch golden im Erdreich. Seine Mitarbeiter sind gerade mit Hochdruck dabei, die Funde zu zeichnen und zu dokumentieren.
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Die zweite Kammer liegt nicht einmal hundert Meter von der Königsgruft entfernt. Sie gehört zu einem ganzen System aus älteren Grabkammern. Am Fuß des Felsens, auf dem der mächtige Königspalast einst thronte, liegen nämlich mehrere Felsengräber, vier hat in den zwanziger Jahren der französische Archäologe Graf Dumesnil du Buisson entdeckt. "Wie die Erbauer des Palastes mit diesen alten Gräbern umgegangen sind, ist wichtig, um die Ideologie der Herrscher zu begreifen", sagt Pfälzner. Offenbar hatten die Herrscher großen Respekt vor den Ahnen. "Der Palast ist sozusagen auf den Gräbern der Vorfahren gegründet."
120 Elefanten an einem Tag
Qatna war bereits vor fast 4000 Jahren ein wichtiges Handelszentrum an der Kreuzung zweier zentraler Fernhandelswege: von Mesopotamien Richtung Mittelmeer und von Anatolien bis hinunter nach Ägypten, zu den Pharaonen. In Qatna zeigt sich, wie ein globaler werdender Handel einem Herrscher schlagartig zu Macht verhilft.
Zedernholz aus den Wäldern Libanons versorgte den gesamten Orient, Kupfer aus Zypern war in der Bronzezeit der zentrale Rohstoff. Und das Königreich Qatna war mittendrin, ausgeklügelte Bündnisse mit den Kleinstaaten der Umgebung sicherten viele Jahrhunderte das Überleben, gegen die machthungrigen Pharaonen im Süden und die aufstrebenden Hethiter im Norden. Bis zum Untergang im 14. Jahrhundert vor Christus war Qatna reich und stark. Die Könige konnten damit prahlen, beim Jagen an einem Tag 120 syrische Elefanten getötet zu haben.