Archäologie Das Nazigold von Lüneburg

Nazigold aus Lüneburg: die Beute eines Raubzugs?

(Foto: Minkusimages)

Ein Sondengänger findet bei Lüneburg 217 Münzen aus Beständen der Reichsbank. Ihr Materialwert beträgt etwa 45 000 Euro - doch davon hat der Finder nur wenig.

Von Thomas Brock

Für Florian Bautsch hat sich der Traum jedes Schatzsuchers erfüllt - auch wenn sein Finderlohn vergleichsweise magere 2500 Euro beträgt. Entscheidend seien die wissenschaftlichen Erkenntnisse, sagt der ehrliche Finder. Tatsächlich sind Experten begeistert, wie der Lüneburger Stadtarchäologe Edgar Ring bei der Vorstellung des Fundes am Dienstag im Museum Lüneburg erklärte.

Bautsch, ein zertifizierter Sondengänger, war am 20. Oktober des vergangenen Jahres bei Lüneburg mit einem Metalldetektor im Umfeld alter Grabhügel unterwegs, als er auf eine erste Münze stieß. Mit einer Handstabsonde entdeckte er weitere neun Münzen unter dem Laub. Den Ort vermaß Bautsch feinsäuberlich mit einem GPS-Gerät und meldete sich bei den zuständigen Stadt- und Bezirksarchäologen.

Es folgten zweiwöchige wissenschaftliche Ausgrabungen, die weitere 207 Goldmünzen zu Tage brachten, dazu Reste von Teerpappe sowie zwei Knotenplomben mit Hakenkreuz, Reichsadler und der Prägung "Reichsbank Berlin 244". Der Materialwert der Münzen dürfte bei 45 000 Euro liegen. Der Schatzfund sei ein Glücksfall, so Niedersachsens Landesarchäologe Henning Haßmann, weil er von einem kundigen Laien gemacht wurde.

Münzen aus dem 19. Jahrhundert

Zwar verfüge das Landesamt bereits über einige Goldfunde, fast allen jedoch fehle der archäologische Zusammenhang. Üblicherweise würden illegale Sondengänger wichtige historische Indizien zerstören - falls die Funde nicht komplett verschwinden.

Der jetzige Fund könne in den historischen Kontext der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eingebettet werden. Die Münzen lagen ursprünglich in zwei Beuteln, von denen lediglich Fadenreste an den Plomben erhalten sind. Eingegraben waren sie am Fuß eines später umgestürzten Baumes in rund einem Meter Tiefe. Weil der Baum umfiel, wurde der Inhalt der Beutel verstreut. Bei den Goldmünzen handelt es sich um 128 belgische, 74 französische, zwölf italienische und drei österreichisch-ungarische Prägungen. Alle haben sie einen Durchmesser von 21 Millimeter und wiegen 6,45 Gramm. Der Goldgehalt der 900er-Legierung beträgt 5,81 Gramm. Die meisten der Münzen wurden zwischen 1850 und 1910 geprägt, das älteste Stück im Jahr 1831. Das Gesamtgewicht beträgt 1,4 Kilogramm. Insgesamt, so Haßmann, wurden die Stücke in hohen Auflagen gefertigt und waren typische Anlageobjekte von Privatleuten und Banken.

Chemische Analysen von Wissenschaftlern des Instituts für Anorganische Chemie der Leibniz-Universität Hannover zufolge ist die Teerpappe spätestens 1970, vermutlich aber vor 1950 hergestellt worden. Die chemische Zusammensetzung der Plomben legt nahe, dass die Säcke nach 1940 verschnürt wurden.

Es sei sicher, dass das Gold der deutschen Reichsbank gehörte, sagt Edgar Ring. Die Vergrabung lege nahe, dass es sich um geraubtes Gold handele, das später wieder geborgen werden sollte. Das eine solche Menge einfach so von einem Lastwagen falle, sei auszuschließen. Zudem stelle sich wie bei fast jedem Schatzfund die Frage, warum das Gold nie abgeholt wurde. Nicht viele Menschen hätten seinerzeit einen Zugang zu den Reichsbankbeständen gehabt.