Von Hanno Charisius

Sie wollen menschliches Erbgut in die Eizellen von Kühen einpflanzen - doch nun befürchten britische Wissenschaftler, dass ihre Anträge von offizieller Seite abgelehnt werden.

Britische Wissenschaftler, die Anfang November vergangenen Jahres eine Erlaubnis für Experimente beantragt hatten, bei denen sie menschliches Erbgut in die Eizellen von Kühen einpflanzen wollen, fürchten einen abschlägigen Bescheid.

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Ihr Ziel ist es, aus diesen Hybriden Stammzellen für die Forschung und in ferner Zukunft vielleicht einmal für die Therapie schwerkranker Menschen zu gewinnen.

Zwei Forschergruppen hatten ihre Anträge zeitgleich bei der britischen Entscheidungsinstanz in Embryonenforschungsfragen, der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA), eingereicht.

Die Entscheidung wird für den morgigen Mittwoch erwartet.

Grund für die geplante Verschmelzung von Mensch und Tier sind die enormen Probleme, an menschliche Eizellen zu gelangen, die jedoch für die Herstellung von Embryonen notwendig sind.

Die Forscher wollen mit den Misch-Embryonen, die nach ihren Angaben zu 99,9 Prozent menschlich wären, die Verwendung der Eizellen von Frauen umgehen.

Die HFEA hat in den vergangenen Wochen versucht, ein öffentliches Meinungsbild zu erheben. Außerdem musste die unabhängige Entscheidungsinstanz prüfen, ob solche Experimente mit dem geltenden Recht vereinbar sind.

Die Wissenschaftler von der Universität Newcastle und vom Londoner King's College haben eine Erlaubnis für drei Jahre beantragt.

Diese Forschung zu verhindern, sei "ein Affront" gegenüber den Patienten, die von Stammzelltherapien profitieren könnten, erklärte Antragsteller Stephen Minger vom King's College.

Ihm sei jedoch zugetragen worden, dass die HFEA die Anträge ablehnen wolle, sagte er der britischen BBC. Klonforscher Ian Wilmut aus Edinburgh glaubt, dass die britische Forschung "ganz klar" zurückfallen werde, wenn solche Arbeiten nicht möglich seien.

Das deutsche Embryonenschutzgesetz sieht solche Experimente nicht vor - und schließt sie deshalb nicht kategorisch aus.

Auf die Idee, einen menschlichen Embryo mit Hilfe von Tierzellen herzustellen, ist der Gesetzgeber bislang nicht gekommen. In jedem Fall wären solche Versuche jedoch genehmigungspflichtig.

Deutsche Stammzellforscher finden den Ansatz der Briten weder sinnvoll noch zeitgemäß.

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(SZ vom 9.1.2007)