Von Alexander Stirn

Mit Sorge beobachteten Astronomen der Internationalen Astronomischen Union einen 20 Meter großen Himmelskörper, der auf die Erde zurast. Aber der Asteroid ist gar keiner.

Es hätte nicht das Ende der Erde bedeutet, aber ein gewaltiger Warnschuss wäre es allemal gewesen: Vor einer Woche machte das Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union, das gefährliche Asteroiden auf ihrem Weg zur Erde aufspüren und verfolgen soll, eine beunruhigende Entdeckung.

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Rosetta holt Schwung für die nächste Runde. (© Grafik: ddp/Esa)

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Ein Himmelskörper, etwa 20 Meter groß, rase auf die Erde zu. "2007 VN84", so der Name des Flugobjekts, werde am 13. November, um 21.15 Uhr, in weniger als 6000 Kilometern Entfernung am Planeten vorbeischrammen - in kosmischen Dimensionen ein Klacks.

Die gute Nachricht: Das Datum, die Größe des Himmelskörpers und auch dessen bedrohlich geringe Entfernung passten beinahe perfekt.

Die noch bessere Nachricht: Bei "2007 VN84" handelte es sich um gar keinen Asteroiden, sondern um eine Raumsonde. Rosetta, der europäische Kometenjäger, hat sich am Dienstagabend - wie seit Jahren geplant - der Erde genähert und neuen Schwung für seine weitere Reise geholt.

Es war bereits der zweite Vorbeiflug der 2004 gestarteten Sonde, die sich eigentlich auf dem Weg zum bislang unerforschten Kometen Tschurjumow-Gerasimenko befindet. Doch um den mehr als 600 Millionen Kilometer von der Erde entfernten Himmelskörper zu erreichen, genügt die Energie nicht, die die Sonde beim Start und von ihren Triebwerken mitbekommen hat.

Deshalb musste Rosetta mehrmals im Gravitationsfeld der Erde Schwung holen: Das weniger als drei Tonnen schwere Raumfahrzeug wird dabei von der Erdanziehungskraft - ähnlich dem Wurfgerät eines Hammerwerfers - herumgewirbelt. Bei der Beschleunigung entzieht es der Erde etwas Energie. Die kann das allerdings gut verkraften und bleibt aufgrund ihrer immensen Masse weitgehend unbeeindruckt auf Kurs.

Während des aktuellen Manövers näherte sich Rosetta dem Planeten bis auf 5300 Kilometer und raste mit einer Geschwindigkeit von etwa 45.000 Kilometern pro Stunde südwestlich von Chile über den Pazifik hinweg.

Die Wissenschaftler im Kontrollzentrum der europäischen Raumfahrtbehörde Esa in Darmstadt wollten das Wiedersehen mit ihrem Schützling gleichzeitig nutzen, um die Messinstrumente an Bord zu testen und zu kalibrieren.

Dazu sollte Rosetta Aufnahmen von der Erdatmosphäre sowie von städtischen Regionen in Asien, Afrika und Europa machen. Die Suche nach Sternschnuppen am Nachthimmel war ebenso geplant wie Untersuchungen des Erdmagnetfelds und Aufnahmen von der Oberfläche des Mondes.

Nach dem irdischen Rendezvous macht sich die Sonde nun auf den Weg durch den Asteroidengürtel ins äußere Sonnensystem. Dabei soll sie - quasi als Aufwärmübung für das spätere Studium des Kometen Tschurjumow-Gerasimenko - im Vorbeiflug den Asteroiden Steins untersuchen.

Anschließend muss Rosetta allerdings noch einmal Schwung holen: Für den 13. November 2009 ist ein dritter und letzter Vorbeiflug an der Erde geplant. Asteroiden-Späher sollten sich diesen Termin vielleicht schon mal notieren.

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(SZ vom 14.11.2007)