Anders Behring Breivik Ist Breivik ein Psychopath?

Ist Anders Behring Breivik aber ein Psychopath? Tatsächlich wird der Begriff in der forensischen Psychiatrie immer seltener verwendet, genauso wie der Begriff Soziopath. Und wenn Fachleute ihn benutzen, beziehen sie sich in der Regel auf eine besonders schwere Form der sogenannten dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Für Psychopathen wurden von US-Wissenschaftlern unter anderem folgende Eigenschaften aufgelistet:

[] Sie können charmant sein, allerdings nur oberflächlich.

[] Sie entwickeln keine Schuldgefühle.

[] Sie sind verantwortungslos, unehrlich, egozentrisch, unfähig zu langfristigen Beziehungen.

[] Sie lernen nicht aus Bestrafung.

[] Sie sind gefühlsarm.

[] Sie sind nicht in der Lage, vorausschauend zu planen.

[] Besonders wichtig ist ihre Unfähigkeit, sich in andere hineinzufühlen.

Dieser Mangel an Empathiefähigkeit führt dazu, dass sie keine Hemmungen haben, anderen zu schaden. Manche Psychopathen fallen deshalb durch Gewaltverbrechen auf, durch Körperverletzung, Totschlag oder Mord.

Eine besondere Form des Psychopathen ist der Soziopath, der doch langfristig planen kann und in der Lage ist, anderen zumindest vorzuspielen, er sei ein soziales, mitfühlendes Wesen. Ein Soziopath hat keine Skrupel, jedes Mittel anzuwenden, um zum Ziel zu kommen - nur weiß er, dass er nicht durch Straftaten auffallen darf und ist entsprechend vorsichtig. Manche Soziopathen sind gerade aufgrund ihrer Skrupellosigkeit in der Lage, durch Täuschung und Manipulation beruflich aufzusteigen - als "Snakes in Suits" bezeichnet etwa der Experte Robert D. Hare von der University of British Columbia in Kanada diese Psychopathen, und vermutet, das mancher Manager in diese Kategorie fällt. Auch viele Serienmörder gelten als Soziopathen.

Zwei Diagnosehandbücher ziehen Psychiatrer zurate, wenn sie ihre Diagnose stellen sollen. Im Handbuch der Amerikanischen Psychiatervereinigung, dem DSM-IV, entspricht dem Bild des Psychopathen am ehesten die Antisoziale Persönlichkeitsstörung. Im entsprechenden Handbuch der WHO, dem ICD-10, ist hier von der Dissozialen Persönlichkeitsstörung die Rede. Die Liste der Merkmale, die Hinweise auf eine solche Störung sein können, überschneidet sich deutlich mit den oben genannten für Psychopathen. Drei Merkmale müssen vorhanden sein, um die Diagnose zu rechtfertigen.

Allerdings ist der Komplex von Merkmalen, die einzelne Menschen charakterisieren, zu vielfältig, als dass Eigenschaften, die auf eine antisoziale/dissoziale Persönlichkeit hinweisen, nicht auch immer wieder im Zusammenhang mit anderen schweren Persönlichkeitsstörungen beobachtet werden.

Ein Beispiel hierfür ist der Unabomber Theodore Kaczynski, der zwischen 1978 und 1995 im Namen eines fiktiven "Freedom Club" Briefbomben an ausgewählte Repräsentanten der von ihm gehassten "industriellen Gesellschaft" schickte. Er tötete drei Menschen, verletzte 23 und rechtfertigte seine Taten in einem Manifest - einem Papier, aus dem der norwegische Massenmörder Breivik abgeschrieben hat. Die Diagnose der Experten lautete paranoide Persönlichkeitsstörung sowie Merkmale einer sogenannten vermeidenden und einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Umstritten war die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie.

Auch die Persönlichkeit des österreichischen Briefbombers Franz Fuchs war gleich durch eine ganze Reihe von Störungen beeinträchtigt. Fuchs verübte zwischen 1993 und 1997 im Namen der fiktiven Bajuwarischen Befreiungsarmee Anschläge auf Angehörige und Vertreter von Minderheiten, bei denen vier Menschen starben und 15 verletzt wurden. Er wies Merkmale der schizoiden, der paranoiden, der fanatischen, der zwanghaften und nicht zuletzt der narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf.