Weil Palmöl lukrativ ist, soll der brasilianische Regenwald den Ölpalmen weichen. Das könnte dramatische Folgen haben.
Naturschützer haben es schon lange befürchtet: Im südamerikanischen Amazonasgebiet sollen bald in großem Maßstab Ölpalmen angebaut werden. "Palmöl ist unser grünes Erdöl", sagt beispielsweise der brasilianische Senator Flexa Ribeiro.
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Ölpalmen speichern weniger Kohlenstoff als ein intakter Regenwald. Die Umwandlung von Urwald in Plantagen trägt damit zur Erderwärmung bei. (© Foto: dpa)
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Der Politiker treibt Änderungen in den Waldschutzgesetzen des Landes voran, die den Anbau der Ölpalme erleichtern sollen. Aus dem Fleisch ihrer Früchte wird Palmöl gewonnen, das zum Kochen, in Kosmetika und als Kraftstoff zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Der Anbau lohnt sich: Eine Tonne Palmöl kostet derzeit etwa 320 Euro, zu Hochzeiten waren es sogar knapp 700 Euro.
Bislang dürfen Landbesitzer in Brasilien nur 20 Prozent ihrer Ländereien roden. Nun soll die Abholzung eines weiteren Drittels erlaubt werden, sofern die Flächen anschließend mit Ölpalmen oder Eukalyptusbäumen bepflanzt werden.
Die Auswirkungen für die Artenvielfalt und den Klimaschutz könnten nach Einschätzung von Umweltschützern dramatisch sein: "Palmöl-Plantagen sind ökologische Wüsten, in denen nur wenige Tiere überleben", sagt William Laurance vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama.
Das zeigt auch die Entwicklung auf der Insel Borneo, wo nach einem aktuellen Bericht der Naturschutzorganisation WWF jedes Jahr tropischer Regenwald auf einer Fläche halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern abgeholzt wird - hauptsächlich um Plantagen für Ölpalmen zu errichten. Bis zum Jahr 2020 ist der Regenwald nach den Berechnungen der Umweltschützer wohl verschwunden und mit ihm die etwa 50.000 Orang-Utans, die heute noch dort leben.
"Ölpalmen speichern sehr viel weniger Kohlenstoff als intakter Regenwald", sagt Laurance. Netto trage die Umwandlung von Urwald in Plantagen also zur Erderwärmung bei. David Tilman von der Universität von Minnesota in St. Paul teilt diese Einschätzung: "Nach unseren Berechnungen schneidet Palmöl aus Südostasien, aber auch Treibstoff aus brasilianischem Soja miserabel ab."
Enorme Mengen von Kohlendioxid
Das Abbrennen der ursprünglichen Vegetation setze enorme Mengen von Kohlendioxid frei. Erst nach 423 beziehungsweise 319 Jahren ununterbrochener Spritproduktion auf den ehemaligen Waldflächen sei die Kohlendioxid-Bilanz wieder ausgeglichen.
Fast die Hälfte Amazoniens sei für den Anbau von Ölpalmen geeignet, schätzt Laurance. Brasilien verfüge mit einer potentiellen Anbaufläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern über die weitaus größten Landreserven für dieses Geschäft. Noch spielt Palmöl eine untergeordnete Rolle in Brasilien, die Jahresproduktion liegt nur bei etwa 190.000 Tonnen - in Indonesien sind es 22 Millionen Tonnen.
Bislang setzt das Land vor allem auf Zuckerrohr und den daraus gewonnenen Alkohol als Energiequelle. Weltweit hat jedoch Palmöl eine größere Bedeutung. In Europa werden ganze Heizkraftwerke damit betrieben.
Da die Landpreise in Brasilien und anderen Teilen Südamerikas deutlich unter jenen in Südostasien liegen, wecken die riesigen Flächen im Amazonasbecken Begehrlichkeiten: "Malaysische Unternehmen drängen massiv mit Geld und Technologie in diese Region", hat Laurance beobachtet. Der brasilianische Zweig der niederländischen Rabobank wirbt um entsprechende malaysische Investoren.
Erste Interessenten gibt es bereits: Zusammen mit dem heimischen Unternehmen Braspalma wollte die malaysische Federal Land Development Authority (Felda) auf 100.000 Hektar Palmöl-Plantagen mitten im Amazonasbecken errichten. Die Ernte sollte vor Ort gleich zu Agrardiesel weiterverarbeitet werden. Nach heftigen internationalen Protesten legte die Felda ihre Pläne zwar vorerst auf Eis.
Doch andere Unternehmen verfolgen das Ziel weiter: Die kanadische Firma Biopalma etwa möchte auf mehreren zehntausend Hektar im Regenwald von Pará Ölpalmen pflanzen; die brasilianische Agropalma hat im gleichen Bundesstaat bereits ein Drittel ihrer Ländereien abgeholzt, um Plantagen anzulegen.
Pflanzung durch Steuererleichterungen fördern
Neben Amazonien haben die Firmen auch den Choco im Visier - ein extrem feuchtes und artenreiches Regenwaldgebiet entlang der ecuadorianischen und kolumbianischen Pazifikküste: Die Landpreise dort sind sehr niedrig, weil die Region als unsicher gilt und sehr feucht sowie dicht bewaldet ist. Um den Choco zu entwickeln, fördert Kolumbien die Pflanzung von Ölpalmen durch Steuererleichterungen.
Brodie Ferguson von der Stanford-Universität in Palo Alto, Kalifornien, hat den Wandel der Landnutzung an Ort und Stelle untersucht. In den vergangenen Jahren hat der Wissenschaftler beobachtet, wie sich die Plantagen auf Kosten des einmaligen Ökosystems ausdehnten. In Ecuador sind sie mittlerweile einer der wichtigsten Gründe für die Abholzung des Choco.
Das Hauptaugenmerk der Unternehmen liegt aber auf Brasilien. In Amazonien könnten Ölpalmen auf ehemaligen Viehweiden oder Sojaäckern angepflanzt werden, argumentieren brasilianische Regierungsstellen. Dafür müssten keine Bäume gefällt werden. Laurance bezweifelt, dass es dabei bleiben wird: "Am lukrativsten ist es, Wald für die Ölpalmen zu roden", sagt er. Mit den Profiten aus dem Holzverkauf ließen sich die aufwendig zu errichtenden und erst nach drei bis fünf Jahren ertragreichen Palmöl-Plantagen am einfachsten finanzieren.
(SZ vom 25.08.2009/cf)
Machtkampf in der Linken
Der Titel bringt sogenannte die Grünenpolitik auf den Punkt. Die Politiker und Rohstoffjäger dieser Länder haben nur reagiert auf die grünen Agitatoren. Den Schaden werden wir alle haben, ob wir wollen oder nicht.
@Knipsel: Was denn am Urwaldsterben sind auch wir Deutsche schuld? Nene das ist wie mit den Walen die haben wir früher auch gejagd. Die Zeiten sind vorbei wo jeder alle Fehler machen kann was ein anderer auch mal gemacht hatt. Übrigens waren es die Portugisen und Spanier die ihre Wälder komplett geholzt haben nicht der rest Europas... Vielleicht ja doch eine Art vererblicher Baumhass.
Dafür ist unser Planet schon zu defekt. Klar ist Brasilien muß um jeden Preis davon abgehalten werden die Urwälder zu fällen. Eine art Lösegeld für die Wet lehne ich jedoch wehement ab. Nach dem Motto "ihr zahlt und wir fällen nicht...." Das wäre nämlich echter Ökoterrorismus und nicht der gute.
In den Ländern der Dritten Welt gibt es ja immer das Argument, dass wir hier unsere Wälder schon vor langer Zeit vernichtet und zu Geld gemacht haben, und nun könne man es ihnen nicht verbieten.
An dem Argument ist ja irgendwie was dran. Obwohl man eventuell argumentieren könnte, dass diejenigen, die jetzt vom Raubbau der Regenwälder profitieren oder profitieren wollen, eventuell die Nachfahren derjenigen sind, die damals hier in Europa zu ihrem Nutzen die Wälder vernichtet haben, und die (selber oder deren Nachfahren) dann später nach Südamerika ausgesiedelt sind und dort die Macht und das Land an sich gerissen haben.
Trotzdem sollte es hier bei uns zumindestens verboten werden, zum Abbau von Braunkohle die paar verbliebenen Wälder und gewachsene Dörfer und Gemeinden zu vernichten. Die Waldvernichtung geschieht zwar bei uns nicht in annähernd so großen Stil wie da, und es sind keine Regen- sondern nur normale Wälder, aber vom Prinzip ist es das Gleiche.
Man könnte den Ländern oder auch den Grundstückseigentümern direkt einen gewissen Ausgleich anbieten dafür, dass sie zum Nutzen der Welt ihre Wälder stehen lassen (falls es nicht schon geschieht),
Aber zumindestens muss hier der Kauf von Palmöl und dessen Produkten strengstens verboten werden.
Ich bahupte das ich mit einem intakten Urwald auf dauer mindestens soviel Geld mache wie ein Ölscheich. Es mangelt den Leuten nur an Visionen und Bildung. Eine Ölpalmenplantage bringt nur ein paaer Jahre Erträge danach ist das Land Wüste. Die Ertr#ge sind nicht sonderlich hoch.
Wenn ich den Urlwald nachhaltig nutze (mit Förstern und Sammelstellen) habe ich eine Ausbeute an unzähligen Pflanzen für die Pharmaindustrie, Felle von 100 verschiedenen Tieren (klar nicht alle auf einmal, aber pro 50m2 km z.B. 1 Ozzelot im Jahr). Oder das Edelholz das man ab und an schlagen kann. Insekten die man für Terraien vermarkten kann. Oder Ökologische Wunder für wer weis was. Ganz abgesehen vom Tourismus....
Aber Idi.oten bleiben Idi.oten. Wenn jemand heutzutage ein hohes Amt bkleidet und trotzdem ernsthaft in erwägung ziehen kann so einen Goldschatz zu vernichten um 20 Jahre später in einer riesen großen Wüßte zu sitzen mangelt es wohl ganz stark an Gehirnzellen....
denn offensichtlich keine Politik, keine Umweltorgansisationen und kein Verantwortungsgefühl der Menschen, für Natur und Lebenwesen, stoppen kann. Es ist einfach nur zum Heulen.
Paging