Von Text: Franziska Badenschier; Fotos: Barbara Bonisolli

Viele pollengeplagte Menschen wissen nicht, dass sie auch auf Essen reagieren.

Mal kratzt der Hals, mal pocht das Herz: Viele Pollen-Allergiker wissen gar nicht, dass sie auch auf Essen reagieren. Zwei, drei Stück Schokolade sind okay, mehr nicht: "Sonst bekomme ich solch einen Hals", berichten Nuss-Allergiker häufig. Nicht von ungefähr steht auf fast jeder Tafel Schokolade: "Kann Spuren von Nüssen oder Erdnüssen enthalten." Der Anteil lässt sich zwar kaum beziffern. Doch schwellen bei starken Nuss-Allergikern binnen Minuten die Schleimhäute in Hals und Rachen an.

Eier; Foto: Barbara Bonisolli

Viele Kleinkinder vertragen Eier nicht. Nach ein paar Jahren hat sich das aber meist gegeben. (© )

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"Auf den ersten Blick sind nicht alle Nahrungsmittel-Allergien so leicht zu erkennen", sagt Eva Hammers-Pradier von der Medizinischen Hochschule Hannover. Durchfall zum Beispiel kann nicht nur auf eine Nahrungsmittel-Allergie hinweisen, sondern auch auf eine entzündliche Darmerkrankung oder ein chronisches Leiden wie Morbus Crohn. Leichter zu erkennende Anzeichen sind Schwellungen, Ekzeme oder Neurodermitis. "Die Patienten merken meist selber, dass sie eine Allergie haben, die Frage ist nur: welche?", sagt Hammers-Pradier. In diesem Fall hilft der Arzt weiter. Er fragt zum Beispiel ab, ob in der Familie bereits Allergien vorkommen. Eine erhöhte Allergiebereitschaft kann nämlich vererbt sein.

Kiwi essen und abwarten

Hat der Patient bereits einen Verdacht, beispielsweise auf eine Kiwi-Allergie, lädt Heinz Jarmatz, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, zum "Kiwi-Festival": 14 Tage lang darf der Patient keine Kiwis zu sich nehmen. Dann wird "gefeiert": Der Patient isst zwei, drei Kiwis - und wartet ab, was passiert. Treten Bauchweh oder andere, früher beobachtete Symptome auf, ist die Allergie bewiesen.

Diese Methode ersetzt jedoch nicht den so genannten Prick-Test. Bei dieser Standarduntersuchung werden dem Patienten auf die Innenseite eines Unterarmes verschiedene Lösungen getropft, die jeweils ein bestimmtes Allergen enthalten. Mit einer Nadel wird dann durch den Tropfen hindurch die Haut angestochen. Bilden sich innerhalb weniger Minuten kleine Quaddeln oder beginnt die Haut zu jucken, ist das eine Immunreaktion. So lassen sich Allergien auf Tierhaare, Pollen und Gräser, aber auch auf Nahrungseiweiße, Hülsenfrüchte und Obst nachweisen. Liefert der Prick-Test kein Ergebnis oder verbietet er sich wegen einer Hauterkrankung, untersuchen Ärzte das Blut auf Antikörper, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind.

Hilfreich bei der Suche nach Nahrungsmittel-Allergien ist auch eine spezielle Diät, bei der zunächst zehn Lebensmittel und dann peu à peu weitere erlaubt sind. Auch ein Ernährungstagebuch kann helfen, in dem man notiert, was wann in welcher Menge gegessen wurde und wann welche Beschwerden aufgetreten sind. Die Ergebnisse sind jedoch nicht immer eindeutig.

Allergisch oder nur intolerant?

Manchmal steckt hinter dem Verdacht auf eine Allergie auch eine Intoleranz. "Beides zeigt zwar, dass man ein Nahrungsmittel nicht verträgt", sagt Johannes Ring von der Technischen Universität München. "Allerdings sind Allergien Abwehrreaktionen des Immunsystems, während für Intoleranzen meist Enzymdefekte verantwortlich sind."

So umfasst die umgangssprachliche "Milch-Allergie" meist auch eine Intoleranz: Der Körper kann den Milchzucker Lactose nicht richtig abbauen. Echte Allergien auf Kuhmilch-Eiweiße hingegen treten bei Erwachsenen selten auf. Nur Kleinkinder reagieren öfter auf Kuhmilch - und auch auf Eier: mit Hautausschlag oder Magen-Darm-Beschwerden. Bis zur Einschulung sind aber acht von zehn betroffenen Kindern wieder allergiefrei. Allein Nuss-Allergien bleiben länger bestehen.

Haben Säuglinge Ekzeme oder Bauchweh, müsse das indes gar nicht am Essen liegen, sagt die Münchner Ernährungsberaterin Imke Reese: "Koliken können auch nur vorübergehend sein, weil die Darmflora noch nicht ausgereift ist."

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(SZ Wissen vom 30.4.2005)