Der Alkohol, den der durchschnittliche Europäer pro Woche trinkt, entspricht 21 Schnäpsen. Die Folge: Jeder zehnte Europäer stirbt am Alkohol.
Jeder 25. Todesfall weltweit geht auf Alkohol zurück - in Europa ist es sogar jeder zehnte. Mehr als dreimal so viele Männer wie Frauen sterben an den Folgen von Alkoholkonsum. Auch viele Erkrankungen und Behinderungen sind auf zu viel Alkohol zurückzuführen. Neben Leber- und Herzleiden werden auch Tumore von Mund und Rachen, Enddarm und Brust durch Alkohol begünstigt. Zudem steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum das Risiko für Depression, Demenz, Schlaganfall, Gewalt, Vergiftungen und andere Zwischenfälle deutlich an. Die Fachzeitschrift Lancet widmet der globalen Gefahr durch Alkohol in der Ausgabe vom heutigen Freitag einen Schwerpunkt (Bd.373, S.2201ff., 2009).
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Weltweit beläuft sich der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum auf 6,2 Liter reinen Alkohol im Jahr, haben Wissenschaftler um Jürgen Rehm vom Suchtzentrum Toronto ermittelt. Spitzenreiter in dieser unrühmlichen Statistik sind die Europäer, die durchschnittlich 11,9 Liter puren Alkohol jährlich zu sich nehmen - das entspricht etwa 21 Schnäpsen pro Woche.
In Nordamerika werden 9,4 Liter jährlich konsumiert. In Südamerika, Asien und Afrika wird weitaus weniger getrunken. Am wenigsten Alkohol trinken mit 0,7 Litern im Jahr die Bewohner des östlichen Mittelmeerraums. "Betrachtet man diese Zahlen, muss man sich zusätzlich klarmachen, dass 45 Prozent der Männer und 66Prozent der Frauen ihr Leben lang gar keinen Alkohol trinken", sagt Suchtforscher Rehm.
Besonders dramatisch ist die Situation in Russland. Dort geht jeder siebte Todesfall auf Alkohol zurück. Unter jüngeren Menschen fordern Wodka und Co. noch mehr Opfer: Mehr als die Hälfte aller Todesfälle im Alter zwischen 15 und 54 geht auf Alkohol zurück, hat ein Team um David Zaridze vom Krebsforschungszentrum in Moskau ermittelt. Unter jenen, die am meisten Alkohol zu sich nahmen, starben besonders viele Menschen durch Unfälle, Gewalttaten und Alkoholvergiftung.
Seit 1990 kam es in Russland zu einem massiven Anstieg der Todesfälle bei Erwachsenen in allen Altersgruppen. Die aktuelle Auswertung zeigt, dass dieses Phänomen fast ausschließlich auf Folgen des Alkohols zurückgeht. Ein besonderes Problem in Russland ist die illegale Herstellung von Alkohol. Sie macht 50 Prozent des Alkoholkonsums im Land aus. "Das muss endlich gestoppt werden", fordert der Mediziner Peter Anderson von der Universität Maastricht.
Sally Casswell von der Universität Auckland beklagt, dass der Kampf gegen Alkoholmissbrauch weltweit noch nicht genügend Schlagkraft hat: "Angesichts des Schadens muss die Bedrohung ernster genommen werden." Die Forscher fordern im Lancet, dass Alkohol viel höher besteuert werden soll, direkte und indirekte Werbung verboten und der Verkauf stärker kontrolliert wird. Noch immer sei der Einfluss der Alkoholindustrie zu groß, er sei mindestens mit dem der Tabaklobby vergleichbar. "Wir brauchen nicht nur Politiker und Regierungen im Kampf gegen den Alkohol", sagt Sally Casswell. "Andere, unabhängige Organisationen müssen die Politik permanent an ihre Aufgaben erinnern."
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(SZ vom 26.06.2009/beu)
Demonstrationen in Hamburg
Es sollte natürlich heißen: "dass man nach dem individuellen Suchtpotenzial fragen muss", da war ein "nicht" zu viel. Muss der viele Kaffee sein. ;)
(Liebe SZ: Eine Nachbearbeitungsfunktion à la digg.com - zumindest für 5 Minuten - wäre ganz zauberhaft ...)
Wie W.Schaumberger denke ich, dass man nicht nach dem individuellen, durch Sozialisierung und/oder Gene determinierten Suchtpotenzial fragen muss. Wer genießen mag und beizeiten "Nein danke" sagen kann, wird es tun; wer sich umbringen will, findet einen Weg - mit Alkohol, mit härteren Stoffen, mit Glücksspielen; völlig egal.
Es ist typisch für uns,dass wir solche Themen gerne externalisieren: böser Alkohol, böses Cannabis. Falsch. Missbrauch, Kult, Dämonisierung - wir (als Individuen, Gesellschaften, Glaubensgemeinschaften) laden Stoffe mit Bedeutung und Gefahren auf; sie steckt nicht darin.
Besonders ironisch stößt mir dabei schon seit den Achtzigerjahren auf, wie bei den zaghaftesten Rufen zum Beispiel nach einer Legalisierung von Cannabis vor allem jene Würdenträger der Politik sofort die Apokalypse beschwören, denen man ansieht, was sie Abends am Stammtisch nach solch anstrengenden Pressekonferenzen typischerweise konsumieren.
Eine fachübergreifende Forschung über die Ursachen von Süchten; Honorieren von eigenverantwortlichem Handeln und Eingreifen bei systematischer Selbstzerstörung statt pauschalem Verbieten potenziell gefährlicher Substanzen; Das wäre eine breit angelegte Debatte wert. Aber es gibt genug Interessengruppen in Deutschland (wie auch in den USA und andernorts), die das zu verhindern wissen. Am status quo lässt sich nämlich ganz wunderbar verdienen beziehungsweise die eigene Arbeit legitimieren; wie absurd sie einem klaren Verstand auch erscheinen muss.
Wenn's im Winter 3 Monate (Finnland, etc.) lang dunkel wäre, würde ich auch an Alkenhohl sterben. Aber was hat das mit uns zu tun ? Macht mal 'ne Europalandkarte mit Einfärbung, so wie es eine Armutskarte von D gibt, Ihr Kanadanier !
legalize it!
Wetten, in den Kneipen wird als nächstes das trinken verboten???
Es ist Wahlkampf!!!
Paging