Alarmierende Klimastudie Arktis ohne Eis

Abschmelzung in vollem Gang: Britische Forscher prognostizieren, dass der Nordpol spätestens 2040 eisfrei sein wird - in zehn Jahren dürfte das Nordpolarmeer schon eine sicher passierbare Wasserstraße sein.

Wegen der Erderwärmung wird der Nordpol in 20 bis 30 Jahren laut einer aktuellen Studie im Sommer vollkommen eisfrei sein. Die von dem britischen Forscher Pen Hadow auf einer Nordpol-Expedition (Catlin Arctic Survey) im Frühjahr gesammelten Daten zeigten ferner, dass der Pol innerhalb der nächsten zehn Jahre während der Sommermonate praktisch eisfrei sein wird.

Das Nordpolarmeer dürfte dann eine sicher zu passierende Wasserstraße sein, sagte Peter Wadhams von der Universität Cambridge an diesem Mittwoch bei der Vorstellung der Klimastudie in London.

Während der 73 Tage dauernden Expedition sei das einjährige Eis und das Packeis vermessen worden, um daraus genauere Voraussagen über dessen veränderte Dicke abzuleiten.

Während der Nordpol-Expedition von März bis Mai erfassten Hadow und seine beiden Begleiter mehr als 6000 Daten über die Dicke und Dichte des Eises, wie aus der Studie hervorgeht.

Auf der 450 Kilometer langen Expeditionsroute betrug die durchschnittliche Dicke des einjährigen Eises demnach 1,8 Meter - zu dünn, um die Eisschmelze des nächsten Sommers zu überstehen, wie Wadhams sagte. Das einjährige Eis sei im Sommer "sehr anfällig", sagte Wadhams. Es reiche nicht aus, um zur Regeneration des mehrjährigen Packeises beizutragen.

Die Forscher fanden jedoch heraus, dass das Packeis "schneller wegschmilzt". "Das ist ein konkretes Beispiel für fortschreitende globale Veränderungen", sagte Wadhams.

Der Klimaexperte der Naturschutzorganisation WWF, Martin Sommerkorn, sagte, die Untersuchung zeichne ein düsteres Bild. Die Eisschmelze gehe "schneller als wir gedacht haben". Das Abschmelzen der Polkappen könne Überschwemmungen nach sich ziehen, von denen ein Viertel der Weltbevölkerung betroffen sein könnten.

Dies sei als Aufruf an die Regierungen zu verstehen, sich beim Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen auf eine Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen zu verständigen.