Es gibt HIV-Tests, die sollen so einfach sein wie ein Schwangerschaftstest. Experten warnen allerdings vor der HIV-Speichelprüfung für den Hausgebrauch.
Zwei Tage warten zwischen Leben und Tod - wer je in seinem Leben einen Aids-Test gemacht hat, kennt das Gefühl. Außerdem muss man dafür zweimal zum Arzt gehen, zum Blut abnehmen und um das Ergebnis zu erfahren. Die Vorstellung eines HIV-Tests, der genauso einfach funktioniert wie eine Schwangerschaftstest, erscheint daher sinnvoll.
Ein Schnelltest auf HIV kann helfen - ist aber nichts für den Hausgebrauch. (© Foto: http://www.orasure.com)
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Seit einigen Jahren gibt es solche Schnelltests, die das Virus in Speichel, Urin oder einem Blutstropfen aus dem Ohrläppchen in weniger als einer Stunde nachweisen können. Sie werden vor allem in Kliniken zur Schnelldiagnose eingesetzt, sind über das Internet aber auch allgemein erhältlich; manche gleich im Fünfer-Pack als Argumentationshilfe für ungeschützten Sex im Swinger-Club. Experten warnen jedoch eindringlich vor dem Hausgebrauch.
"Man möchte sich nicht vorstellen, wie es einem Menschen ergeht, der zuhause alleine erkennt, dass er sich mit dem HI-Virus infiziert hat", sagt Jürgen Rockstroh von der Immunologischen Ambulanz der Universitäts-Klinik Bonn.
Ein Beitrag im Fachblatt PloS Medicine (Bd. 5, e92) hat am Dienstag dazu geführt, dass manche Medien einen der gängigen Schnelltests als Neuerung in der HIV-Diagnostik anpriesen.
Der als Neuheit gefeierte Test ist jedoch bereits seit 2004 auf dem Markt und dafür bekannt, dass er mitunter falsche Ergebnisse anzeigt. Auch andere Schnelltests sind unzuverlässig. Die amerikanische Behörde für Seuchenschutz CDC berichtete 2004 von mindestens fünf Patienten, denen ein Test angezeigt hatte, dass sie das Virus nicht im Körper hatten, obwohl sie HIV-positiv waren, wie sich in langsameren Standard-Untersuchungen gezeigt hatte.
"Die Fehlerwahrscheinlichkeit ist höher, wenn die Tests von Ungeübten gemacht werden", sagt Claudia Kücherer, HIV-Expertin am Robert-Koch-Institut in Berlin.
In professionellen Händen können die Schnelltest durchaus Leben retten. Etwa wenn sich eine Krankenschwester mit einer verschmutzten Nadel gestochen hat und der Verdacht besteht, dass ihr Patient HIV-positiv ist. Mit Medikamenten könnte sie ein eventuell übertragenes Virus in Schach halten, wenn sie weiß, dass die Gefahr einer Übertragung bestand.
In jedem Fall sei der Test besser als nichts, sagt Kücherer, insbesondere in ärmeren Ländern könne er helfen, die Virusübertragung von einer infizierten Schwangeren auf das Kind zu verhindern, indem rechtzeitig entsprechende Medikamente verabreicht werden. Darum ging es auch in dem PloS-Artikel. Kanadische Forscher hatten indischen Frauen den Speicheltest angeboten.
Sie konnten damit 15 infizierte Schwangere in ihrer Untersuchungsgruppe identifizieren und ihnen Medikamente geben, die eine Mutter-Kind-Übertragung verhindern.
- Infektionskrankheiten Wo kommen all die Seuchen her? 16.04.2008
- Aids-Medikamente Infarkt nach HIV-Pille 03.04.2008
- Kampf gegen HIV Auf Hoffnung geimpft 25.03.2008
(SZ vom 08.05.2008/mcs)
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Natürlich sollte ein solcher Selbsttester noch optimiert werden. Dennoch glaube ich, dass ein Großteil der sexuell aktiven Menschen auf dieser Erde noch keinen HIV-Test gemacht haben - wahrscheinlich aus unterschiedlichsten Gründen wie Nachlässigkeit, Bequemlichkeit, dem Glauben, dass man "das", weil man ein anständiger Mensch sei, nicht bekommen könne oder einfach, weil man Ärzte nicht mag.
Ein Selbsttest, auch wenn dieser keine 100%ige Sicherheit bietet, hätte da den Vorteil, dass zumindest ein hoher Prozentsatz der heute noch unwissentlichen HIV-Träger sich selbst als solche erkennen könnten und diese danach zum Arzt gehen würden.
Damit wäre ein großer Dienst im Kampf gegen HIV geleistet.