Die Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisieren die mangelhafte Versorgung von Aids-Patienten mit Medikamenten. Mexiko will nun den freien Handel mit den Mitteln zulassen.
Die Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben in Mexiko-Stadt dramatische Versorgungslücken bei Medikamenten und medizinischem Personal in der HIV/Aids-Behandlung beklagt.
Bild vergrößern
Das Fehlen von Medikamenten kritisiert diese Aktivistin in Mexiko-Stadt. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Deshalb begrüßte die Organisation die Entscheidung Mexikos, den freien Handel mit Aidsmedikamenten zulassen mit dem Ziel, möglichst vielen HIV-Infizierten den Zugang zur Behandlung zu ermöglichen.
Staatsoberhaupt Felipe Calderón hat auf der Weltaidskonferenz angekündigt, auch den Import von Nachahmer- Präparaten (Generika) zu erlauben, deren Herstellerfirmen kein eigenes Werk in Mexiko besitzen. Bisher durften in Mexiko solche Medikamente nur von Firmen verkauft werden, die auch eine Fabrik in dem Land betreiben. Durch diese Regelung waren billigere HIV-Generika bislang kaum verfügbar.
Calderón kündigte zudem an, Mexiko werde in diesem Jahr umgerechnet knapp 200 Millionen Euro für den Kampf gegen die Epidemie ausgeben.
Alles, was den Wettbewerb bei hochqualitativen Generika fördere, senke die Kosten und verbessere damit den Zugang, hieß es bei den Ärzten ohne Grenzen. Die Organisation behandelt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 140.000 HIV-Infizierte, zu über 85 Prozent mit günstigen indischen Generika.
Nach Zahlen des jüngsten Weltaidsberichts erhalten zwar inzwischen rund drei Millionen Bedürftige in Entwicklungs- und Schwellenländern die nötigen Medikamente. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist das jedoch nur knapp ein Drittel der geschätzt 9,7 Millionen Menschen, die die Präparate brauchen. Insgesamt leben weltweit rund 33 Millionen HIV-Infizierte; nach Kriterien der WHO müssten davon ein knappes Drittel unbedingt behandelt werden.
In einer großen Umfrage unter 3000 HIV-Infizierten aus 18 Ländern gab allerdings rund ein Drittel (34 Prozent) der Befragten an, die Behandlung mit den lebensverlängernden Mitteln abgebrochen zu haben, weil sie die Nebenwirkungen als zu gravierend empfanden.
Mehr als ein Viertel (26 Prozent) hatten diese Therapie aus Furcht vor Nebenwirkungen gar nicht erst begonnen, heißt es im Journal of the International Association of Physicians in Aids Care.
Laut der auf der Konferenz veröffentlichten Umfrage fürchtet auch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten noch immer soziale Diskriminierung wegen ihrer HIV-Infektion. Dieses Ergebnis zeige die dringende Notwendigkeit, Vorurteile zurückzudrängen.
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton gekündigte an, eine Agentur für die Frauen im Zusammenhang mit der Aids-Epidemie zu gründen. Vor mehreren Tausend Zuhörern sagte Clinton auf der Aids-Konferenz in Mexiko-Stadt, die Agentur solle im Rahmen des UN-Programms UNAIDS geschaffen werden. Die Frauen seien weltweit schon sehr stark von der Seuche betroffen, begründete Clinton seinen Vorschlag.
"Im Kampf gegen die Epidemie muss aber auch der Kampf gegen Ungleichheit der Geschlechter und die Gewalt in allen ihren Aspekten einbezogen werden", forderte er am ersten Tag der bis Freitag dauernden Diskussionen von 25.000 Ärzten, Fachleuten, Wissenschaftlern und Aktivisten aus der ganzen Welt.
Nach Informationen von UNAIDS sind 80 Prozent der infizierten Frauen durch Gewaltanwendung in diese Lage geraten. Clinton sprach sich auch für eine Stärkung der Gesundheitssysteme und ihre Dezentralisierung aus, damit auch Randgruppen Zugang zu ihnen erhielten.
Seit dem Ende seiner Präsidentschaft widmet sich Clinton dem Thema Aids mit Hilfe einer seinen Namen tragenden Stiftung. Durch sie können nach seinen Angaben weltweit 1,4 Millionen Infizierte Medikamente kaufen. Er bekräftigte aber auch, dass die reichen Länder noch weitaus mehr tun müssten, um angesichts der steigenden Lebensmittel- und Energiepreise den armen Ländern zu helfen.
- 17. Aids-Konferenz "Ein Ende der Epidemie ist nirgends in Sicht" 04.08.2008
- Studie HIV-Rate in USA höher als angenommen 03.08.2008
- Leben mit Aids 13 Jahre mehr 25.07.2008
(dpa/mcs)
Ich finde Ihren letzten Absatz in keinster Weise zynisch - es ist vielmehr eine logische Schlußfolgerung, daß die Natur immer Mittel und Wege findet, um eine sich anbahnende
katastrophale Vermehrung der Menschheit zu zügeln.
Warum lassen wir der Natur nicht ihren Lauf. Der Planet kann keine 9 Mrd Menschen ernähren - das müssen wir als eine absolute Wahrheit akzeptiern, sonst ist jede weitere Diskussion sinnlos.
Dann ergibt sich jedoch die Fragr, ob es wirklich so viel schöner ist, zu verhungern als ein Aids zu sterben ?
laut der anhängenden AIDS - Karte leben entgegen den im Artikel gemachten Angaben 4.264.299.745 Menschen. Davon sind nach den %-Angaben dann ca. 85.420.181 Infiziert. Das sind fast 3 mal so viele, wie die WHO angibt. Nimmt man jedoch die Behandlungsbedürftigen als Basis (~10 Mio.) stimmt die oben berechnete Zahl.
Es sind nach der Mathematik der Seuche (siehe: Walter Seifritz, "Wachtum, Rückkopplung und Chaos", Seite 140 ff, "Die Dynamik der AIDS-Krankheit") auf 1 akut Erkrankten immer ca. 100 andere infiziert. Diese Dynamik zu Grunde legend, sind alle Zahlen der WHO Augenwischerei und ich persönlich vertraue lieber der Mathematik als den politisch motivierten Auguren aus dem Dunstkreis der UN. Denn unter DEN Gesichtspunkten ist der Kampf schon verloren.
Inwieweit auf der anderen Seite die Seuche als Regulanz für das hemmungslose Bevölkerungswachstum angesehen werden kann, bleibt eine zynische Frage, aber der Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte und der Ausbreitung beliebiger Seuchen ist letztlich auch bekannt weiß ...
Kuni