Neue Forschungsergebnisse: Eine unter Afrikanern weit verbreitete Gen-Variante schützt vor Malaria - aber erhöht das HIV-Infektionsrisiko rasant.
Die starke Verbreitung von HI-Viren in Afrika liegt möglicherweise unter anderem daran, dass viele Menschen dort eine bestimmte Variante des sogenannten DARC-Gens besitzen.
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Ein Waisenkind im Kongo. Viele Kinder in Afrika verlieren ihre Eltern durch Aids. (© Foto: AFP)
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Wie amerikanische und britische Forscher berichten, steigt das Infektionsrisiko für seine Träger offenbar um 40 Prozent. Es handelt sich um die Variante eines Gens, die die Menschen südlich der Sahara vor einer Form der Malaria schützt. Was hier ein Vorteil ist, erweist sich angesichts der Aids-Epidemie nun offenbar als Nachteil.
Im Kampf gegen das Virus nutzt diese Erkenntnis kurzfristig leider nichts. Die Forscher hoffen aber, dass ihre Studie hilft, den Erreger besser zu verstehen, was langfristig neue medizinische Möglichkeiten eröffnen könnte.
Die Wissenschaftler um Sunil K. Ahuja vom amerikanischen Veterans Administration Research Center for AIDS and HIV-1 Infection in San Antonio, Texas, und Matthew J. Dolan von der Uniformed Services University in Bethesda, Maryland, hatten das Erbgut von etwa 3500 Angehörigen der US-Luftwaffe analysiert, wo seit 25 Jahren HIV-Infektionen beobachtet werden. Darüber hinaus wurden DNS-Proben von mehr als 1000 Menschen aus aller Welt untersucht.
Wie sich herausstellte, war die Wahrscheinlichkeit, dass Afroamerikaner mit der besonderen genetischen Variante mit HIV infiziert waren, um 40 Prozent höher als bei den übrigen schwarzen Studienteilnehmern (Cell Host and Microbe, Bd. 4, S. 52, 2008).
Auf die afrikanische Bevölkerung hochgerechnet würde dies bedeuten, ohne die Gen-Variante wäre die Zahl der HIV-Infizierten in Afrika - Schätzungen gehen von 24,5 Millionen aus - um elf Prozent geringer.
Allerdings ist bei den Trägern der besonderen Form des Gens die Lebenserwartung nach der Infektion etwa zwei Jahre länger als bei anderen Aids-Patienten.
Das betroffene Gen kodiert den sogenannten DARC-Rezeptor auf den roten Blutkörperchen. Nachdem Robin Weiss von der University of London die Vermutung aufgestellt hatte, dass ein fehlerhafter DARC-Rezeptor anfälliger für HIV-Infektionen macht, hatten er und seine amerikanischen Kollegen die Verbreitung der Gen-Varianten untersucht.
Der genaue Zusammenhang zwischen dem Gen und dem Infektionsrisiko ist weiterhin unklar. Immerhin könnten die Ergebnisse aber erklären, warum einige Länder unter einer besonders starken Verbreitung der HI-Viren leiden.
Wie Ade Fakoya von der International HIV/AIDS Alliance dem britischen Nachrichtensender BBC erklärte, habe es immer den Mythos gegeben, die Menschen in Afrika südlich der Sahara würden sich aufgrund ihres Sexualverhaltens eher mit HIV infizieren, oder weil sie promiskuitiv wären. Die Studie zeige nun, "dass es nicht so einfach ist. Ich denke, das ist eine wichtige Botschaft für die Bildungsprogramme in diesen Regionen".
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(sueddeutsche.de/bern)
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