Warum Menschen wütende Männer so schnell wahrnehmen.

Der Zorn steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wem? Den Männern. Und wo etwas geschrieben steht, muss es auch einen Leser geben.

Vorsicht, wütend! (Hier im Bild der italienische Fußballspieler di Canio.) (© Foto: dpa)

Anzeige

Dabei handelt es sich offenbar ebenfalls vor allem um Männer: So haben amerikanische und australische Neurowissenschaftler herausgefunden, dass aus einer großen Gruppe Menschen vor allem Männer mit zornigem Gesichtsausdruck herausstechen.

Und wie sie im Fachmagazin Current Biology (Bd. 16, S. 402, 2006) schreiben, bemerken es Männer rascher als Frauen, wenn einer ihrer Geschlechtsgenossen sein Gesicht zu einer wütenden Fratze verzieht.

Ärger oder Angst

Menschen sind Meister darin, Gesichter zu erkennen. Doch offenbar werden diese unterschiedlich wahrgenommen. Zeigen menschliche Züge Ärger oder Angst, ist das für die Mitmenschen ein Hinweis auf eine potenzielle Gefahr.

Und solche Signale sollten deshalb generell schneller wahrgenommen werden, als Gesichter die etwa Freude oder Trauer ausstrahlen. Diese Hypothese untersuchten nun Mark Williams vom Massachusetts Institute of Technology und Jason Mattingsley von der Universität Melbourne, Australien.

Dazu ließen die beiden Neuroforscher je 74 Männer und Frauen Fotos von Gesichtern begutachten, aus denen verschiedene Emotionen herauszulesen waren. Gemessen wurde die Zeit, bis unter mehreren Bildern von Gesichtern mit verschiedener Mimik jeweils das Foto mit einem bestimmten Ausdruck erkannt wurde.

Zornige Frauen

Die männlichen Probanden identifizierten dabei die Fotos zorniger Männer am schnellsten, rascher noch als Bilder wütender Frauen. Auch die Teilnehmerinnen des Tests entdeckten erst die verzerrten Züge wütender Männer, bevor ihnen die Bilder zorniger Frauen auffielen.

Menschliche Wahrnehmung beider Geschlechter habe sich im Laufe "der Evolution eben so entwickelt, dass Zeichen von Aggression bei Männern besonders schnell wahrgenommen werden", erklären die Forscher.

Denn von Männern - zumal wenn sie zornig sind - sei schon immer die größere Gefahr ausgegangen als von Frauen. Um dagegen Angst in Gesichtern zu erkennen, brauchten sowohl Männern wie auch Frauen ohne Unterschied etwas länger als bei Zorn.

Bei Gesichtern, die Emotionen ausdrückten, die nicht mit Gefahren verbunden waren, schalteten Frauen schneller: Egal ob Angst, Freude, Ekel oder Überraschung, diese Emotionen erkannten sie rascher als Männer.

Leser empfehlen 

(SZ vom 6.6.2006)