Um ihren Einfluss auf Ärzte einzuschränken, hat die Pharmabranche sich selbst einen Verhaltenskodex auferlegt. Der aber verhindert die unlauteren Werbepraktiken nicht, sagt die deutsche Ärzteschaft.
An Stars mangelt es Berlin nicht mehr. Wohl aber an Sternen. Fünf der 18 Fünf-Sterne-Hotels in der Hauptstadt verzichten neuerdings auf die Insignien der Luxusklasse und nennen sich, wie das Steigenberger am Los-Angeles-Platz und das Hilton am Gendarmenmarkt, lieber "Exklusives Stadthotel". Der Grund dafür ist keine neue Bescheidenheit. Der Grund ist die Pharmaindustrie.
"Die unkritische Verordnung der Medikamente droht, unser Gesundheitssystem zu zerstören." (© Foto: ddp)
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Wichtige Unternehmen der Pharmabranche haben sich nämlich vor vier Jahren selbst einen Verhaltenskodex auferlegt, der unter anderem unangemessen luxuriöse Einladungen an Ärzte untersagt. Mit der Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) wollten die Firmen abwenden, dass die Bundesregierung einen Korruptionsbeauftragten einsetzt.
Zu laut war die Kritik geworden, dass Arzneimittelhersteller Einfluss auf Ärzte nehmen, um sie zur Verschreibung ihrer Medikamente zu bewegen. Großzügige Einladungen in Luxushotels, Golfschläger als Präsente und Werbeveranstaltungen an Urlaubsorten, welche die Ärzte als Fortbildung geltend machen konnten, waren üblich.
Aber auch wenn Spitzenhotels nun Angst vor leeren Betten haben: Der Pharmakodex hat kaum geholfen. "Die Erfahrungen zeigen, dass der Kodex nicht geeignet war, unlautere Werbepraktiken und Einflussnahmen zu verhindern." Zu diesem Schluss kommt nun die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), ein Gremium der Bundesärztekammer, und droht: Wenn nicht endlich Maßnahmen ergriffen werden, muss der Gesetzgeber doch noch ran.
"Diese Praktiken" könnten schließlich Fehlbehandlungen zur Folge haben und die Sicherheit der Patienten gefährden. Die Kommission ärgert vor allem, dass die Ärztefortbildung "fest in den Händen der Pharmaindustrie liegt", wie Siegbert Walter von der AkdÄ sagt.
Zudem bekämen Ärzte zwischen 25 und 200 Euro, wenn sie einem Kranken ein bestimmtes Medikament verschreiben. Die Zahlungen (bei sehr teuren Medikamenten können es auch mal 1000 Euro sein) sind als Aufwandsentschädigung getarnt. Die Ärzte müssen einen kurzen Fragebogen ausfüllen, welcher den Firmen für "Anwendungsbeobachtungen" dienlich sein soll.
"Diese Bögen sind aber wissenschaftlich wertlos, sie werden meist nicht einmal ausgewertet", sagt Arne Schäffler von der Ärzteinitiative Mezis.
Viele seiner Kollegen glaubten sogar, sie täten ihren Patienten mit dem neuen Medikament etwas Gutes. Denn sie waren zuvor ja auf einer "Fortbildungsveranstaltung" der Pharmaindustrie, in Schäfflers Augen ein Ort der "massiven Desinformation".
Anders als viele seiner Kollegen lässt sich Schäffler aus Überzeugung nicht einladen. "Die unkritische Verordnung der Medikamente droht, unser Gesundheitssystem zu zerstören", warnt er. "Denn die Rechnung bekommt die Solidargemeinschaft." Neue Arzneien seien schon jetzt zum Teil kaum noch bezahlbar: Krebsmittel wie Herceptin oder Glivec kosten 20.000 bis 40.000 Euro pro Patient.
Trotzdem "machen auch die Ärzte bei dem schlimmen Spiel mit", moniert Schäffler. Auf die Rolle der Ärzte verweist auch die Pharmalobby. Die Ärztekammer fordere von der Pharmaindustrie nun strengere Regeln als sie sie in ihrer eigenen Berufsordnung vorsehe, sagt FSA-Geschäftsführer Michael Grusa. Dabei habe der Pharmakodex sichtbare Erfolge erzielt. Das zeige auch der fehlende Berliner Sternenglanz. Billiger allerdings sind die Luxushotels dadurch nicht geworden.
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(SZ vom 01.07.2008/mcs)
Zu laut war die Kritik geworden, dass Arzneimittelhersteller Einfluss auf Ärzte nehmen, um sie zur Verschreibung ihrer Medikamente zu bewegen. Großzügige Einladungen in Luxushotels, Golfschläger als Präsente und Werbeveranstaltungen an Urlaubsorten, welche die Ärzte als Fortbildung geltend machen konnten, waren üblich.
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was heisst, war üblich.
meine schwiegermutter erhaelt flachbildfernseher, luxusreisen und vieles mehr als chefaerztin und der kleine versicherte darf es mit überteurten medikamenten bezahlen. das kommt halt raus, wenn man die csu oder fdp waehlt.
war schon immer ein Medikament, um der guten Absicht Sand in die Augen zu streuen. Das hat noch nie funktioniert und diese Maßnahme wird auch nie funktionieren. Genau genommen verfolgen die Urheber dieser Maßnahme ein ganz anders Ziel.
Das Lobbyistentum ist das Krebsgeschwür unserer Zeit. Eine gut organisierte Minderheit drückt der Mehrheit ihren Stempel auf.