Archäologie in Rom "Aus purer Verzweiflung"

Die Vereinigung Italia Nostra, die sich dem Schutz von Kulturgütern verschrieben hat, setzt sich seit dem Fund des Macrinus-Grabes für dessen Erhaltung und die Schaffung einer musealen Zone in diesem Bereich der Via Flaminia ein, die ähnlich wie die bekanntere Via Appia außerhalb der römischen Mauern von Grabanlagen hochstehender Persönlichkeiten gesäumt war. Doch das entsprechende Gebiet gehört zum größten Teil einem einflussreichen römischen Immobilienunternehmen, dem in einem ersten Verfahren von der Soprintendenza eine Baugenehmigung erteilt wurde. Die Genehmigung wurde bislang nicht zurückgezogen, zugleich wurde das Areal des Macrinus-Grabes aber unter "direkte Denkmalschutzbindung" gestellt - ein bürokratischer Knoten, wie er im heutigen Rom nicht selten vorkommt.

Dennoch heißt das, es gibt ein faktisches Bauverbot und die Möglichkeit, das Monument zu erhalten. Doch den italienischen Denkmalschützern fehlen nach mehreren radikalen Kürzungen des Kulturhaushaltes in Rom wie anderswo im Land Mittel zum Erhalt von Kulturgütern - von der öffentlichen Verwertung ganz zu schweigen. Eine amerikanische Hilfsinitiative kündigte im Dezember an, die notwendigen Finanzmittel sammeln zu wollen. Auch Russel Crowe, der Hauptdarsteller des "Gladiator"-Films, rief zu Spenden für ein mögliches Macrinus-Museum auf. Wie es scheint, hatten beide Initiativen bislang wenig Erfolg.

Jahrelang waren die offenen Ausgrabungen der Witterung ausgesetzt. Die Gemeinde Rom, die für die Sicherung nach außen zuständig ist, hat sich nicht sonderlich um dieses archäologische Kleinod an ihrem Stadtrand gekümmert, wie auch Italia Nostra klagt. Migranten konnten dort gelegentlich Lager aufgeschlagen. In diesem Winter wurde das gesamte Areal im Auftrag der Soprintendenza mit Schutzplanen abgedeckt. Im Denkmalschutzamt, so ein Sprecher, sucht man jetzt eine "vernünftige Übereinkunft" mit dem Bauherren. Wie die aussehen soll, bleibt offen. Die Leiterin der Behörde, Mariarosaria Barbera, fürchtet, dass man "ernsthaft in Erwägung" ziehen muss, "die gesamte Anlage wieder zuzuschütten".

Dieses Verfahren, bei dem ein speziell dafür hergestelltes Erdgemisch verwendet wird, ist durchaus üblich. Es sei die sicherste Methode, etwas zu erhalten, sagt auch Henner von Hesberg, der Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Es werde in der Gegenwart immer häufiger angewandt, "oft aus purer Verzweiflung", wie von Hesberg betont, weil den Denkmalschützern die notwendigen Finanzmittel für Erhalt und Pflege fehlen. Was in der Regel für weniger sensationelle Ausgrabungen üblich ist, scheint jedoch bei diesem "wichtigsten Fund" der vergangenen Jahrzehnte im gewiss nicht armen archäologischen Grund von Rom, "ein Skandal" zu sein, wie es Emanuele Montini von Italia Nostra nennt.

In der Tat würden so Wissenschaftler mit ihren Forschungsergebnissen mal wieder unter sich bleiben, während das große Publikum nur Filme wie "Gladiator" mit seinen historischen Verdrehungen zu sehen bekommt.