Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam versucht, das Treibhausgas Kohlendioxid unter die Erde zu pressen, um den Klimawandel zu bremsen. Umweltschützer sind skeptisch.

Lässt sich Kohlendioxid langfristig unterirdisch speichern, statt ihn in die Atmosphäre zu blasen und damit die Erderwärmung weiter anzufeuern?

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In Ketzin (Havelland) befinden sich diese CO2-Tanks, aus denen Kohlendioxid in die tiefen Gesteinsschichten gepumpt wird. (© Foto: ddp)

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Dieser Frage wollen Wissenschaftler des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam in den kommenden Monaten nachgehen. Dafür haben sie seit einem Jahr 800 Meter tief gebohrt. Und jetzt kann es endlich losgehen. Reines Kohlendioxid wird seit Montag in Ketzin bei Potsdam unter die Erde gepresst.

Unter Federführung des GFZ soll mit diesem europäischen Pilotprojekt herausgefunden werden, ob mit der sogenannten Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken klimafreundlicher werden könnte. Dabei handelt es sich bei der CO2-Versenkung nur um den zweiten Teil der Idee, denn zunächst muss das Gas während der Verbrennung von Kohle in Kraftwerken abgetrennt und aufgefangen werden.

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall baut derzeit im südbrandenburgischen Schwarze Pumpe ein Testkraftwerk mit entsprechender Technik, das er noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen will.

Dort soll die Kohle im sogenannten Oxyfuel-Verfahren mit einem Gemisch aus reinem Sauerstoff und Rauchgas verbrannt werden. Das entstehende reine Kohlendioxid soll noch während des Brennprozesses gebunden und verflüssigt werden, um in eine unterirdische Lagerstätte abtransportiert werden zu können.

Andere Energiekonzerne experimentieren längst an ähnlichen Techniken. Deren Nachteil aber ist generell, dass der bei Braunkohlekraftwerken ohnehin relativ geringe Wirkungsgrad wegen der CO2-Abtrennung weiter sinkt. Im Oxyfuel-Verfahren kommt dazu, dass der nötige reine Sauerstoff erst aufwendig hergestellt werden muss. Auch befinden sich geeignete CO2-Lagerstätten meist nicht nahe der Kraftwerke. Das Gas müsste somit über weite Strecken transportiert werden.

Skepsis bei Umweltschützern

Umweltschützer kritisieren die Idee zur unterirdischen CO2-Speicherung seit langem. "Eine Lösung gegen die Erderwärmung ist das nicht", sagt Matthias Seiche vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Greenpeace-Expertin Gabriela von Görne ergänzt, dass trotzdem der Braunkohletagebau langfristig die Umwelt zerstöre. Die Brandenburger Grünen kritisieren die in die Technik gesetzten Hoffnungen als "reines Wunschdenken". Landeschef Axel Vogel forderte stattdessen eine Ausstiegsstrategie aus der Braunkohleverstromung.

Selbst Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) weist darauf hin, dass in Deutschland maximal Speicherkapazitäten für eine Kraftwerksgeneration vorhanden sind. Denn die Lagerstätte müsste jahrzehntelang dicht halten, entweichendes Kohlendioxid würde sonst den Effekt zum Klimaschutz zunichtemachen. "Außerdem ist die Technologie frühestens in 15 bis 20 Jahren marktreif", sagt Gabriel. Unsicher sei auch, ob die Bevölkerung eine massenhafte CO2-Speicherung unter ihren Wohnorten akzeptiere.

"Bisher ist leider noch niemandem etwas Besseres eingefallen, was man mit dem CO2 tun kann, als es unter der Erde zu speichern", sagt dazu der frühere GFZ-Vorstandsvorsitzende Rolf Emmermann.

Vor Beginn der Bohrungen im Frühjahr 2007 haben seine Mitarbeiter drei Jahre lang den Untergrund in Ketzin untersucht. Ergebnis: Eine Salzwasserlösung in tiefliegendem porösen Sandstein könnte das Kohlendioxid aufnehmen, eine darüber liegende Tonschicht soll für die Abdichtung nach oben sorgen.

Durch eine der Bohrungen sollen in den kommenden zwei Jahren 60.000 Tonnen CO2 in die Erde versenkt werden. Über die beiden anderen Löcher soll mit Sonden untersucht werden, wie sich das Klimagift unter den Tiefenbedingungen mit einer Temperatur von 35 Grad und einem Druck von bis zu 80 Bar in den Gesteinsschichten ausbreitet.

"Wir müssen überprüfen, ob das Reservoir dicht und sicher ist", erläutert Günter Borm, der das Projekt beim GFZ angeschoben hatte. Er gehe aber davon ausgeht, dass so gut wie nichts aus der Lagerstätte nach oben entweicht.

Norwegen allerdings hat im vergangenen Jahr Versuche zur Versenkung des Gases unter den Nordseeboden wegen unkalkulierbarer Risiken abgebrochen. Bei Lagerstätten unter dem Meer besteht die zusätzliche Gefahr, dass entweichendes CO2 das Wasser übersäuern könnte.

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(AP/Sven Kästner/mcs)