Nashorn, Aal und Tiger: Internationale Konferenz weitet den Artenschutz aus. Zur Debatte standen 38 bedrohte Arten sowie rund 60 Vorschläge zur Umsetzung des Abkommens.
Gefährdete Tierarten sollen stärker unter Artenschutz gestellt werden. Foto: dpa
Mit einem überwiegend positiven Urteil von Umweltverbänden ist am Freitag die Konferenz zum internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten zu Ende gegangen. In zweiwöchigen Beratungen hatten die Delegierten in Den Haag den Schutz zahlreicher Arten verstärkt.
Am letzten Tag scheiterte Japan mit einem wiederholten Versuch, das eigene Interesse am Walfang in die Cites-Konferenz zu tragen. Cites ist die auch als Washingtoner Artenschutzabkommen bezeichnete Vereinbarung von 171 Staaten über den Handel mit bedrohten Tieren und Pflanzen.
Eine einstündige Endabstimmung sollte den Schlusspunkt der 14. Welt-Artenschutzkonferenz bilden. Zur Debatte standen 38 bedrohte Arten sowie rund 60 Vorschläge zur Umsetzung des Abkommens. Üblicherweise schaffen die Gesandten dieses Pensum in kurzer Zeit, weil die Detail-Verhandlungen vorher in den zuständigen Ausschüssen stattfinden.
Doch diesmal geriet das abschließende Votum ins Stocken, weil Japan versuchte, die Walfangpolitik in die Diskussion einzubringen. Diese wird eigentlich von der Walfangkomission IWC geregelt. Dieser Versuch löste heftige Irritationen unter den Delegierten aus.
So etwas habe sie noch nie erlebt, sagte eine deutsche Delegierte am Freitagnachmittag. Eine derart "erhitzte Debatte" um Formalien habe es noch nie gegeben. Vertreter mehrerer Staaten, die den Walfang befürworten, kritisierten Formfehler an der Abstimmung.
Sie zogen sogar die Zuverlässigkeit der elektronischen Wahlautomaten in Zweifel. Vertreter karibischer Staaten unterstellten der EU, andere zu beeinflussen. Es kam zu heftigen Diskussionen. Aus der deutschen Delegation hieß es, es werde "auf Zeit gespielt". Beobachter der Konferenz sprachen von einer Verzögerungstaktik der Walfang-Befürworter: Die Abstimmungen sollten bis zur Abreise der Gegner hinausgezögert werden.
Am frühen Abend konnte die Konferenz jedoch erfolgreich abgeschlossen werden. "Die EU konnte das Ansinnen der Walfang-Befürworter, das Thema Wale aufs Tapet zu bringen, abblocken", sagt der deutsche Delegationsleiter Jochen Flasbarth. Bezahlt hätte man das mit der Ablehnung des Schutzes der Haie
Flasbarth zog dennoch eine positive Bilanz der Beratungen. "Wir haben große Schritte vorwärts gemacht", sagte er. Bereits am Montag war der Antrag der deutschen Delegation, den Handel mit dem Europäischen Aal streng zu kontrollieren, im Ausschuss mit großer Mehrheit angenommen worden. Deutschland führt derzeit den Vorsitz im Europäischen Rat und brachte deshalb stellvertretend für die EU Vorschläge ein.
Der Aal wird in Deutschland seit 1998 auf der Roten Liste als gefährdet geführt. Insbesondere in Asien ist die Nachfrage nach Aallarven, den sogenannten Glas-Aalen, stark gestiegen. Da es bisher nicht gelungen ist, Aale zu züchten, ging der Bestand durch Überfischung stark zurück.
Am Freitag gab die Hauptversammlung ihre Zustimmung für diesen und die weiteren in den Ausschüssen ausgehandelten Kompromissen. Der Antrag, die Rote Koralle unter Schutz zu stellen, scheiterte allerdings in letzter Instanz.
Das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen Cites schützt rund 8000 Tier- und 40 000 Pflanzenarten. Auf der Welt-Artenschutzkonferenz tagen alle zwei bis drei Jahre die Vertreter der Vertragsstaaten. Sie entscheiden über den Schutz von Arten, die durch Handel bedroht werden, und können weltweite Handelsverbote und -beschränkungen beschließen.
Im Verlauf der Konferenz hatten die Fachgremien sogar einen Kompromiss beim umstrittenen Elfenbeinexport erreicht. In nächtelangen Sitzungen - ein Beobachter sprach von einem "regelrechten Geschacher" - einigten sich die Staaten auf eine neue Regelung für den Elfenbein-Handel.
Südafrika, Botswana, Simbabwe und Namibia, dürfen demnach einmalig 200 Tonnen Elfenbein aus Staatseigentum verkaufen. Danach bleibt der Elfenbeinhandel für weitere neun Jahre weltweit verboten. Erstmals seit dem Handelsverbot von 1989 haben sich die afrikanischen Länder in dieser Frage auf eine Position geeinigt.
Abnehmer der afrikanischen Elfenbeinvorräte sind Japan, das über eine Lizenz zur Einfuhr von Elfenbein verfügt, und China, das diese Lizenz beantragt hat. Kein weiterer Staat hat Interesse an Elfenbein.
Volker Homes von der Umweltorganisation WWF begrüßt die Einigung, kritisiert jedoch, dass "die Wurzel des Problems nicht angepackt wurde". In Westafrika seien die Tiere nach wie vor "extrem bedroht". Die westafrikanischen Länder müssen dazu angehalten werden, die bestehenden Bestimmungen endlich auch in der Praxis umzusetzen, fordert Homes. "Nur so können die illegalen Elfenbeinquellen gestopft werden."
Ein von Deutschland eingebrachter Antrag, drei tropische Baumarten unter Schutz zu stellen, scheiterte bereits am vergangenen Samstag im Fachausschuss am Votum der Holz exportierenden südamerikanischen Staaten.
Nashörner hingegen sollen in Zukunft besser geschützt werden. In Simbabwe und der Demokratischen Republik Kongo wurden laut Cites zwischen 2003 und 2005 60 Prozent der Bestände für den illegalen Handel getötet. Nun sollen die Schutzmaßnahmen verstärkt werden.
Außerdem haben sich die Staaten zum Schutz der weltweit höchstens noch 7000 wild lebenden Tiger bekannt. Dazu gehört auch, dass die Zucht von Tigern auf sogenannten Tiger-Farmen eingeschränkt werden soll.
In der Debatte wurde betont, dass ökonomische Interessen nicht den Schutz gefährdeter Arten verhindern dürfen. Tierschützer äußerten trotz ihres insgesamt positiven Urteils dennoch Kritik. "Viel Politik, wenig Artenschutz", kommentierte Volker Homes den Verlauf der Konferenz.
(SZ vom 16.6.2007)

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