Um den Klimawandel zu bremsen wollen einige Unternehmen Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken auffangen und speichern. Kritiker halten das für einen Irrweg.
Einige Energieunternehmen wollen Kohlendioxid aus Steinkohlekraftwerken auffangen und speichern. Foto: AP
Die Absage seines Stargasts nutzte der Gastgeber für eine Pointe. "Technologie kann Probleme lösen, auch wenn es manchmal etwas länger dauert", witzelte Klaus von Trotha, als Techniker endlich die Videoschaltung nach Delhi aufgebaut und den Beamer in Gang gebracht hatten.
Von der Leinwand grüßte nun Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Weltklimarats IPCC. Eigentlich wollte er persönlich auf der Berliner Tagung zu CO2-armen Kohlekraftwerken sprechen, hatte aber kurzfristig abgesagt.
Derart symbolisch demonstrieren zu können, dass Technik Probleme löst, die mit dem Klima zu tun haben, war von Trotha sehr recht. Der frühere Forschungsminister in Baden-Württemberg leitet den Verein "Informationszentrum klimafreundliches Kohlekraftwerk", den Unternehmen aus der Energiebranche gegründet haben.
Die Organisation propagiert Anlagen, die bei der Verbrennung von Kohle zur Stromerzeugung das entstehende Kohlendioxid auffangen. Das Treibhausgas soll in aufgegebene Öl- oder Gasfelder oder in Salzschichten tief unter der Erde eingelagert werden, damit es das Klima nicht belasten kann.
Von seinen Gästen hörte der Verein viel Lob für die CCS genannte Technik (für "Carbon Capture and Storage", Auffangen und Speichern von Kohlendioxid). "CCS ist extrem wichtig, es muss ein wichtiger Teil der Lösungen des Klimaproblems sein", sagte Pachauri.
Dem stimmte Ottmar Edenhofer von Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zu: "Ohne CCS ist keine ambitionierte Klimaschutz-Politik möglich." Beide weisen darauf hin, dass viele Länder noch lange Kohle zur Stromerzeugung nutzen werden, besonders die großen Schwellenländer China und Indien. Edenhofer zufolge haben sie sogar einen "Systembruch" ausgelöst.
Nachdem es die Welt Jahrzehnte lang geschafft hatte, immer weniger Energie pro erwirtschaftetem Dollar zu verbrauchen und dabei immer weniger Treibhausgas zu freizusetzen, habe sich dieser Trend im Jahr 2001 umgekehrt. Verantwortlich dafür ist vor allem die Entwicklung in China, wo zurzeit in jeder Woche ein neues Kohlekraftwerk an Netz geht. Und Kohle setzt gemessen am Brennwert mehr CO2 frei als jede andere Energieform.
Bei der Entwicklung von CCS sei Deutschland besonders weit, sagte Jürgen-Friedrich Hake vom Forschungszentrum Jülich. Amerikaner und Briten schauten schon neidisch auf die Projekte, die hierzulande anlaufen oder schon angelaufen sind. Zum einen erprobt ein Konsortium unter Führung des Geoforschungszentrums Potsdam seit 2007, wie sich CO2 in einer salzwasserführenden Schicht 700 Meter tief unter dem Havelland nordwestlich von Berlin einlagern lässt.
Zum anderen möchte der Energiekonzern Vattenfall noch in diesem Jahr im Industriepark Schwarze Pumpe im Südosten Brandenburgs eine Prototypanlage in Betrieb nehmen, in der das gesamte CCS-Verfahren erprobt wird.
Das Beispiel von Moorburg
Auch für kommerzielle Anlagen gibt es Pläne. Der Vorstandsvorsitzende der RWE Power AG, Johannes Lambertz, verkündete auf der Veranstaltung in Berlin, sein Unternehmen baue zurzeit eine Anlage zur Abscheidung von Kohlendioxid aus Kraftwerks-Abgasen und wolle bis 2014 einen kompletten Kohlemeiler ans Stromnetz bringen, bei dem CO2 vor der Verbrennung aus der Kohle entfernt wird.
Und schließlich hat zum Beispiel Vattenfall bei seinem geplanten, politisch stark umstrittenen Kraftwerk in Hamburg-Moorburg zugesagt, in etwa acht Jahren ein System zum Auffangen des Treibhausgases nachzurüsten, falls die Technik ausgereift ist.
Umweltschützern, nicht nur in Hamburg, reicht das nicht, machte in Berlin Rainer Baake klar. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe war von den Veranstaltern als Sprecher auf das Podium geladen worden. "Es wäre zwar unverantwortlich, CCS als Option auszuschließen.
Aber es ist auch unverantwortlich, jetzt in Deutschland neue Kohlekraftwerke zu bauen, ohne zu wissen, ob CCS wirklich nachgerüstet werden kann." Schon heute lasse sich der CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde halbieren, wenn man statt Kohle in modernen Anlagen Erdgas verfeuere.
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In diesem Artikel:
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- Klimabilanz 2008 - Extreme weltweit
- Klimaprognose - Der Super-Wetterfrosch
- Jahresrückblick 2008: Energiepreise - Deutschland in der Ölkrise
- Solarthermie - Strom aus der Wüste
- Energieversorgung - "Es braucht vier neue Saudi-Arabiens"
- Internationale Energie-Agentur - "Weltweite Energierevolution notwendig"





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