Von Michael Bauchmüller

Die UN-Entwicklungsorganisation UNDP warnt vor verheerenden Folgen des Klimawandels in der Dritten Welt. Sie fordert "menschliche Solidarität in einer geteilten Welt".

Klimawandel

Warten auf Regen: Ein Bauer im nordindischen Assam. (Foto: AFP)

Wenige Tage vor Beginn der Klimakonferenz auf Bali hat die UN-Entwicklungsorganisation UNDP eindringlich vor den Folgen des Klimawandels für arme Länder gewarnt.

Gelinge es nicht, den Temperaturanstieg zu bremsen, seien weitere 600 Millionen Menschen von Unterernährung bedroht, heißt es im jüngsten Bericht über die menschliche Entwicklung, den die Organisation am Dienstag vorstellte.

Grund seien Dürren und Überschwemmungen, die vor allem in Entwicklungsländern die Landwirtschaft erschwere. Für weitere 1,8 Milliarden Menschen könnte Wasser knapp werden, weil Gletscher schrumpften. Besonders betroffen: Regionen Südasiens und Nordchinas, deren Wasser zum Großteil aus dem Himalaya stammt.

Für bis zu 400 Millionen Menschen könnte die Malaria zur Gefahr werden: Durch die Erderwärmung breiten sich Moskitos aus.

"Wir bewegen uns jetzt in eine Ära, in der langfristige Schäden wahrscheinlicher werden", warnte Kevin Watkins, Chefautor der Studie. Die Industrieländer seien zwar verantwortlich, aber nicht die Hauptleidtragenden. Während es dort genügend Mittel gebe, sich an den Klimawandel anzupassen, träfen "die wirklich katastrophalen Folgen arme Menschen in armen Länder", so Watkins.

Ihren jährlichen Bericht hat die UN-Unterorganisation deshalb "Den Klimawandel bekämpfen: Menschliche Solidarität in einer geteilten Welt" genannt.

86 Milliarden Dollar jährlich notwendig

Die 250-seitige Studie befasst sich vor allem mit Folgen für jene 2,6 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Viele von ihnen leben in der Nähe der Küsten Afrikas und Asiens, sind also von steigenden Meerespiegeln besonders betroffen.

Andere leben von Landwirtschaft und bekommen veränderte Niederschläge und ausbleibende Regenzeiten zu spüren. 86 Milliarden Dollar seien jährlich nötig, um die Folgen des Klimawandels in armen Ländern aufzufangen. Zwei Milliarden Dollar würden schon jetzt zusätzlich für die Katastrophenhilfe fällig.

Die Studie listet aber auch auf, wie sich die globalen Emissionen seit 1990 entwickelt haben - nämlich steil nach oben. Um 28 Prozent stieg der weltweite CO2-Ausstoß bis 2004. China und Indien verdoppelten ihre Emissionen, in den USA wuchsen sie um ein Viertel. Deutschland (minus 18 Prozent) zählt zu den wenigen Industrieländern, die ihre Emissionen senken konnten.

Bis 2050 fordert die UNDP nun eine radikale Wende. Verglichen mit 1990 müssten die Emissionen der Industrieländer bis dahin um mindestens 80 Prozent sinken. "Selbst damit wird die Chance nur fünfzig-fünfzig sein, dass wir einen gefährlichen Klimawandel verhindern", so Watkins. Auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) forderte mehr Anstrengungen. "Es ist keine Zeit zu verlieren", sagte sie.

Von Montag an beraten Vertreter von 180 Staaten zwei Wochen lang über weitere Schritte im Klimaschutz. Ziel ist die Aufnahme von Verhandlungen über ein neues Abkommen, das dem Kyoto-Protokoll folgt. Es läuft 2012 aus.

(SZ vom 28.11.2007/mcs)

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Leserkommentare (5)



01.12.2007 15:21:34

H. Thieme: Katastrophale Folgen!

Es ist die Frage, ob denn die Folgen der aus nach wie vor ungeklärten Gründen ablaufenden Variationen der klimatischen Bedingungen auf unserer Erde wirklich schlimmer sind als die Folgen einer aktivistischen, wissenschaftlich in keiner Weise begründbaren, ohne jede Abschätzung der dadurch verursachten Wirkungen betriebenen „Klimaschutzpolitik“. Dass die Empfehlungen des sogenannten „Klimaschutzes“ besonders die Entwicklung der Lebenschancen in den ärmeren Ländern, aber auch die der weniger betuchten Bevölkerungsanteile bei uns sehr negativ verändern, dürfte noch nicht allgemein bekannt sein: Eine Stromversorgung mit wesentlichen Anteilen aus der Erzeugung mittels Windkraft und Photovoltaik ist in höchstem Maße instabil (extreme Erzeugungsleistungsschwankungen, Frequenzinstabilität, vielfach teurere Erzeugungskosten gegenüber konventionellen Quellen, vielfach lange (teurere) Leitungswege), so dass sich eine Mechanisierung und Industrialisierung jener armen Länder von selbst ausschließt. Zugleich können dadurch jene armen Länder notwendige Maßnahmen, wie z.B. Hochwasserschutz, Verbesserung der Trinkwasserversorgung) nicht mehr bezahlen Die Nutzung der landwirtschaftlichen Produkte zum energetischen Einsatz an Stelle der Verwendung zur Lebensmittelproduktion dürfte den noch bestehenden Hunger zementieren. Bei uns wirken bereits durch die Verwendung sogenannten „erneuerbaren“ Energien (Windkraft, Photovoltaik, energetische Nutzung landwirtschaftlicher Lebensmittelrohstoffe) und auch unsachgemäße bzw. überflüssige, aber politisch gewollte Maßnahmen der Absicht, Energie einzusparen, in einer Weise, dass ein Vier-Personen-Haushalt mittlerweile mit etwa 1000 € pro Jahr zusätzlich belastet ist. Vorteile des sogenannten „Klimaschutzes“ haben bisher, und wahrscheinlich auch weiterhin, lediglich jene Institutionen, die von der Propaganda der Klimagefährdung durch den Menschen und den von eben dieser Propaganda verkündeten Rettungsmaßnahmen leben.


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