Kerker für den Klimakiller
Geotechnologie
21.06.2005, 20:15
Ein Problem unter den Teppich zu kehren, gilt gemeinhin als ungeeignete Lösung. Nicht so bei der drohenden Erwärmung der Erdatmosphäre: Um diese zu stoppen, planen Wissenschaftler, das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) im Erdboden zu versenken.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) lässt in den kommenden drei Jahren verschiedene unterirdische Kerker für den Klimakiller in Deutschland testen. Im Rahmen des BMBF-Programms "Geotechnologien" wird das Projekt nach Informationen der SZ mit knapp 7,5 Millionen Euro gefördert.
Die Forscher fangen bei der so genannten CO2-Sequestrierung nicht von vorne an. Im Boden der Nordsee vor der norwegischen Küste gibt es bereits einen CO2-Speicher. Dort pumpt die Ölfirma Statoil seit zehn Jahren CO2, das bei der Erdgasförderung anfällt, 1000Meter tief in eine poröse Sandsteinschicht, die von einer Schieferplatte abgedeckt wird.
Knapp zehn Millionen Tonnen CO2 wurden in der 200 Meter dicken, Salzwasser führenden Gesteinslage bereits entsorgt. Das Gas entweicht nicht; das bewiesen mit Hilfe von Schallwellen gemachte 3-D-Aufnahmen des Untergrundes.
Dass das CO2 auch für die Zukunft sicher vergraben ist, kann jedoch niemand garantieren. Umweltschutzgruppen warnen vor möglichen Eruptionen über künftigen Lagerstätten: Das Gas ist schwerer als Luft, sammelt sich am Boden und könnte Menschen und Tiere ersticken. "Eine geeignete Überwachungstechnik ist Voraussetzung für die CO2-Verklappung", sagt Ludwig Stroink, Projektleiter des Geotechnologien–Programms.
Nahe der brandenburgischen Kleinstadt Ketzin testen Forscher um Günter Borm vom Geoforschungszentrum Potsdam nun einige Kontrollmethoden. Dort soll CO2 in eine Salzwasser führende Sandsteinschicht in 600 Meter Tiefe gepumpt werden. Die Injektion selbst ist Routine. In Ketzin geht es darum, erstmals die Ausbreitung der Gaswolke detailliert zu beobachten: Druckwellen, Temperatur- und Gasmessungen liefern ein Bild des Untergrundes.
Sicherere Gräber als Grundwasserschichten sind auf jeden Fall Öl- und Gaslagerstätten. Denn darin sammeln sich die Rohstoffe seit Jahrmillionen – die Reservoire haben bewiesen, dass sie dichthalten. Die Einleitung von CO2 könnte zudem Ölfirmen aus einem Dilemma helfen: Mit der Zeit gehen die Fördermengen der Lagerstätten aufgrund abnehmenden Drucks zurück. Indem CO2 in den Untergrund gepresst würde, erhöhte sich dort der Druck, und mehr Öl und Gas sprudelten heraus – so die Hoffnung.
Die Rechnung scheint aufzugehen. Im kanadischen Ölfeld Weyburn pumpen Konzerne seit fünf Jahren Kohlendioxid ins ölhaltige Gestein 1500 Meter tief unter die Erde. Das Gas stammt größtenteils aus einem 300 Kilometer entfernten Kohlekraftwerk in den USA, von wo es durch eine Rohrleitung nach Kanada gepumpt wird. Mit erstaunlichem Effekt: Die tägliche Ölfördermenge ist mit dem CO2 um ein Drittel angestiegen.
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