Wieder einmal rudern die USA zurück, wenn es um die Reduzierung der Treibhausgase geht. Doch die Zeit könnte für die Klimaschützer arbeiten.

Der 20. Januar 2009 ist noch weit weg, aber trotzdem spielte das Datum bei den Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz eine wichtige Rolle. An diesem Tag wird ein neuer US-Präsident vereidigt und mit ihm zieht möglicherweise eine neue Haltung zum Klimaschutz ins Weiße Haus ein. Der Nachfolger von George W. Bush wird das Verhandlungsmandat fortführen, das auf Bali in 13 Tagen hart erkämpft werden musste.

Die jährlichen Klimakonferenzen liefen in den vergangenen sieben Jahren stets ähnlich ab: Die US-Delegationen lehnten Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase stets ab, während der Rest der Welt mehrheitlich zustimmte. So ging es auch auf Bali. Die USA wehrten sich dagegen, ein konkretes Verhandlungsziel in das Abschlussdokument aufzunehmen - die Reduzierung der Emissionen um 25 bis 40 Prozent unter die Werte von 1990 bis 2020.

Das überraschte nicht, schließlich lehnte Washington auch das Kyoto-Protokoll ab, das nur eine relativ geringe Reduzierung der Treibhausgase vorsah.
Doch die Zeit könnte auf Seiten der Klimaschützer sein. Von Kalifornien bis Neuengland bringen die Regierungen der US-Einzelstaaten eigene Gesetzesvorlagen zum Klimaschutz ein. Auch viele Städte haben sich zum Handeln entschlossen: Sie verabschiedeten „grüne“ Baugesetze, stellten ihren Fuhrpark auf Hybrid-Fahrzeuge um und setzen bei der Straßenbeleuchtung auf
Energiesparlampen.

Umfragen zeigen, dass Naturkatastrophen wie der Hurrikan "Katrina“, die Trockenheit im Südosten der USA und die Brände in Kalifornien immer mehr Amerikaner auf den Klimawandel aufmerksam werden lässt. "Die Mehrheit der Vereinigten Staaten ist auf ihrer Seite“, sagte die kalifornische Umweltministerin Linda Adams vor den Delegierten auf Bali. "Wir wissen, dass der Klimawandel uns alle betrifft.“ Das wurde auch in Washington bemerkt. Ein Ausschuss des Senats stimmte erstmals für eine verpflichtende Reduzierung der Treibhausgase und leitete die Vorlage an das Plenum weiter. Dort wird allerdings mit einer heftigen Debatte gerechnet.

"Das wirkliche Problem ist der Kongress“


Die künftige Umweltpolitik wird hauptsächlich vom neuen US-Präsidenten bestimmt. Die demokratischen Bewerber um das Amt und mindestens zwei republikanische Kandidaten, John McCain und Mike Huckabee, haben sich für eine Reduzierung der Emissionen ausgesprochen.

Und so dominierte der US-Wahlkampf schon jetzt Teile der Verhandlungen auf Bali. Er hoffe, dass die Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen 2009 aufgenommen würden, sagte der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer. Doch auch nach Bushs Abgang ist keinesfalls sichergestellt, dass
die USA einlenken. „Das wirkliche Problem ist der Kongress“, sagte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. "Sie sind nicht bereit, ein Thema anzupacken, dass für die Wähler Kosten und Ärger bedeutet.“

(AP/Charles Henley/bilu/lala)