Von Kathrin Burger

Kein anderes Land hat so beispielhaft Daten zur Schadstoffbelastung der Bevölkerung gesammelt wie Deutschland. Doch nun droht dem Umweltsurvey des Umweltbundesamtes das Ende.

Analyse von Lebensmitteln. Wird dem Staat das Umweltsurvey zu teuer? Foto: dpa

Deutsche Wissenschaftler sind die Stars in der Umwelttoxikologie. Kein anderes Land hat so beispielhaft und so lange Daten zur Schadstoffbelastung der Bevölkerung gesammelt. Darum ist der Umweltsurvey, der seit 20 Jahren am Berliner Umweltbundesamt (UBA) läuft, Vorbild für das Human-Biomonitoring der USA und der Europäischen Union. Auch der Wissenschaftsrat hat die Arbeit der UBA-Forscher evaluiert und für gut befunden.

Doch all die Lorbeeren scheinen dem zuständigen Ministerium nichts zu gelten. Dem Umweltsurvey droht das Aus. "Das Ministerium möchte die Studie Ende 2008 auslaufen lassen", sagt Marike Kolossa-Gehring, die seit zwei Jahren den Umweltsurvey leitet. "Das ist eine Katastrophe", klagt Jürgen Angerer, Ökotoxikologe an der Universität Erlangen-Nürnberg und einer der Wegbereiter des Monitorings.

Über die Gründe wird viel spekuliert. Wird es dem Staat zu teuer? Stehen persönliche Karrieren dahinter? Aus dem Umweltministerium ist lediglich zu erfahren: "Wir sind bemüht, die gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung in ihrer Effizienz zu steigern. Hierzu wird im Augenblick ein Konzept erarbeitet." Wie das genau aussehen soll, ist ungewiss.

Kostenintensives Mammutprojekt

Der Umweltsurvey ist in der Tat ein kostenintensives Mammutprojekt. Die UBA-Wissenschaftler haben dafür mehrere tausend Haushalte mit Kindern aus dem Einwohnermeldeamt zufällig ausgewählt, um repräsentative Daten zu erhalten.

Wer mitmachte, dem wurden Blut und Urin entnommen; Analytiker kamen ins Haus, sammelten Staubproben, zapften Trinkwasser für Analysezwecke ab und beschrieben die Wohnsituation - etwa ob jemand an einer verkehrsreichen Straße lebt. Zudem mussten die Probanden Fragen zu Rauch- und Ernährungsgewohnheiten beantworten - zwei Stunden dauerte so ein Interview.

Schließlich haben Universitäts-Institute und private Labors die Proben auf verschiedene Giftstoffe getestet, zum Beispiel auf Cotinin, ein Abbauprodukt aus Zigarettenrauch. Rund zwei Millionen Euro hat das seit 2003 insgesamt gekostet, die Personalkosten nicht eingerechnet.

Nach Ansicht vieler Wissenschaftler macht sich der Aufwand jedoch bezahlt. Denn anhand der Daten lässt sich abschätzen, welche Giftstoffe die Menschen im Alltag umgeben und wo der Gesetzgeber tätig werden sollte. So fanden die UBA-Forscher in den letzten Jahren immer weniger Blei, Arsen, Cadmium, Quecksilber, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und das Holzschutzmittel PCP in den Testpersonen.

Erfolg im Kampf gegen Quecksilberbelastung

Die Quecksilberbelastung ist nur deshalb rückläufig, weil das Bundesgesundheitsamt wegen der alarmierenden Ergebnisse des Umweltsurveys bereits vor zehn Jahren eine Empfehlung ausgesprochen hat, kariöse Kinderzähne nur sparsam mit Amalgam zu verplomben. Auch die schwindenden Blei-Mengen verdankt der Verbraucher der UBA-Arbeit.

In der Novellierung der Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2001 beherzigte der Gesetzgeber verschiedene Empfehlungen der UBA-Forscher. Dazu gehört etwa, dass die Wasserämter in ihren Versorgungsgebieten kontrollieren müssen, wo bleihaltige Leitungen verlaufen, und Neu-Installationen überwachen.

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