Von Michael Bauchmüller

In Kopenhagen will die große Politik der Erderwärmung Einhalt gebieten. Auch viele Einzelne wollen etwas fürs Klima tun - doch können sie überhaupt etwas erreichen?

Klimawandel, iStock

Eins werden mit der Natur: Viele Menschen versuchen, etwas für den Erhalt des Klimas zu tun - doch wieviel sie dadurch tatsächlich bewirken ist umstritten. Foto: iStock

Daniel Sieben hat den Schritt gemacht. Vor einem halben Jahr zog der promovierte Volkswirt mit seiner Familie auf einen Öko-Bauernhof in Baden-Württemberg. Seither, sagt er, spielt sich sein Leben in geschlossenen Kreisläufen ab, und es geht ihm besser damit.

Eigene Lebensmittel, kurze Wege, Nähe zur Natur - irgendwann vielleicht noch eine Solaranlage auf dem Dach. Es ist ein nahezu klimaneutrales Leben. "Das eigene Handeln hat viel mehr Möglichkeiten, als der Einzelne sich zutraut", sagt Sieben. "Es steht viel zu oft im Hintergrund."

Es ist die kleine Welt jenseits der großen Klimakonferenz in Kopenhagen. Zunehmend drängt die Frage nach der eigenen Verantwortung, nach den eigenen Möglichkeiten in den Vordergrund.

"Ab heute retten wir die Welt", titelte die Wochenzeitschrift Die Zeit, und die Bild-Zeitung legte noch etwas drauf. "Die 7 größten Gefahren für unsere Erde!" deckte sie in fetten Buchstaben auf - "...und was jeder von uns tun kann". Die große Politik geht vielen im Land offenbar zu langsam voran. Nur: Was sollen sie tun?

Nur kleine Dinge sind es oft, etwa die Sache mit dem Topf. Schon das Kochen mit Deckel spart 30 Prozent Energie, wenn er denn genau auf den Topf passt. Oder die Sache mit den Stand-by-Schaltungen. Weil die Dauerbereitschaft vieler Elektrogeräte in Summe massenhaft Strom verbraucht, würden Steckerleisten helfen: Zwei große Kraftwerke ließen sich so abschalten. Weitere geschätzte zehn Prozent gehen drauf für die Beleuchtung von Zimmern, in denen sich niemand aufhält - einfach abschalten!

Ein Grad weniger - tonnenweise Entlastung

Wer die Klimabilanz zum Maß aller Dinge macht, kommt an keinem Lebensbereich, an kaum einer Gewohnheit vorbei. Gemüse etwa wird umso klimafreundlicher, je weniger es transportiert werden muss, je weniger Energie es für die Aufzucht brauchte, etwa in Treibhäusern. Die Saisontomate aus dem Bio-Landbau verursacht 250-mal weniger Treibhausgase als das heimische Gewächshaus-Pendant - nur ist sie dennoch mitunter teurer.

Tiefgekühltes, Fleisch und Milchprodukte tun dem Klima nicht gut, ganz zu schweigen von Flugreisen und regelmäßigen Autofahrten. Ein Grad weniger Wärme in der Wohnung bringt tonnenweise Entlastung bei Treibhausgasen - weil dafür überproportional weniger Brennstoffe nötig sind. Gleiches gilt für ein moderates Tempo auf der Autobahn, oder auch nur für den richtigen Reifendruck.

Noch günstiger, das Auto bleibt gleich ganz stehen - zugunsten öffentlicher Busse und Bahnen. Der Alltag vieler Deutscher, so viel ist klar, ist mit dem Klima nicht sonderlich kompatibel. Wer aber wo wie viel spart, wer welche Opfer tragen mag, liegt letztlich im Ermessen des Einzelnen.

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In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Ich und das Weltklima
  2. Persönlicher Klimaschutz - umstrittener Verzicht