Ein Kommentar von Markus C. Schulte von Drach

Auf der Klimakonferenz von Bali ist in letzter Minute ein Kompromiss erzielt worden. Doch wann ist Erfolg ein Erfolg? Wann ist Scheitern ein Scheitern? Das nun beschlossene Schutzabkommen entpuppt sich als eine Art Weihnachtsgeschenk: Verpackung schön - Inhalt ohne Garantie.

Umweltaktivisten demonstrieren am Rande der UN-Klimakonferenz in Bali. Foto: AFP Bild vergrößern

Umweltaktivisten demonstrieren am Rande der UN-Klimakonferenz in Bali. Foto: AFP

Nun haben die Delegierten auf der Klimakonferenz auf Bali also doch noch ein Verhandlungsmandat für ein Klimaschutzabkommen beschlossen. Möglich wurde es dadurch, dass sich die Amerikaner in letzter Minute dem Druck der übrigen Länder beugten und ihre Verweigerungshaltung gegenüber einem Kompromiss-Vorschlag Indiens aufgaben – was auf der Konferenz mit großem Jubel begrüßt wurde.

Doch wann ist ein Erfolg ein Erfolg? Und wann ist ein Scheitern ein Scheitern? Das Ergebnis der Bali-Konferenz ist beides zugleich. Die Europäer konnten sich erlauben, konkrete Zielvorgaben zu fordern, wie sie auch der Weltklimarat IPCC für notwendig erklärt hatte, um wenigsten die schlimmsten Folgen für die Menschheit zu vermeiden.

Schließlich haben viele europäische Staaten Fortschritte beim Klimaschutz gemacht. Doch mit ihrem ambitionierten Vorschlag sind sie gescheitert. Konkrete Zahlen wurden durch die Amerikaner und andere wichtige Konferenzteilnehmer verhindert.

Spielraum für Auslegungen

Ein indirekter Hinweis auf die Notwendigkeit zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen muss nun reichen. Da bleibt viel Spielraum für Auslegungen. Und wer sich zu nichts verpflichtet, sondern nur freiwillig mitmacht, ist moralisch zu nichts gezwungen. Vielleicht, so hoffen Optimisten, wird sich unter der nächsten US-Regierung etwas ändern. Aber dann, so befürchten Pessimisten, könnte Russland zum großen Bremser werden.

Erfolg hatten in Bali die Entwicklungs- und Schwellenländer mit ihrer Forderung, unter anderem die Notwendigkeit technischer Unterstützung durch die reichen Staaten zu betonen – obwohl damit nun weder die Europäer noch die Amerikaner glücklich sind. China, Indien und andere Länder, die auf dem Sprung zur Industrienation sind, wollen ihr Klima auf freiwilliger Basis schützen – wenn es sich wirtschaftlich lohnt.

Und damit es sich lohnt, brauchen sie die Hilfe der längst entwickelten Industrienationen. Die Argumente der Schwellen- und Entwicklungsländer sind nachvollziehbar. Schließlich war es bislang der wohlhabende Westen, der die Atmosphäre aufgeheizt hat.

Problematisch ist nur, dass der rasant wachsende Ausstoß von Treibhausgasen in Indien und China selbst engagierte Bemühungen, den Klimawandel zu bremsen, gefährdet.

Das als "Bali-Roadmap“ bezeichnete Ergebnis der Konferenz ist ein klassischer Kompromiss. Kompromisse sind häufig eine gute Sache. Wenn es allerdings darum geht, durch den Klimawandel ausgelösten massenhaften Tod und Zerstörung zu verhindern, wird jeder Kompromiss schnell schal.

Wie ein Weihnachtsgeschenk

Der Weltklimarat hat den Politikern erklärt, wo die Ziele liegen. Die Politiker weltweit haben beteuert, sie hätten verstanden und wären bereit, sich an den gemeinsamen Anstrengungen zu beteiligen.

Doch wie es bei internationalen Konferenzen so ist: Die Delegierten der einzelnen Nationen haben die Interessen ihrer Bürger vertreten – nicht die der Menschheit als Ganzes. Deshalb ging es ihnen auf Bali darum, möglichst wenig Lasten auf die eigenen Schultern zu laden.

Viele Delegierte führen sich nun so auf, als hätten sie der Welt zu Weihnachten ein Geschenk gemacht. Aber wie es mit Weihnachtsgeschenken so ist: Eine schöne Verpackung garantiert noch nicht, dass der Inhalt etwas taugt.

Die Hoffnung, dass sich die Weltgemeinschaft in den kommenden Jahren auf wirksame Maßnahmen zum Schutz des Klimas und damit der Menschheit einigen wird, bleibt nach Bali bestehen. Sie ist größer als vor Bali. Aber man muss schon ein unverbesserlicher Optimist sein, um zu sagen, sie sei wirklich groß.

(sueddeutsche.de/lala)

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): Sicherheitsrisiko Klimawandel, Berlin 2007

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