Bayerns Gesundheitsminister warnt vor einer bundesweiten Zunahme von schweren Erkrankungen nach Zeckenbissen. Das Jahr 2005 hat einen traurigen Rekord aufgestellt. Und die Aggressivität des übertragenen Virus verstärkt sich offenbar.

Ein Warnschild, das man ernst nehmen sollte. (Foto: dpa)

Erkrankungen durch Zeckenbisse liegen auf Rekordniveau. Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf (CSU) hat am Mittwoch in München eindringlich dazu aufgerufen, sich gegen die von Zecken übertragene Form der Hirnhautentzündung impfen zu lassen.

„Es kann jeden erwischen. Ich empfehle daher allen Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder dort Urlaub machen wollen, sich impfen zu lassen,“, sagte der Politiker. Bundesweit haben die Fälle von Frühsommer-Hirnhautentzündung (FSME) im Jahr 2005 stark zugenommen.

Fast die Hälfte der Fälle in Bayern

Besonders betroffen waren Bayern und Baden-Württemberg. Insgesamt erkrankten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) im Jahr 2005 bundesweit 420 Menschen (2004: 274) an FSME. Fast die Hälfte der Fälle wurde in Bayern (205 Erkrankungen) gemeldet, in Baden-Württemberg wurden 163 Erkrankungen bekannt.

 
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„Zwei Drittel Bayerns sind als Risikogebiete ausgewiesen, der Landkreis Passau sogar als Hochrisikogebiet“, sagte Schnappauf. Vieles deute darauf hin, dass sich die Aggressivität des FSME-Virus verstärkt hat.

„In Sulzbach in der Oberpfalz sind in jüngster Zeit zwei von fünf FSME-Erkrankten gestorben, andere Fälle sind besonders schwer verlaufen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Virus in hohem Maße krankmachend geworden ist“, sagte Schnappauf.

Der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen sei es jetzt gelungen, erstmals in Deutschland ein FSME-Virus genetisch komplett zu entziffern.

Drei Virustypen

„Es stammt aus Sulzbach und weist gewisse Ähnlichkeiten mit einem russischen FSME-Virus auf, das 1950 in St. Petersburg isoliert und entziffert wurde. Vermutlich ist dieses Virus hoch pathogen“, sagte der Virologe Gerhard Dobler.

Eine Verwandtschaft sei auch mit einem tschechischen Virusstamm nachweisbar. Es gebe drei FSME-Virustypen: den sibirischen, fernöstlichen und den mitteleuropäischen.


» Zwei Drittel Bayerns sind als Risikogebiete ausgewiesen, der Landkreis Passau sogar als Hochrisikogebiet «

Bayerns Umweltminister Schnappauf

Die jetzt vollständig sequenzierte Erbinformation des Virusstamms AS-42 sei ein neuer Subtyp des mitteleuropäischen FSME-Virus. Bei Menschen über 50 Jahren tritt die Erkrankung deutlich öfter auf als in anderen Altersgruppen und verläuft schwerer.

7000 Erkrankte jedes Jahr

Für einen zeitlich begrenzten Schutz - etwa für eine Reise - sind mindestens zwei Impfdosen erforderlich, ein Langzeitschutz für drei bis fünf Jahre benötigt mindestens drei Impfungen.

Gegen die häufigste von Zecken übertragene Infektionskrankheit, die von Bakterien ausgelöste Borreliose, gibt es keinen Impfschutz. An Borreliose erkranken jedes Jahr allein in Bayern rund 7000 bis 8000 Menschen. Diese Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.

Als Ursachen für die Zunahme der FSME-Erkrankungen vermuten Experten unter anderem die Klimaveränderungen mit wärmeren Wintern und feuchteren Sommern, aber auch die größere Aufmerksamkeit der behandelnden Ärzte.

(dpa)

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