Wenn der "Blutregen" fällt
Sand auf Reisen
28.05.2008, 16:24
Sicher ist: Keime können im Saharastaub Jahrzehnte überdauern. Am 7.März 1838 geriet der Seefahrer Robert James nahe der Kapverdischen Inseln in einen Wüstenwind. Geistesgegenwärtig hing er ein nasses Handtuch an den Mast. Den Staub rieb er ab und stopfte ihn in eine Schachtel. Wieder an Land sandte er die Probe an den Naturforscher Charles Darwin. Er wollte "der Geologie etwas Gutes tun", schrieb James.
170 Jahre später profitieren nun Forscher aus Deutschland von dem Staub. Anna Gorbushina und ihre Kollegen von der Universität Oldenburg und anderer Institute haben die historische Probe untersucht und zwölf Pilzarten sowie 15 Bakterienarten im Staub identifiziert; eine kann Lebensmittelvergiftung verursachen. Mehr als dem Menschen schaden Keime jedoch dem Getreide.
Der Staub stamme aus der Bodélé-Niederung in der Sahara, berichteten Anna Gorbushina und ihre Kollegen in der Dezember-Ausgabe des Fachjournals Environmental Microbiology (Bd.9, S.2911, 2007). Er war 4000 Kilometer unterwegs, bevor er ins Handtuch von Robert James geriet. Die Keime auf den Partikeln überlebten offenbar nicht nur Hitze und Höhenstrahlung auf ihrem Ritt übers Meer. Sie überdauerten auch 170 Jahre in Darwins Archiv.
Das größte Staubgebläse der Erde
Die Bodélé-Niederung gilt als größtes Staubgebläse der Erde. Das Becken eines ausgetrockneten Sees ist bedeckt mit Abermillionen Algenschalen und Mineralen. In der Bodélé-Niederung beschleunigt der Wind zwischen zwei Bergen wie in einer Düse und treibt seine Fracht bis in den Amazonas-Dschungel, wo die Algenhüllen aus Afrika riesige Bäume düngen. Staub aus der an sich unfruchtbaren Sahara hält also den südamerikanischen Regenwald fruchtbar.
Bei bestimmtem Wetter gelangten die Nährstoffe aus Afrika sogar bis in den Regenwald von Ecuador, berichten Jens Boy und Wolfgang Wilcke von der Universität Mainz im Fachblatt Global Biogeochemical Cycles (Bd.22, GB1027, 2008). Dauern die Sahara-Stürme jedoch länger, schaden sie der Region. Vor der amerikanischen Küste gedeihen dann Giftalgen, und Fische gehen zu Grunde.
Solch ernste Auswirkungen sind vom Staubwind über Deutschland nicht zu befürchten. Lediglich eine leichte Abkühlung erwarten die Experten, denn der Partikelschleier mindert das Sonnenlicht. Außerdem begünstigt der Saharasand die Bildung von Regenwolken, weil sich an den Partikeln Wasserdampf sammelt. Doch nicht jedes Teilchen in der Luft ist in diesen Tagen Saharasand, schließlich ist auch der Pollenflug in vollem Gang. Um sicher zu gehen, empfiehlt IFT-Forscher Heintzenberg den "Geschmackstest".
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Mr. Wong
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