Wenn der "Blutregen" fällt

    Sand auf Reisen

    28.05.2008, 16:24

    Von Axel Bojanowski

    Wenn in Deutschland nach Gewittern wieder Autodächer rotbraun schimmern, freuen sich Forscher über "tolle Staubtage". Ursache des Phänomens: Sand aus der Sahara.

    Der Himmel über Deutschland schimmert dieser Tage milchig. Knallrote
    Sonnenuntergänge sind zu sehen. Mancherorts fällt sogenannter "Blutregen", er hinterlässt einen Staubfilm, der auf Autodächern rotbraun schimmert. Die Ursache all dieser Erscheinungen ist Wüstensand. Abermillionen Sandkörnchen aus der Sahara fegen mit Südwind auch über Deutschland und filtern das Sonnenlicht.

    Das Salzburger Land im "Blutregen" am 21. Februar 2004. (Foto: AP)

    "Tolle Staubtage!", freuen sich derzeit die Forscher am Leibniz-Institut für Troposphären- forschung in Leipzig IFT. "So viel Saharastaub haben wir hier noch nie gemessen", staunt Jost Heintzenberg vom IFT, "man denkt, es wäre bewölkt, dabei ist es Staub."

    Die Luft enthält derzeit bis zu 15-mal so viel Staub wie an normalen Tagen. Der meiste Staub schwebt in großer Höhe, doch örtlich sinken die Partikel zu Boden. Der Gehalt überschreite den Grenzwert deutlich, berichtet Uwe Kaminski, Medizin-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Weil der Saharasand gröber ist als Feinstaub, seien aber keine Schäden für die Gesundheit zu erwarten.

    Durchschnittlich neunmal im Jahr weht Saharasand nach Deutschland. Manchmal erreicht er sogar Grönland. Staub kann aber auch aus anderen Richtungen kommen. Im März 2007 schob sich eine Staubwolke aus der Ukraine über Mitteleuropa. Kaum ein Ort der Welt wird nicht mit Staubwinden versorgt - mehrere Milliarden Tonnen driften in jedem Jahr um den Globus. Die Wirkung der interkontinentalen Sandstürme ist immens. Sie verändern Wetter und Klima, düngen den Boden und tragen Krankheitserreger um die Welt.

    Im Jahr 2003 machten französische Forscher in den Alpen eine besondere Entdeckung. Staub hatte den Schnee verfärbt - Saharasand, folgerten die Experten. Doch eine Analyse ergab, dass es sich um chinesischen Löss handelte, jene fruchtbare Erde also, die in China dem Gelben Fluss seine Farbe verleiht. Die Rekonstruktion der Wetterverhältnisse ergab, dass der Löss rund 20.000 Kilometer weit geflogen war. In nur zwei Wochen wehte er über Nordamerika und den Atlantik nach Europa - ein Rekord.

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    Staubwolken regnen normalerweise nach wenigen tausend Kilometern ab. Die meisten entspringen den großen Wüsten Afrikas und Asiens und folgen den Hauptwindrichtungen; deren Wege verlagern sich also mit den Jahreszeiten. Die Sahara liefert rund die Hälfte des weltweiten Staubes. Die Gebiete westlich der Sahara werden besonders stark mit Staub überzogen.

    Von gewaltigen Wetter-Turbinen getrieben

    Zwei gewaltige Wetter-Turbinen treiben den Sand über den Atlantik, berichten nun Forscher um Nicole Riemer im Journal of Geophysical Research (Bd.113, S.D07211, 2008).

    Einerseits fächert das Azorenhoch, das sich im Uhrzeigersinn dreht, den Saharastaub nach Westen. Andererseits saugt das sogenannte Hawaii-Hochdruckgebiet über dem Pazifik regelmäßig Luft über den Atlantik in Richtung Karibik. Experten auf dem Forschungsschiff Ronald H. Brown gerieten unlängst mitten auf dem Atlantik in einen Staubwind. Sie maßen doppelt so viele Partikel pro Kubikmeter wie derzeit über Deutschland.

    Staubwinde bilden sogar die Grundlage der Karibischen Inseln. Obwohl dorthin nur an rund 30 Tagen im Jahr Staub weht, besteht in der Karibik ein Großteil der oberen Erdschichten aus Sahara-Staub, berichtete kürzlich Daniel Muhs vom amerikanischen Geologischen Dienst USGS. Der Sand aus Afrika erhöht zwar die Fruchtbarkeit des Bodens, enthält aber auch Krankheitskeime.

    Darunter scheinen die Korallen zu leiden. Mit den Körnchen gelangen Viren, Bakterien und Pilze über den Atlantik, berichtet Gene Shinn vom USGS. Die hätten zum Korallensterben beigetragen. Seit den 1970er Jahren wehe mehr Staub in die Karibik als zuvor. Der Sahara-Staub könne dafür verantwortlich sein, dass in der Karibik vermehrt Menschen an Asthma erkranken, so Shinn.

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