Von Susanne Schäfer

Geruchsforscher entdecken immer mehr Indizien dafür, dass Menschen wie Tiere auf Sexuallockstoffe reagieren.

Im Film "Das Parfum" schnuppert Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) am Mirabellen-Mädchen (Karoline Herfurth). Geheimnisvolle Lockstoffe ziehen ihn zu ihr hin. (Foto: dpa)

Kein Glück beim anderen Geschlecht? Einfach den richtigen Duft auftragen, empfehlen Parfüm-Hersteller, und das Problem sei gelöst. Ihre Aroma-Mischungen machen mit Hilfe der darin enthaltenen menschlichen Lockstoffe unwiderstehlich, versprechen die Firmen.

Sie bieten Produkte für jede Gelegenheit, Parfüms, Deos, Duschgels, Erfrischungstücher und Kerzen mit angeblichen menschlichen Pheromonen. "Zehnfache Pheromon-Konzentration - die geballte Ladung, der keine Frau widerstehen kann", heißt es auf einer Internetseite. Andere Anbieter werben mit einer "Geld-zurück-Garantie", falls beim Kunden der "Phero-Wahnsinn" ausbleibt.

Das sind gewagte Versprechen. Pheromone sind Botenstoffe, mit denen Tiere der gleichen Art kommunizieren. Sie markieren mit Hilfe dieser chemischen Signale ihr Revier oder warnen sich gegenseitig vor Gefahr. Tatsächlich lösen sie mit Sexual-Lockstoffen auch bei potenziellen Partnern das Verlangen aus, sich zu paaren. Doch ob auch Menschen Pheromone aussenden, ist trotz Geld-zurück-Garantie der Parfüm-Hersteller wissenschaftlich nicht erwiesen.

"Einige Untersuchungen beschreiben, wie menschliche Sekrete zu Reaktionen bei anderen Menschen führen. Damit geben sie Hinweise darauf, dass menschliche Pheromone existieren", sagt Thomas Hummel vom Forschungszentrum "Riechen und Schmecken" am Universitätsklinikum in Dresden.

Bringen Botenstoffe Menschen in Kontakt?Aber noch nie ist es einem Forscher gelungen, ein menschliches Pheromon chemisch zu isolieren und damit eindeutig nachzuweisen. "Während der Körpergeruch jedes Menschen individuell ist, hat ein Pheromon bei allen Individuen einer Spezies dieselbe Struktur", sagt der Riechforscher Benoist Schaal vom Centre Européen des Sciences du Goût in Dijon, dem es immerhin gelungen ist, beim Kaninchen ein Pheromon zu isolieren.

Dennoch hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig der Verdacht, wonach Menschen über Botenstoffe im Kontakt stehen. Auch Patrick Süßkind spielt mit dem Mythos der mächtigen Düfte: In seinem Roman "Das Parfum", dessen Verfilmung jetzt im Kino zu sehen ist, erzählt er von Grenouille - dem Mann, der zum Massenmörder wird, weil er von der Idee besessen ist, die Düfte junger Mädchen zu konservieren. Daraus will er den perfekten Liebesduft kreieren, der die Menschen um den Verstand bringt.

Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Menschen tatsächlich auf die unterschwelligen Düfte anderer reagieren, etwa auf Substanzen aus dem Achselschweiß oder dem Vaginalsekret.

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