Von Tanja Krämer

Roboter sollen die Arbeitswelt künftig immer stärker prägen. Doch werden sie von den Menschen als Kollegen akzeptiert?

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Roboter sollten uns ähnlich sehen - aber wir wollen uns stets sicher sein, mit wem wir es zu tun haben. Foto: dpa

Die unbekannte Spezies kündigt sich mit leisem Rattern an. Passanten bleiben stehen, wenden sich um. Dann ein Ruck, ein mechanisches Surren, und eine elektronische Frauenstimme sagt: "Hallo, mein Name ist ACE. Wenn Sie mit mir interagieren wollen, berühren Sie bitte den Bildschirm". Ein mannshoher Roboter ist auf den Münchner Karlsplatz gerollt. Bunte Kabel winden sich um einen stilisierten Kopf, der sich ruckend auf die Passanten ausrichtet. Zwei kleine Kameras fixieren ein älteres Paar, das einen Meter entfernt erstaunt innegehalten hat. Die Frau fasst sich als Erste ein Herz. Mutig tritt sie auf die Maschine zu.

Einige Meter entfernt, versteckt hinter den Arkaden eines Geschäftshauses, beobachtet Astrid Weiss das Geschehen. Sie hat ACE auf die Passanten losgelassen - als Test für eine zukünftige Alltagswelt. Glaubt man Experten, werden Roboter schon in wenigen Jahrzehnten unsere Häuser reinigen, Alte pflegen oder im Baumarkt bedienen. Die Soziologin arbeitet am ICT&S Center der Universität Salzburg, das sich auf die Interaktion zwischen Technologie und Gesellschaft spezialisiert hat. Das Institut ist beteiligt an dem internationalen Projekt Robot@CWE, das bis 2009 Roboter entwickeln will - Maschinen, die so sicher sind, dass Menschen mit ihnen zusammenarbeiten können.

Bereits 2005 schweißten, frästen und lackierten weltweit 923.000 Roboter in Industriehallen Autoteile oder Baustoffe, schätzt die International Federation of Robotics. Gleichzeitig waren etwa 32.000 Serviceroboter im Einsatz - und die Nachfrage steigt bis 2009 voraussichtlich jedes Jahr um sechs Prozent. Auch das Militär ist interessiert. Die südkoreanische Regierung beispielsweise testet seit Anfang des Jahres drei bewaffnete Maschinen, welche die Grenze zum kommunistischen Nordkorea bewachen sollen.

Bislang müssen die meisten Industrieroboter jedoch wegen der Gefahr von Unfällen hinter Gitter - eine Kooperation zwischen Mensch und Maschine ist noch zu riskant. Doch die Robotiker arbeiten an besseren Modellen. "Gäbe es pfiffige Roboter, die dem Menschen als Handlanger dienen und sich frei in den Produktionsräumen bewegen, könnte dies die Produktion wieder nach Europa bringen", sagt etwa Gerd Hirzinger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen.

Die beste Technik nützt nichts, wenn Menschen sich verweigern

Roboter könnten auf Baustellen schwere Lasten tragen, in Krankenhäusern Botendienste erledigen oder bei Erdbeben in Gefahrenzonen vordringen und Daten an die Rettungshelfer senden. "Kollaborative Robotik ist ein lukrativer Wirtschaftszweig", sagt auch Dirk Wollherr vom Institut für Automatisierungstechnik und Autonome Systeme der Technischen Universität München, das ebenfalls an dem Projekt Robot@CWE teilnimmt. Sein Team konstruierte den Roboter ACE und bereitete ihn für seinen Einsatz in München vor. Doch die beste Technik nützt nichts, wenn die Menschen nicht mit ihr arbeiten wollen. "Hier kommt die Akzeptanzforschung ins Spiel", sagt Soziologin Weiss. "Wir wollen herausfinden, was Menschen motivieren könnte, mit Robotern zusammenzuarbeiten."

Um ACE stehen inzwischen etwa zehn Menschen herum. Aus gebührendem Abstand beobachten sie den Automaten. Manche lachen und tuscheln leise miteinander, andere winken wild in die Kameras der Maschine. Eine zierliche junge Frau späht skeptisch zwischen den Köpfen zum Roboter empor, um sich kurz darauf abzuwenden und in der Menge zu verschwinden. Doch sie wird aufgehalten: Ein Mitarbeiter der Universität Salzburg passt sie ab - um ihre Eindrücke mit einem Fragebogen zu erfassen.

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