Australien will ineffiziente Glühbirnen verbieten. Auch deutsche Umweltpolitiker wollen Energiespar-Lampen fördern. So ließen sich angeblich ein bis zwei Atomkraftwerke einsparen.

Glühbirne; Energiesparlampe

Auch in Europa möchten verschiedene Politiker künftig nur noch Energiesparlampen leuchten sehen Foto: dpa

Nach dem von Australien angekündigten Verbot klassischer Glühbirnen aus Klimaschutzgründen ab 2010 hat der SPD-Politiker Hermann Scheer ein Verbot auch für Deutschland verlangt. Mit so einer Maßnahme ließen sich in wenigen Jahren ein bis zwei Atomkraftwerke einsparen, sagte Scheer der in Hannover erscheinenden Neuen Presse.

Energiespar-Lampen hätten nur noch zehn Prozent des Stromverbrauchs im Vergleich zu Glühbirnen. Scheer, der Mitglied im SPD-Bundesvorstand ist, kritisierte auch die Europäische Union.

Die Einigung der EU, ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, reiche nicht aus. Nötig seien mindestens 30 bis 35 Prozent.

Auch der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell, hält ein Auslaufen des Verkaufs bis 2012 für denkbar. Zunächst sollte die Bundesregierung mit den Herstellern nach einem gemeinsamen Weg suchen, sagte er im Gespräch mit Spiegel online. „Wenn das nicht klappt, wäre auch ein gesetzliches Verbot denkbar“, so Fell.

Top-Runner-Modell gefordert

SPD-Umweltexperte Ulrich Kelber nannte den australischen Vorstoß in der Berliner Zeitung „von der Sache her richtig“. Ein Verbot komme für die Bundesregierung aber nicht in Frage. Ein nationales Verkaufsverbot für einzelne Produkte sei in der EU wegen des Binnenmarktes nicht möglich, sagte der SPD-Umweltexperte.

Die Koalition will nach Angaben Kelbers bei der EU in Brüssel für alle Elektrogeräte einen so genannten Top-Runner-Ansatz durchsetzen. Dies würde bedeuten, dass das jeweils verbrauchsärmste Modell eines bestimmten Produktes innerhalb weniger Jahre zum verbindlichen Standard für alle anderen Produkte dieser Art würde.

„Das wäre über kurz oder lang auch das Aus für die konventionelle Glühbirne“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef. Dass mit Australien ausgerechnet einer der weltweit größten Klimasünder eine solche Maßnahme vorschlage, bezeichnete er als Witz. „Mir wäre es lieber, Australien würde sich endlich zum internationalen Klimaschutz bekennen und das Kyoto-Protokoll unterzeichnen.“

Für das Top-Runner-Modell sprach sich in Spiegel online auch die tellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Katherina Reiche (CDU), aus. „Beim Klimaschutz muss man positive Anreize geben", sagte Reiche. Verbote seien kein geeigneter Weg.

"Die Glühbirne hat ausgedient"

Dagegen begrüßte der Grünen-Bundestagsabgeordnete und frühere Umweltminister Jürgen Trittin Australiens Glühbirnen-Verbot: „Solche technischen Standards für Energieeffizienz bräuchten wir weltweit noch viel mehr. Wir würden sie uns für sämtliche Elektrogeräte wünschen, etwa für ineffiziente DVD-Player, für die vielen australischen Klimaanlagen oder auch für beheizte Klodeckel, wie es sie in Japan gibt“, sagte Trittin Spiegel online.

Für ein Glühbirnen-Verbot sprach sich auch die saarländische CDU-Landtagsfraktion aus. „Die Glühbirne hat ausgedient, denn sie hat einen schlechten Wirkungsgrad und verbraucht ein Vielfaches an Energie als moderne Energiespar-Lampen“, erklärte der CDU-Umweltexperte Martin Karren in Saarbrücken.

Die konservative australische Regierung hatte ein Verbot der klassischen Glühbirne angekündigt. Schon in drei Jahren dürfen nur noch Energiespar-Lampen verkauft werden. Australien, das als einziges Industrieland neben den USA das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase ablehnt, will damit jährlich vier Millionen Tonnen Treibhausgase weniger in die Atmosphäre blasen.

(dpa)