Interview: Martin Zips

Gentechnik statt Seelsorge: Eine Woche lang haben evangelische Geistliche ein Genetik-Seminar an einer Uni besucht, praktische Experimente inbegriffen. Pastor Hans-Jürgen Pabst über seine Erfahrungen und die Wiedererschaffung des Mammuts.

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Pastor Hans-Jürgen Pabst im Labor. (Foto: oh)

Hans-Jürgen Pabst, evangelischer Pastor am Deister bei Hannover, hat gerade ein Gentechnik-Seminar von Science Bridge für Theologen an der Uni Kassel besucht. Im "Pastorenlab" hörten ein gutes Dutzend evangelischer Pastoren, die sonst in Gemeinden, Altersheimen oder im Gefängnis arbeiten, eine Woche lang Vorträge zum Thema. Im Labor durften sie dann ihr gentechnisches Wissen in praktischen Experimenten anwenden.

SZ: Pastor Pabst, wie sind Sie als Theologe auf die Idee gekommen, sich ausgerechnet bei einem Gentechnik-Seminar anzumelden?

Hans-Jürgen Pabst: Ich wollte mich mit Naturwissenschaftlern interdisziplinär austauschen und schlau machen über die Mechanismen der Genforschung. Außerdem hatte ich an der Schule mal Chemie und Bio als Leistungskurs.

Als Schulpastor an einer Berufsschule kam ich später mit dem Thema Gentechnik immer wieder in Kontakt. Meine Berufsschüler - angehende Kaufleute - waren beispielsweise bedrückt, als sie in der Zeitung von so Horrorgeschichten wie geklonten Menschen lasen. Auch in Sachen Gen-Mais gab es bei meinen Schülern große Bedenken: Macht der krank? Auch deshalb wollte ich mir ein Grundlagenwissen aneignen.

SZ: Was interessierte Sie dabei besonders?

Pabst: Ich wollte wissen, welche Risiken oder Chancen sich durch die Genforschung ergeben. Beispielsweise fragen Gemeindemitglieder mich, ob ihnen die Genforschung bei der Bekämpfung ihrer Krankheit helfen könnte. Oder ob man tatsächlich bald das Mammut wiederauferstehen lassen kann, wie in den Medien behauptet wurde. Auf solche Fragen wollte ich Antworten finden.

SZ: Und welche Antworten haben Sie gefunden?

Pabst: Ich weiß jetzt ungefähr, wie Gene funktionieren, was DNS ist, wie Proteine gewonnen werden und was rekombinante Proteine sind. Auch Plasmide haben wir schon präpariert.

SZ: Klingt sehr naturwissenschaftlich.


» Das war schon ein Aha-Effekt «

Pabst: Wissen Sie, ich sehe in diesen Kursen ja auch, wie wunderbar der liebe Gott die Zellen geschaffen hat. Die meisten Lebewesen haben 20 Aminosäuren gemeinsam. Das macht einen schon demütig, wenn man erkennt, wie sehr die Natur miteinander verwandt ist.

SZ: In der Bibel heißt es, man solle die Welt als Gärtner gestalten.

Pabst: Ja, gestalten - aber auch bewahren. Da muss man über einen verantwortungsvollen Umgang reden. Gerade habe ich hier gelernt, dass man wahrscheinlich noch 1000 Jahre braucht, um tatsächlich ein Mammut nachbauen zu können. Zwar hat man schon die DNS-Schnipsel, aber man weiß noch nicht, wie sie zusammengehören.

SZ: Wie beruhigend.

Pabst: Neben der DNS gibt es ja noch die RNS und unheimlich viele Regelmechanismen, wissen Sie. Und wenn es irgendwo hakt, dann kann es einfach nicht klappen. Das war für mich schon ein Aha-Effekt.

SZ: Planen Sie jetzt interdisziplinäre Abendveranstaltungen in Ihrer Gemeinde?

Pabst: Leider kann ich das, was ich hier erlerne, in meinen Gesprächen als Seelsorger nicht anwenden. Es dient mir aber als Korrektur und hilft mir, genauer hinzuschauen. Schön ist, dass hier Genetiker und Theologen völlig ohne Vorbehalte miteinander reden konnten. Ich nehme mir schon vor, mal einen Genetiker zu einer Abendveranstaltung einzuladen. Bei einem Wissenschaftler hier steht übrigens eine Ikone im Büro. Dies zeigt, dass auch Wissenschaftler Ehrfurcht vor der Schöpfung Gottes haben.

SZ: Klar. Wenn Sie einst an der Schule Chemie und Biologie als Leistungskurs hatten - war es für Sie denn denkbar, nicht Theologie, sondern eine Naturwissenschaft zu studieren?

Pabst: Kaum. Mein Urgroßvater war schon Missionar, mein Großvater war Pastor. Das hat bei mir also Familientradition.

SZ: Für wen - außer für Theologen - empfehlen Sie die genetische Weiterbildung noch?

Pabst: Ich kann sie Politikern empfehlen. Man lernt hier, dass Gentechnologie neben negativen auch viele positive Seiten hat und dass die Grenzen der Anwendung zum Beispiel bei der Forschung mit Stammzellen ständig neu definiert werden müssen.

Ein neues Mammut zu schaffen oder einen Menschen zu klonen - und dafür Millionen auszugeben - das ist jedenfalls unmoralisch. Das darf kein aufgeklärter vernünftiger Mensch zulassen, da bin ich mir sicher. Glücklicherweise ist das aber auch noch nicht möglich. Wer behauptet, dass es möglich sei, der will nur Schlagzeilen produzieren. Das zumindest ist meine Quintessenz hier.

SZ: Was haben Sie denn zuletzt so im ,"Pastorenlab‘‘ gemacht?

Pabst: Wir haben unsere genetischen Fingerabdrücke untersucht. Gottes Schöpfung ist so wunderbar und vielfältig - da stehen wir erst am Anfang der Wissenspyramide.

(SZ vom 25.9.2007)

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Leserkommentare (4)



25.09.2007 06:11:27

flyingfree: oha

Bin kein Wissenschaftler und nicht im geringsten religiös.

Aber es freut mich zu sehen dass es Theologen gibt, die sich aufgeschlossen gegenüber Wissenschaft zeigen.

Nur Protestanten natürlich.


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet





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