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Anschlag nach Formel y1=E
Mathematik des Todes
25.05.2007, 10:04
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30. März 1981: US-Präsident Ronald Reagan wird bei einem Attenat schwer verletzt. (Foto: AP)
Sie wollen die Welt mit Gewalt verändern und Ihre Erfolgsaussichten ausrechnen? Die einfache und nun wissenschaftlich erarbeitete Formel lautet:
Nehmen Sie eine Waffe, am besten eine Pistole. Schießen Sie, aber auch wirklich. Dann stehen die Chancen immerhin eins zu drei, dass Ihr Attentat erfolgreich ist - zumindest, was das konkrete Ziel angeht, den Mord. Die Konsequenzen der Tat, der Umbau des politischen Systems oder gar die Veränderung der Geschichte, sind allerdings schwerer zu kalkulieren.
Die Frage nach Rechtmäßigkeit und Moral eines politischen Tyrannenmordes wird seit der Antike gestellt. Was ist schwerer zu verantworten - das Leiden oder sogar den Tod eines unterdrückten Volkes hinzunehmen oder die Schuld an einem Mord auf sich zu nehmen?
Lässt man diese Fragen einmal beiseite - sowie die Überlegung, wer überhaupt als Tyrann gelten muss-, dann, so dachten zwei junge Forscher, müsste sich doch in der Geschichte der politischen Morde eine Formel, ein Muster erkennen lassen.
Also untersuchten Benjamin Jones, Professor für Management an der Northwestern University, und Benjamin Olken, Ökonom und Junior Fellow in Harvard, in einer Studie für den britischen Think Tank "Centre for Econonomic Policy Research" (CEPR) den "Effekt von Attentaten auf Institutionen und Krieg".
Ihre Formel für die Erfolgsaussichten eines Attentat lautet: y1=E (y | Erfolg = 1,X) - E (y | Erfolg = 0,X).
Und ihre praktische Schlussfolgerung heißt: Nun ja. Vielleicht. Manchmal.
In der Studie geht es vor allem um Zahlen und Wahrscheinlichkeiten, nicht um Moral. Die ließe sich ja ganz utilitaristisch vom Erfolg der Methode, also des Mordes, abhängig machen.
Also analysieren die Forscher 298 Attentatsversuche zwischen 1875 und 2004, vom Anschlag auf den amerikanischen Präsidenten James Abrams Garfield (1881, Pistole) über den japanischen Premierminister Hara Takashi (1921, Messer), den schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme (1996, Pistole) bis zum pakistanischen Staatschef Mohammed Zia ul-Haq (1988, Flugzeugabsturz).
Die Erfolgsrate ist zunächst ziemlich erbärmlich. Nur 59 der 298 Versuche endeten mit dem Tod des Zielobjektes, nur jeder fünfte Versuch gelang also. Schusswaffen waren dabei weit effektiver als Bomben oder Granaten, die nur in sieben Prozent der Fälle erfolgreich waren. Dafür kosteten sie oft Unbeteiligte das Leben.
Der ugandische Diktator Idi Amin überlebte 1976 einen Bombenanschlag, weil die Granate von seiner Brust abprallte und viele Umstehende tötete. Überhaupt ist das Risiko eines Anschlags für Staatsführer in den letzten Jahrzehnten rein rechnerisch gesunken - was vor allem daran liegt, dass seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine gewaltige Menge neuer Staaten mit neuen Führern entstanden sind, die Zahl der Attentate aber nicht proportional gestiegen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen von ihnen im Amt erwischt, liegt deshalb inzwischen bei nur noch 0,3 Prozent.
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Serbien, 28. Juni 1914: Der Erste Weltkrieg wäre wohl auch ausgebrochen, wenn Franz Ferdinand überlebt hätte. (Bild: oh)
Aber selbst, wenn ein Anschlag gelingt, verändert er überhaupt etwas? Moderne Demokratien scheinen den Tod ihres Staatschefs gut zu verkraften - sie sind stabiler, weil sie auf Institutionen, nicht auf eine Personen zugeschnitten sind.
Fällt jedoch ein despotischer Autokrat, steigt die Wahrscheinlichkeit für den Systemwandel zur Demokratie um satte 13 Prozent. Katastrophal wird es allerdings, wenn der Herrscher den Anschlag überlebt, was viel wahrscheinlicher ist: Sein Regime wird brutaler, die Unterdrückung des Volkes grausamer.
Selbst auf Kriege haben Attentate offenbar nur wenig Einfluss. Der Erste Weltkrieg wäre wohl auch ausgebrochen, wenn Franz Ferdinand überlebt hätte.
Bei einer so eindeutigen historischen Konstellation fällt ein politischer Mord kaum ins Gewicht. Zwar zeigt die Statistik, dass Kriege nach einem tödlichen Attentat schneller beendet werden - aber nur, wenn sie ein gewisses Ausmaß erreicht haben. So genannte low-intensity-Konflikte werden eher angeheizt, was Israel bedenken sollte, wenn es die gezielte Tötung von Palästinenser-Führern erwägt.
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![]() 26.05.2007 02:00:30 dgos: dem schließe ich mich an Die Erfolgsrate von verschiedenen "Attentats-Arten" kommt im Originaltext im Tabellenanhang tatsächlich vor, ist allerdings tatsächlich eine marginale Aussage. Meiner Meinung nach ist es zwar trotzdem durchaus legitim, dieses Ergebnis als Hauptpunkt in diesem Artikel zu verwenden. Jedoch bezieht sich die zitierte Formel ß = E[ y|SUCCESS=1, X ]-E[ y | SUCCESS = 0, X ] auf die Häufigkeit von Änderungen des Regimes, Kriegen etc. bei erfolgreichem versus erfolglosem Attentat (Zitat "We thus answer the precise question: what is the effect of killing versus failing to kill the leader?") Die beiden E-Werte sind wohl die Erwartungswerte für Änderungen mit und ohne erfolgreichem Attentat. Ist also ß=0, gibt es im Mittel keinen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg. Da ich der Autorin absichtliche Fehlinformation nicht unterstellen will, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sie die Formel tatsächlich nicht verstanden hat. Besonders schade finde ich, dass die zitierte Formel offenbar nur als "Kuriosum" zitiert wurde, ohne sie zu erklären oder zumindest richtg zu deuten. Frau Steinberger, dieser Artikel wirf ein trauriges Licht auf Ihre Fachkompetenz! Ich empfehle ihnen, einen Mathematikkurs zu besuchen, zumindest Grundkenntnisse in Stochastik sind für das Verständnis von Statistischen Analysen von essentieller Bedeutung. Nach regelmäßiger Lektüre von Wissenschaftsartikeln der SZ bleibt mir nur das Fazit, das dies wohl die falsche Adresse dafür ist. Originaltext: http://www.cid.harvard.edu/bread/papers/working/150.pdf ![]()
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