UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich bei der Weltklimakonferenz mit deutlichen Worten an die Gipfelteilnehmer gewandt. Auf Bali müsse ein Durchbruch erzielt werden, sonst "haben wir die Völker der Welt im Stich gelassen".

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UN-Generalsekretär Ban Ki Moon: "Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet." Foto: AFP

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Teilnehmer der Weltklimakonferenz auf Bali zu ehrgeizigen Klimaanstrengungen aufgerufen. "Wir dürfen unseren Kindern nicht die Zukunft rauben", sagte Ban Ki Moon bei der Eröffnungsfeier des Ministertreffens vor Vertretern aus mehr als 150 Ländern.

Der Klimawandel sei die wichtigste Herausforderung unserer Zeit. Die Welt habe aber die Mittel, die schlimmsten Klimaveränderungen noch abzuwenden und mit den bereits entstandenen Schäden fertig zu werden. "Klimawandel ist nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance", sagte der Generalsekretär.

Dafür seien saubere Technologien nötig. Er forderte die Gipfelteilnehmer dazu auf, sich spätestens in zwei Jahren auf ein neues Abkommen zur Bekämpfung der Erderwärmung zu einigen.

Ban rief die reichen Länder auf, diese Errungenschaften mit den ärmeren Ländern zu teilen. "Der Klimawandel betrifft uns alle, aber nicht alle gleichermaßen: diejenige, die am wenigsten dafür können, sind am härtesten betroffen", sagte er. Ban Ki Moon rief die Minister auf, in Bali die Weichen für einen umfangreichen neuen Klimaschutzvertrag zu stellen. "Wenn wir Bali verlassen, ohne eine Durchbruch zu erzielen, haben wir die Völker der Welt im Stich gelassen."

Bis Freitag versuchen dort nun die Umweltminister und andere hochrangige Regierungsvertreter aus 190 Staaten, die Grundzüge für ein neues weltweites Klimaabkommen - die "Bali Roadmap" auszuhandeln. Das Abkommen selbst soll 2009 fertig sein und nach 2012 das Kyoto-Protokoll ablösen.

USA bekräftigen Nein zu konkreten Vorgaben

"Die Augen der Welt sind auf uns gerichtet", sagte Ban. "Dies ist ein historischer Moment." Der Klimawandel sei unbestreitbar Tatsache und die Folgen seien Wirklichkeit. "Jetzt ist die Zeit zu handeln", sagte der UN-Generalsekretär. Der Klimawandel sei auch ökonomische Chance, denn Wachstum bei sinkenden Emissionen sei möglich. "Wir müssen uns auf eine grünere Zukunft vorbereiten."

Die USA bekräftigen unterdessen ihr Nein zu konkreten Vorgaben zu Treibhausgasemissionen im geplanten Verhandlungsmandat. "Wir wollen einen Prozess einleiten, der offen ist und keine Wege im voraus festlegt oder ausschließt", sagte die Leiterin der US-Delegation, Paula Dobriansky. Wenn im Mandat konkrete Zahlen genannt würden, dann sei dies aber "eher eine Vorfestlegung als das Streben nach einem Konsens". Grundsätzlich sei richtig, dass es auch nötig sei, "Ziele zu erarbeiten". Hier sei der Prozess aber erst am Anfang.

Dobriansky betonte zugleich, die USA wollten sich an einer Nachfolgeregelung für das Klimaschutzprotokoll von Kyoto beteiligen. Die darin enthaltenen Regelungen müssten jedoch "flexibel" sein und "nationale Gegebenheiten" berücksichtigen. Auf Bali solle ein Fahrplan für Verhandlungen über eine Vereinbarung beschlossen werden, "die dem Klimawandel begegnet und unsere Energiesicherheit erhöht". Dieser Fahrplan solle 2009 enden. Ausdrücklich wies Dobriansky dabei auf die "sehr bedeutenden Erkenntnisse" des UN-Klimarats zu den Gefahren der weltweiten Erwärmung hin.

Der Leiter des Wissenschaftlerrats IPCC, Rajendra Pachauri, wandte sich per Videobotschaft an die Konferenz und legte noch einmal dar, welch katastrophalen Folgen ein ungebremster Klimawandel hätte. So würden ganze Küstenregionen von Überflutungen bedroht, kleinere Inselstaaten würden völlig verschwinden. Gegenmaßnahmen seien möglich und vergleichsweise billig, bekräftigte Pachauri. Bis 2030 seien Investitionen nötig, die etwa einem Jahr Wachstum der Weltwirtschaft entsprächen. Das entsprechende Wohlstandsniveau würde also nur ein Jahr später erreicht.

Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte: "Ich bin schockiert, dass einige es so darstellen, als wäre die Erfüllung der Forderungen des IPCC so etwas wie Science Fiction." Verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse müssten nun als klare politische Linie formuliert und dann auch umgesetzt werden, forderte de Boer. "Wir müssen einen großen Sprung nach vorn machen, oder wir werden dazu verurteilt sein, uns mit unumkehrbaren Folgen auseinander zu setzen." De Boer verlangte drei Ergebnisse von der Konferenz: den Start von konkreten Verhandlungen, eine ambitionierte Agenda für diese Verhandlungen und die Festlegung von 2009 als striktes Zieldatum.

Noch herrscht bei der Klimakonferenz erbitterter Streit. So fordern Deutschland und die EU ein Bekenntnis der Industrieländer, ihre Treibhausgase von 1990 bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu vermindern. Die USA und andere Länder lehnen eine solche Zusage schon jetzt aber strikt ab. Außerdem geht es darum, wie die Entwicklungsländer am Klimaschutz beteiligt werden und wie sie die nötige Technologie dafür bekommen.

Der neue australische Ministerpräsident Kevin Rudd, der am Mittwoch die offizielle Beitrittserklärung zum Kyoto-Protokoll übergab, appellierte indirekt an die USA, sich zu bewegen. "Wir brauchen einen Beitrag aller entwickelten Länder – aller entwickelten Länder -, ob nun innerhalb oder außerhalb des Kyoto-Protokolls", sagte Rudd. Die Vereinigten Staaten sind inzwischen der einzige Industriestaat, der das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert hat. Kein Land allein könne etwas gegen den Klimawandel tun. "Wir müssen nun als wahrhaft Vereinte Nationen nach vorne gehen", sagte Rudd.

(dpa/AP/AFP/gba)