Von Wolfgang Roth

Man hat es schon nicht mehr für möglich gehalten: Nach dem Stillstand beim weltweiten Artenschutz seit 16 Jahren, hat die UN-Konferenz in Bonn doch noch wegweisende Entscheidungen getroffen.

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Die UN-Konferenz in Bonn hat wegweisende Entscheidungen zum Artenschutz getroffen. (Foto: dpa)

Gemessen an der Geschwindigkeit, mit der auf dem Planeten Erde die belebte Natur verschwindet, bewegen sich die Staaten auf internationalen Umweltkonferenzen mit dem Tempo schlafkranker Schnecken.

Gemessen am Stillstand, in dem die UN-Konvention zur Artenvielfalt nun schon seit 16 Jahren verharrt, hat das Bonner Treffen einen echten Fortschritt gebracht.

Die deutsche Regierung, die Verhandlungsführung durch Umweltminister Sigmar Gabriel und sein Team haben dazu maßgeblich beigetragen.

Wenn Japan in zwei Jahren mit demselben Elan an die Sache herangehen würde, könnte diese Konvention einen ähnlichen Durchbruch erfahren wie das Klimaabkommen seinerzeit in Kyoto, als erstmals konkrete Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase vereinbart wurden.

Sicher ist das nicht, denn die Japaner haben zur Vielfalt in Bonn vor allem durch vielfältige Blockaden beigetragen.

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Man hat es schon nicht mehr für möglich gehalten, aber es gab tatsächlich wegweisende Entscheidungen. Die Ausweitung von Schutzgebieten auf hoher See setzt ein Signal; dass Wissenschaftler nach festgelegten Kriterien die Auswahl treffen sollen, ist kein Fehler, denn Politiker geben leicht wirtschaftlichen Begehrlichkeiten nach.

Es wird den Raubbau an den Fischbeständen nicht verhindern, auf die eine Milliarde Menschen als Nahrungsgrundlage angewiesen ist. Aber es ist der erste Schritt.

Für Schutzgebiete an Land fehlt eine vergleichbare Vorgabe, denn kein Land der Erde würde sich von der Staatengemeinschaft vorschreiben lassen, dass große nationale Flächen tabu sind. Das war voraussehbar, deshalb war es durchaus schlau von den Deutschen, eine Initiative anzustoßen, die allen offensteht und niemanden zu etwas zwingt.

Eine ganze Reihe der ärmeren Staaten haben schon angeboten, Schutzgebiete einzurichten, wenn sich Geldgeber dafür finden - Nationen oder Privatunternehmen. Norwegen und Deutschland haben reagiert, und es ist klar, wer sonst noch als Finanzier in Frage kommt. Wer, wenn nicht in erster Linie die anderen G-8-Staaten?

Ein schmerzlicher Makel

Natürlich bleibt etliches in Arbeitsaufträgen stecken, wie es gute Tradition dieser Konferenzen ist. Natürlich ist zu bemängeln, dass auch diesmal viel liegengeblieben ist, was dringend angepackt gehört. Der illegale Holzhandel wird weiter blühen, weshalb es höchste Zeit wird, dass ihm wenigstens die Europäische Union einen Riegel vorschiebt.

Und ein schmerzlicher Makel haftet auch dieser Konferenz an: Noch immer können die Entwicklungsländer nicht darauf vertrauen, dass sie je einen völkerrechtlich verbindlichen Ausgleich für ihre Pflanzen und Tiere erhalten, welche die Konzerne reicherer Staaten zu profitablen Produkten verarbeiten.

Abrüstungsverhandlungen sind immer schwierig, vor allem, wenn 191 Nationen beteiligt sind. Aber darum geht es: um die Abrüstung von schwerem Gerät, das Urwälder rodet und Meere leerfischt.

(SZ vom 31.05.2008/mcs)

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