Von Markus C. Schulte von Drach

Wie könnten die Mächtigen die Welt retten? Hier eine Anleitung zum Handeln.

"Wir müssen uns beeilen." UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Foto: AFP

Als sich in New York Vertreter von 150 Staaten - darunter mehr als 70 Staats- und Regierungschefs - zum UN-Klimagipfel getroffen haben, ging es nicht darum, verbindliche Ziele zum Schutz der Erdatmosphäre zu vereinbaren.

Nicht einmal verhandelt wurde darüber. Dieser Herausforderung werden sich die Mitglieder der Vereinten Nationen erst im Dezember auf Bali stellen, wenn der Nachfolger des Kyoto-Protokolls diskutiert wird.

Das Treffen in New York dagegen sollte in einer starken Botschaft auf höchstem politischen Niveau münden, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der zu dem Gipfel eingeladen hat. Einer Botschaft, die in Bali ein "mutiges neues Umweltabkommen" ermöglichen soll.

"Wir müssen uns beeilen", forderte Ban. "Wir dürfen es nicht zu einem Vakuum nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 kommen lassen." Dazu müsste der Nachfolger bis 2009 beschlossene Sache sein.

Nachdem jedoch auf der Konferenz in Bali mit einem zähen Ringen der einzelnen Nationen um Ziele und deren Verbindlichkeiten zu erwarten war, hoffte der UN-Generalsekretär offenbar auf die Wirkung eines psychologischen Tricks:

Es würde den Gipfel-Teilnehmern leichtfallen, sich in New York vollmundig als Klimaschützer zu profilieren, da sie keine konkreten Zusagen machen sollten. Andererseits könnte die politische Botschaft die Verhandlungsdelegationen in Bali unter Druck setzen.

Schließlich sind die Probleme, die der Klimawandel den Menschen bereiten wird, immens. Und was viele Deutsche vermutlich überraschend wird: Die Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes gilt bei den UN nicht mal als die größte Herausforderung. Mindestens so wichtig ist die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels.

Reduktion von Treibhausgas-Emissionen

Im Kyoto-Protokoll hatten sich letztlich nur 36 Industrienationen verpflichtet, ihre Emissionen bis 2012 zu reduzieren. Nun haben eine ganze Reihe von Ländern einem Vorschlag des UN-Sondergesandten Ricardo Lagos zugestimmt.

Demnach sollen die Industrieländer die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf 60 Prozent des Standes von 1990 senken. Schwellenländer dagegen sollen bis 2020 ihren Energieverbrauch um 30 Prozent senken - unabhängig von der Kohlendioxidmenge, die sie in die Luft blasen. Erst ab 2021 würden für sie verbindliche Klimaziele gelten.

Damit würden Indien und China zu einer höheren Energieeffizienz motiviert, ohne um ihr Wirtschaftswachstum zu fürchten. Was von diesen Plänen übrigbleibt, muss sich zeigen - vor allem, da die USA die Zustimmung bereits verweigert haben.

Anpassungen an den Klimawandel

Vor dem Gipfel von New York haben die UN-Experten eine Reihe von Maßnahmen veröffentlicht, deren Umsetzung sie als notwendig erachten. Und noch vor der Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen beschäftigten sie sich mit der Notwendigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen.

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Dringend notwendig: neue Energietechnologien. Foto: AP

Denn die Erwärmung der Atmosphäre und ein Anstieg des Meeresspiegels in den nächsten Jahrzehnten sind nicht mehr zu verhindern. Die Jahreszeiten werden sich voraussichtlich verschieben, Gletscher schmelzen, es wird zu mehr Trockenheiten, Überflutungen, Hitzewellen, Ernteausfällen und einer ständig wachsenden Zahl von Todesopfern kommen. Die - trotzdem dringend notwendige - Reduzierung des CO2-Emissionen kann den Klimawandel nur noch bremsen.

Doch auch wenn niemand ungeschoren davonkommen wird - nicht alle sind von den negativen Folgen der Erderwärmung gleich stark betroffen. Gerade in den Entwicklungsländern werden sich die Wüsten ausbreiten, fruchtbare Zonen verschieben, Regenfälle zu- oder abnehmen, Küstenregionen und flache Inseln untergehen und Transport- und Kommunikationssysteme zusammenbrechen.

Dabei ist es in vielen armen Regionen bereits heute schwierig, die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die schlimmsten Folgen werden demnach die Ärmsten und Schwächsten zu spüren bekommen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben.

Die notwendigen regionalen oder nationalen Anpassungsmaßnahmen müssen deshalb von den Industrienationen unterstützt und mitfinanziert werden. Zu diesem Zweck, so forderte kürzlich Lagos, sollte ein Fonds mit 50 Milliarden Dollar eingerichtet werden, mit dem in Entwicklungsländern die Folgen des Klimawandels gedämpft werden könnten.

Technologie- und Wissenstransfer

Darüber hinaus muss der Austausch von Informationen und Wissen zwischen den Nationen intensiviert werden. Zum einen, um Erfahrungen auszutauschen, mit deren Hilfe man sich auf Katastrophen besser vorbereiten kann. Zum anderen, um die Vorhersage von Wetterextremen zu verbessern. Es müssen außerdem Wege gefunden werden, die Menschen besser zu informieren, zu warnen - und ihnen im Katastrophenfall direkt zu helfen.

Der Klimawandel hat starke wirtschaftliche und soziale Folgen. Er wird nicht nur den Kampf der UN gegen die weltweite Armut und für eine nachhaltige Entwicklung erschweren. Allein über die zu erwartenden Flüchtlingsbewegungen werden auch die Industrienationen die Folgen zu spüren bekommen. Es ist demnach im Interesse aller, für die Entwicklungsländer langfristig faire, nachhaltige Anpassungsmöglichkeiten zu finden, die ihr Wirtschaftswachstum nicht beeinträchtigen.

Entwicklung neuer Technologien

Um mit dem Klimawandel leben und ihn wenigstens bremsen zu können, ist Technologie notwendig, die es zum Teil schon gibt, die jedoch noch erheblich ausgebaut werden muss: Effiziente Energiegewinnung - möglichst aus erneuerbaren Quellen, Brennstoffzellen, effiziente Energiespeichersysteme, Kohlendioxid-Speicherung, und sparsame Geräte und Maschinen. Wir brauchen eine bessere Technik zur Gewinnung von Trinkwasser, Pflanzen, die extremes Wetter aushalten und bessere Frühwarnsysteme für extreme Wetterereignisse.

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