Von T. Baier

Hoffnung im Kampf gegen Aids: In Thailand ist erstmals ein Impfstoff erfolgreich getestet worden. Doch Forscher können sich nicht erklären, warum er wirkt.

Gibt es im Kampf gegen das Aidsvirus einen Durchbruch? Foto: AFP

Ein Heer von Wissenschaftlern forscht seit der Entdeckung des Aidsvirus im Jahr 1983 an einem Impfstoff gegen die tödliche Immunschwäche. Doch während die Behandlung der Krankheit immer besser wurde, kamen die Impfstoff-Forscher nur sehr langsam voran.

Jetzt gibt es offenbar erstmals einen handfesten Hinweis, dass es überhaupt möglich ist, einen Impfstoff gegen Aids zu entwickeln. Bei einem Test mit dem Kombinationspräparat RV 144 in Thailand sei das Risiko einer Aids-Infektion um fast ein Drittel verringert worden, verkündeten Forscher am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Bangkok.

Entscheidender Schritt nach vorne

Die Untersuchung war von der US-Armee in Auftrag gegeben worden und wurde vom thailändischen Gesundheitsministerium umgesetzt. Es ist das erste Mal, dass ein Aids-Impfstoff beim Menschen Wirkung gezeigt hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Aidsprogramm UNAIDS sprachen von einem entscheidenden Schritt nach vorn. Allerdings wiesen die an der Untersuchung in Thailand beteiligten Wissenschaftler darauf hin, dass der Impfstoff speziell für Aidsviren entwickelt wurde, die in Südostasien, Amerika und Europa kursieren. Es sei deshalb unklar, ob er auch in Afrika bei Homosexuellen oder Drogenabhängigen funktionieren würde.

An der Untersuchung in Thailand nahmen 16402 freiwillige Probanden teil; alle waren heterosexuell und gehörten auch sonst keiner Risikogruppe für Aids an. Die eine Hälfte bekam innerhalb von sechs Monaten sechs Spritzen: Viermal wurde mit der Vakzine Alvac von Sanofi Pasteur geimpft; zweimal mit Aidsvax, das von der Firma Vaxgen entwickelt wurde. Die andere Hälfte der Probanden erhielt lediglich Placebos.

Das war im Jahr 2006. In den folgenden drei Jahren wurden alle Versuchsteilnehmer regelmäßig auf Aids getestet. In diesem Zeitraum infizierten sich 74 der Probanden, die Placebos bekommen hatten. In der Gruppe der Geimpften waren es nur 51. Der Impfstoff hat die Neuinfektionsrate mit dem Aidserreger demnach um 31,2 Prozent gesenkt.

"Der Unterschied ist nicht groß, aber statistisch signifikant", sagte Jerome Kim vom Aids-Impfstoff-Programm der US-Armee auf der Pressekonferenz in Bangkok. Die Details der Untersuchung sollen am 20. Oktober in Paris vorgestellt werden.

Der Erfolg ist umso verblüffender, als die Vakzine RV144, die jetzt so viele Hoffnungen weckt, eine Kombination aus zwei altbekannten Präparaten ist, die die Wissenschaft eigentlich schon abgeschrieben hatte. Jede für sich genommen hatte sich als untauglich erwiesen. Alvac von Sanofi Pasteur war zu schwach. Aidsvax versagte in Impftests am Menschen gleich zweimal: einmal in den USA und einmal in Thailand.

Die beiden Impfstoffe haben unterschiedliche Wirkmechanismen: Alvac enthält ein Geflügelpockenvirus, in dessen Erbgut ein Gen des Aidserregers eingebaut wurde. "Seine Aufgabe in dem Kombinationsimpfstoff ist es, das Immunsystem quasi aufzuwecken und zu warnen", sagt Hans Wolf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Uni Regensburg, der selbst an Aids-Impfstoffen forscht.

Aidsvax, das einen Eiweißstoff aus der Hülle des Erregers enthält, soll die Immunantwort dann weiter verstärken. "Aufgrund der Ergebnisse in Thailand wissen wir jetzt, dass derartige Kombinationspräparate der richtige Weg bei der Suche nach einer Aids-Vakzine sind", sagt Wolf.

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