Fluch der frühen Prägung
Gene spiegeln Erlebnisse wider
09.11.2009, 09:32
Die Epigenetik fragt nach der Veränderlichkeit des Erbguts. Sie stellt schon nach wenigen Forschungsjahren altes Lehrbuchwissen in Frage. (Foto: dpa)
Jeder Mensch könne ein erfolgreicher Musiker werden, behauptete der Psychologe Frederic Skinner vor 50 Jahren, man müsse nur früh genug ein intensives Training beginnen. Wie viele seiner Zeitgenossen glaubte Skinner fest an die Macht der Umwelt über die Entwicklung des Menschen. Zehn Jahre später kursierte dann die Theorie vom "Verbrecher-Gen" - jetzt sollte es allein das Erbgut sein, das über Verhalten, Charakter und Fähigkeiten eines Menschen entscheidet.
Als viel zu einfach sind seit einiger Zeit beide Ansichten entlarvt. Nicht nur die genetische Ausstattung von Mutter und Vater, sondern auch Lebensstil und persönliche Erfahrungen legen fest, wie das Erbgut eines Menschen aussieht. Doch was passiert zum Beispiel mit der DNS eines Neugeborenen, das von seinen Eltern misshandelt wird? Wie kann es sein, dass diese frühe Erfahrung Jahrzehnte später den erwachsenen Menschen krank werden lässt? Die Antwort darauf haben nun Wissenschaftler des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gefunden.
Erstmals hat das Team um Florian Holsboer und Dietmar Spengler Schritt für Schritt gezeigt, wie sich frühe psychische Erfahrungen im Erbgut widerspiegeln und später beim Erwachsenen zu Krankheiten wie Depressionen führen können. Für ihre Untersuchung nahmen die Forscher neugeborenen Mäusen für kurze Zeit die Mutter weg - das ist für Nager wie für menschliche Babys ein tiefgreifender Schock.
Die traumatisierten Mäuse schnitten ihr Leben lang in Lern- und Stresstests deutlich schlechter ab als unbehelligt aufgewachsene Artgenossen, sie waren antriebslos und verhielten sich gegenüber anderen Mäusen nicht nach sozialen Spielregeln. Auch die molekularen Grundlagen dieser Wesensänderung haben die Forscher bis ins Detail geklärt. Der Schock, ohne die Mutter auskommen zu müssen, bewirkt, dass sich die Aktivität einzelner Gene unwiderruflich ändert. Dies wiederum führt zu einem Ungleichgewicht bestimmter Eiweißstoffe, die darüber entscheiden, wie gut Mensch und Tier mit Stress umgehen können.
Nicht jede Traumatisierung macht krank
Nicht alle Menschen, die irgendwann in ihrem Leben ein Trauma erleiden, zerbrechen daran. Nur wer auch die genetische Veranlagung dazu hat, wird unter Umständen depressiv. "Die molekularen Änderungen im Erbgut sind dann das Sprachrohr, über das Umwelt und Gene miteinander kommunizieren", sagt Holsboer.
Seine Studie ist ein eindrückliches Beispiel für die noch junge Disziplin der sogenannten Epigenetik. Sie stellt schon nach wenigen Forschungsjahren altes Lehrbuchwissen in Frage. Anders als lange gedacht ist das Erbgut des Menschen nicht starr und unveränderlich. Vielmehr entfernt es ständig Bestandteile, aktiviert neue Abschnitte und legt andere lahm. Aus diesem Grund unterscheidet sich die genetische Ausstattung zweier Menschen um viel mehr als um jenes Promille, das Wissenschaftler nach der Entschlüsselung der menschlichen DNS berechnet hatten.
Der Genforscher Craig Venter nennt heute seine damalige Annahme "naiv", allein anhand des Erbgutbauplans zu wissen, was einen Menschen ausmacht. Bestimmt werden die permanenten Umbauten von dem, was einem Menschen widerfährt, und erst die lebenslang auftretenden molekularen Veränderungen der Erbsubstanz machen einen Menschen zum Individuum. Daher haben sogar eineiige Zwillinge oft kein identisches Erbgut. Jeder Jeck ist eben anders - diese Kölner Volksweisheit bestätigt nun auch die Wissenschaft.
|
|
ANZEIGE
mehr ...

Antrag britischer Wissenschaftler - Forscher wollen Embryo aus Mensch und Kuh
Gentechnik - Genom des Hausschweins entschlüsselt
Hai Tech - US-Militär experimentiert mit Haien
Großbritannien - Unterhaus lässt Mensch-Tier-Chimären zu
Erbgut entschlüsselt - Blaupause für ein Pferd
Entziffert - Das kleinste Erbgut der Welt
Erdöl - Bakterium soll Meere säubern
Themen

![]() 12.11.2009 10:55:26 TantePolly1: Fortsetzung 6. Fand in den vergangenen Jahren eine groß angelegte „Emanzipations“kampagne statt – und hier ist die Verbindung zum eigentlich Thema – in deren Verlauf die Mutterrolle systematisch abgewertet wurde und irgendwelche selbsternannten „Fachleute“ erklärten, dass das mit der frühen Prägung und dem Erlangen von Urvertrauen usw. alles sentimentaler Quatsch wäre und eine Erzieherin im Kindergarten das sogar wesentlich besser vermitteln könnte, weil sie ja schließlich Fachfrau wäre. Daheimbleibende Mütter aber förderten ihre Kinder kaum, parkten sie den ganzen Tag vor der Glotze, bzw. gingen ihren Vergnügungen wie Shopping und Eisessen nach, während die hart Arbeitenden sie auch noch finanzieren müssten. Beruhigend zu wissen, dass es nun weitere Erkenntnisse über die immense Wichtigkeit einer stabilen Mutter-Kind-Beziehung gibt und bestätigt wird, wie schädlich sich eine zu frühe Trennung auf die lebenslange Entwicklung auswirkt. ![]()
![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
Mr. Wong
Delicious
Digg
Yigg
Technorati
Google
MySpace
Facebook
Webnews





























