Kühle Arche für Kulturpflanzen

    Arktische Saatgut-Bank

    26.02.2008, 10:53

    Auf Spitzbergen wird heute eine "moderne Neuauflange der Arche Noah" eröffnet. 4,5 Millionen Samenproben von Nutzpflanzen sollen hier alle denkbaren golbalen Katastrophen überstehen - und der Menschheit einen Neuanfang ermöglichen.

     
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    Es ist eine weltweit einzigartige Saatgut-Bank, die heute auf der Polarinsel Spitzbergen eröffnet wird.

    Als eine "moderne Neuauflage der Arche Noah" bezeichnete Norwegens Landwirtschaftsminister Terje Riis-Johansen die Anlage - allerdings eine Arche, in der nicht "von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch" je zwei aufgenommen werden sollen, wie es Gott Noah in der biblischen Genesis aufgetragen hatte. Es wird eine Art Kühlschrank nur für Kulturpflanzen.

    In den Höhlen im Fels der Insel unweit des Nordpols sollen insgesamt 4,5 Millionen Proben von Pflanzensamen aufgenommen werden. Sinn des Svalbard Global Seed Vault ist es, die genetische Vielfalt heutiger Nutzpflanzen über die kommenden 10.000 Jahre zu bewahren.

    Gegen alle denkbaren globalen Katastrophen sollen die Samen geschützt sein - vom Klimawandel bis zum Atomkrieg - und der Menschheit ermöglichen, möglichst schnell wieder mit dem Anbau von Lebensmitteln beginnen zu können.

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    Ein bewaffneter Wächter beschützt den Eingang zur Anlage - zum Beispiel vor neugierigen Eisbären. (Foto: dpa)

    Dazu hat Norwegens Regierung in 130 Metern Höhe drei Hallen in einen von ewigem Frost gekühlten Berg bohren lassen, wo die gigantische Samen-Sammlung aus aller Welt eingelagert wird. Auch deutsche Forscher haben schon Samenproben nach Spitzbergen geschickt.

    Zur feierlichen Eröffnung wollten unter anderem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg sowie die kenianische Friedensnobelpreisträgerin und Umweltschützerin Wangari Maathai kommen.

    Frisch für tausend Jahre

    Die erste Lieferung traf aus Afrika ein. Das in Nigeria ansässige Internationale Institut für Tropen-Landwirtschaft sandte 20 Kisten mit 7000 Samenproben aus 36 afrikanischen Ländern.

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    Vor allem in tropischen Ländern könnten die Samen im Katastrophenfall allzu leicht zerstört werden - wenn die Kühlschränke ausfallen, keimen oder vergammeln die Samen schnell. Anders sieht es auf Spitzbergen aus, nur 800 Kilometer vom Nordpol entfernt.

    Die Durchschnittstemperatur liegt hier bei minus drei bis vier Grad. Die drei je sechs Meter hohen Lagerhallen in einem Berg nahe des kleinen Flugplatzes von Longyearbyen aber werden permanent auf 18 Grad minus gekühlt. Das ist die ideale Temperatur, um das eingelagerte Samengut für gut tausend Jahre frisch zu halten.

    Die globale Samenkammer soll aber noch ganz andere Bedingungen erfüllen: Sie ist so hoch über dem Meeresspiegel angelegt, dass die Hallen auch bei Erfüllung der pessimistischsten Vorhersagen über die Klimaveränderungen trocken bleiben sollen.

    Auch ein Atomkrieg dürfte ihnen nach Meinung der Konstrukteure nichts anhaben. Und sogar für das Aushebeln etwaiger direkter Raketenangriffe haben die Konstrukteure sich etwas ausgedacht. Die Gänge sind versetzt, damit ein direkter Treffer möglichst nicht in die Lagerräume vordringt.

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    So sieht der Eingang zur Anlage aus. (Grafik: Global Crop Diversity Trust/doa)

    Erdbebensicherer Bau

    Der Bau ist in gewissem Umfang auch erdbebensicher, wie ein Beben auf Spitzbergen fünf Tage vor der Eröffnung zeigte. "

    Das Beben kam sehr überraschend. Aber es hat als eigentlich nicht erwünschter Test gezeigt, dass unsere Anlage solche Belastungen aushält", sagte Projektchef und Genforscher Ola Westengen.

    4,5 Millionen Samenproben können hier eingelagert werden. "Das wird der wichtigste Kühlschrank der Welt", schrieb die Zeitung Nationen.

    Westengen weist die Vorstellung zurück, dass hier vor allem für eine apokalyptische Super-Katastrophe vorgesorgt werden soll: "Es ist ganz natürlich, dass man einige Samentypen auf diese Art bewahrt und erhält." So gebe es heute nur 20 Prozent jener Maisarten, die um 1930 in Mexiko angebaut wurden.

    Fehlendes Geld und fehlende Übersicht für den Erhalt der genetischen Vielfalt seien viel gefährlicher für das Aussterben von Nutzpflanzen als Horror-Szenarien. Allein auf den Philippinen gebe es mehr als 70.000 verschiedene Reis-Proben, die in den vergangenen Jahren gesammelt worden seien und nun ins ferne Spitzbergen geschickt werden.

    Aus Deutschland hat das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (IPK/Sachsen-Anhalt) bereits 2589 Samenmuster nach Spitzbergen geschickt. Darunter sind Samen von Bohnen, Kichererbsen, Hafer, Gerste und Weizen. Im April sollen weitere 7500 Muster folgen. Ein Ersatz für die eigene Genbank sei die Bank in Norwegen nicht, betonte das IPK. Die Muster auf Spitzbergen seien eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.

    50 Millionen Kronen (6,3 Millionen Euro) hat die Regierung in Oslo für den Bau des globalen Samenlagers bereitgestellt. Die Kosten für den laufenden Unterhalt teilen sich die Skandinavier mit den Vereinten Nationen. Wer zur feierlichen Eröffnung nach Spitzbergen reisen will, muss sich warm anziehen: Knapp 20 Grad minus sind angesagt. "Eine perfekte Temperatur für unsere Zwecke", sagt der Genetiker Westengen.

    (sueddeutsche.de/dpa/mcs)

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    Leserkommentare (2)



    27.02.2008 15:31:09

    Morcar: Hmmm

    Ist ja ganz gut soweit. Die sollten aber lieber erstmal die ganzen Samen aus dem Regenwald irgendwo sammeln. Die wirds viel schneller nichht mehr geben als Hirse und Weizen. Ausserdem bin ich ernsthaft für einen Gendatenbank n die mann z.B. mind. 10.000 Gencods von Blauwalen,. Tigern, Kiwis usw. sammelt. Den auch die wirds bald nicht mehr geben. Dann bleibt nur noch die Hoffnung das in 1000 oder 2000 Jahren ein paar Milliarden weniger Menschen hier sind und diese den Willen und die Technologie haben den Planeten wieder zur guten alten Erde zu machen. Viel warscheinlicher aber wird die Erde in 200 Jahren ein absolut überbevölkerter Planet sein ohne größere komplexe Lebensformen. Ernähren werden wire uns aus riesigen Algentanks und Pilzfarmen.


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