Psychotests, Einläufe, Elektroden im Handballen: Nach einem radikalen Auswahlverfahren präsentierte die Nasa vor 50 Jahren die ersten Astronauten der USA.
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Sieben Kampfflieger gingen als erste Astronauten der USA in die Geschichte ein. John Glenn (vorn, 2. v. r.) wurde von der Presse als Favorit für den ersten Raumflug gehandelt. Foto: Reuters
Alan Shepard traut seinen Ohren nicht. Da hat er sich gegen die besten Testpiloten des Landes durchgesetzt, hat ohne zu Murren die qualvollsten Experimente über sich ergehen lassen, ist bereit, für sein Land alles zu geben, notfalls auch sein Leben. Und was will dieser Reporter wissen? Wie seine Frau und seine Kinder zu all dem stehen?
Shepard, der abgebrühte Navy-Pilot, antwortet, wie er es als Soldat gelernt hat. Knapp, präzise, unpersönlich. "Ich habe zuhause keine Probleme. Meine Familie ist einer Meinung mit mir." Erst als der Saal ob des vermeintlichen Witzes auflacht, huscht ein Lächeln auch über Shepards Gesicht.
Er ist an diesem Donnerstagnachmittag, am 9. April 1959, nicht alleine. Neben ihm sitzen sechs weitere Männer, alle gestandene Piloten. Der staunenden Öffentlichkeit werden sie als die ersten Astronauten der amerikanischen Geschichte vorgestellt. Einer von ihnen soll schon bald mit einer Mercury-Kapsel ins All fliegen und für Amerika den Weltraum erobern. "Mercury Seven" wird die Gruppe genannt.
Shepard drückt eben noch eine Zigarette aus. Mit ihm auf dem Podium sitzen - allesamt in Anzug und Krawatte und ohne militärischen Pomp - die beiden Marineflieger Wally Schirra und Scott Carpenter sowie die drei Luftwaffenpiloten Gordon Cooper, Gus Grissom und Deke Slayton. Sie alle haben sich darauf eingestellt, über ihre Erfahrungen als Testpiloten zu sprechen, über gefährliche Kriegseinsätze, über technische Herausforderungen. Nicht aber über Gefühle und ihre Familien. Entsprechend emotionslos sind die Antworten. Auf seine Frau angesprochen, sagt Slayton: "Was ich beruflich mache, ist mein Ding."
Nur einer fällt aus der Reihe: John Glenn, der einzige Marine-Angehörige in der Gruppe, lässt wie auf Knopfdruck seinen Charme spielen. Das rotblonde Kraftpaket, dessen Fliege das markante Gesicht noch eckiger erscheinen lässt, säuselt: "Ich glaube keiner von uns könnte so etwas machen, wenn ihn seine Familie nicht voll unterstützen würde." Die restlichen Sechs schauen Glenn verwundert an. Damit hätte niemand gerechnet, nicht nach der gemeinsamen Zeit und den intensiven Tests, die die angehenden Astronauten in den vergangenen Wochen durchgestanden haben.
Keine drei Monate war die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa alt, als sie wenige Tage nach Weihnachten 1958 einen Brief an die US-Streitkräfte schickte. "Junger Mann zum Mitfliegen gesucht", stand darin, verklausuliert im typischen Bürokraten-Englisch. Die Anforderungen: nicht größer als 1,80 Meter (die Mercury-Kapsel war auch ohne Astronaut schon viel zu eng), nicht älter als 40 Jahre, eine Ausbildung als Testpilot - und ein abgeschlossenes Studium.
Die letzte Voraussetzung schloss viele der damals besten Testpiloten des Landes aus. Die meisten hatten sich ihre Meriten im Krieg und nicht auf der Uni erworben.
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