Von Christian Heinrich

Ein amerikanisches Unternehmen entwickelt ein Gerät, das mit Hilfe von Mikrowellen Lärm im Gehirn erzeugt. Das US-Militär will mit der Strahlenwaffe Gegner vorübergehend außer Gefecht setzen.

Mikrowellen sollen im Kopf Töne erzeugen, die so laut sind, dass sie einen Menschen außer Gefecht setzen. (Foto: iStock)

Ein amerikanisches Unternehmen entwickelt ein Gerät, das mit Hilfe von Mikrowellen laute Geräusche im Gehirn erzeugt. Die neuartige Technologie soll zunächst in Waffen zum Einsatz kommen.

Bei der von der Sierra Nevada Corporation (SNC) entwickelten Methode erwärmen Mikrowellenpulse den menschlichen Schädel so schnell, dass eine Art Druckwelle im Kopf entsteht, die das Gehirn als Geräusch wahrnimmt.

Wie die Zeitschrift New Scientist berichtet, soll das Gerät mit dem Namen Medusa (Mob Excess Deterrent Using Silent Audio) zunächst für die militärische Anwendung entwickelt werden.

Binnen eines Jahres will SNC-Ingenieur Lev Dadovnik ein funktionsfähiges Demonstrationsmodell für diese Art von Strahlenwaffe vorzeigen. Die im Kopf erzeugten Töne sollen so laut sein, dass sie einen Menschen vorübergehend außer Gefecht setzen.

Der sogenannte Mikrowellenhöreffekt, der die Grundlage für die neue Waffentechnik bildet, wurde bereits im Zweiten Weltkrieg beobachtet. Funker, die in der Nähe von Radarsendern arbeiteten, berichteten über gelegentliche Hörirritationen. Jahrezehnte später entdeckten Wissenschaftler die Ursache.

Bei der Erhitzung und der Druckwelle dehnt sich auch die am Hörvorgang beteiligte Flüssigkeit im Innenohr aus - und es entsteht der Eindruck eines Geräusches, von dem Personen in der direkten Umgebung nichts mitbekommen.

Sadovnik zufolge könne die Technologie neben der militärischen Anwendung auch in vielen anderen Bereichen von Nutzen sein. So ließen sich auch Vögel damit vertreiben, langfristig könne man vielleicht sogar Menschen mit Hörschwäche helfen.

Ingenieur James Lin von der University of Illinois in Chicago hält das Prinzip von Medusa zwar prinzipiell für durchführbar. Aber sinnvoll ist es seiner Meinung nach ausschließlich im militärischen Bereich.

Um wirklich hörbare Töne zu erzeugen, seien enorm starke Schockwellen nötig. "Die Auswirkungen auf die Gesundheit und das Hirngewebe wären nicht abzusehen", warnt Lin.

Dass die Firma dem US-Militär möglicherweise schon bald einen funtionierenden Mikrowellen-Strahler präsentiert, hält Mikrowellenexperte Norbert Leitgeb von der Technischen Universität Graz für möglich. "Außerdem haben die kurzen Mikrowellenpulse noch einen anderen Effekt, der für das Militär interessant sein könnte: Sie stören die Funktion elektronischer Geräte", sagt Leitgeb.

(SZ vom 08.07.2008/mcs)

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Leserkommentare (2)



09.07.2008 10:09:54

s.kraut:

Ja, wer sich da noch über die möglichen Krebsrisiken, die von Handies ausgehen, brüskiert......

Aber zum Glück setzen die Amis ihre Waffen nie gegen Menschen ein. Höchstens gegen Terroristen.


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