Von Wiebke Rögener

Künstliche Muskeln, die stark machen. Chamäleon-Fahrzeuge, die unsichtbar machen. Anzüge, die unverwundbar machen. Die Armee der Zukunft könnte ein Science-Fiction-Autor entsonnen haben.

Zu Napoleons Zeiten waren Uniformen hübsch bunt und halfen so, Freund und Feind zu unterscheiden. Später wurden sie tarnfarbig, ein Helm ersetzte Tschako und Husarenmütze.

Der Kampfanzug der Zukunft aber soll weit mehr bieten als solch notdürftigen Schutz: Neuartige Werkstoffe machen ihn fast undurchdringlich; wird der Soldat dennoch verletzt, kann seine Montur die Wunde schließen, nach Bedarf Medikamente absondern oder sich um ein gebrochenes Bein automatisch zur Schiene versteifen.

Leichte, aber durchschlagkräftige Waffen steuert der Kämpfer durch die Macht seiner Gedanken, künstliche Muskeln im Anzug verleihen ihm enorme Körperkräfte.

Staubkornkleine Spione

Er bewegt sich in Fahrzeugen, die wie ein Chamäleon die Farbe wechseln und im Radarstrahl unsichtbar bleiben. Winzige Rechner im Gewebe der Uniform halten Kontakt zur Truppe.

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(Foto: screenshot)

Staubkornkleine Spione, die unbemerkt im Feindesland agieren, liefern ständig Informationen über die Lage.

Nanotechnologie soll diese wehrtechnischen Wunder möglich machen. Denn im Bereich der Millionstel Millimeter zeigen viele Materialien neuartige Eigenschaften, und mit elektronischen Bauelementen im Nanomaßstab lassen sich winzige Rechner und Sensoren konstruieren.

Das amerikanische Institute for Soldier Nanotechnology (ISN) in Cambridge, das zum Massachusetts Institute of Technology gehört, wurde 2002 eigens gegründet, um mit derlei Technik den Infanteristen zum Supermann aufzurüsten.

Erklärtes Ziel der Forscher, die in den hauseigenen ISN News gern in Kampfmontur posieren, ist ein „kugelsicherer Anzug, der vielleicht übermenschliche Fähigkeiten verleiht“.

Intelligenter Staub

Nicht immer sind die Experten darüber einig, wo die Grenze zwischen Zukunftstechnologie und Science Fiction verläuft. Thomas Kretschmer vom Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT) in Euskirchen erstellte für das Verteidigungsministerium eine Studie zur militärischen Nanotechnologie, die bald veröffentlicht wird.

Er meint: „Nanotechnologie ist eine normale Weiterentwicklung der Technik und beeinflusst damit auch viele militärische Anwendungen. Doch Vieles, was kolportiert wird, ist völlig utopisch.“

So genannte Nanobots etwa – sich selbst reproduzierende künstliche Gebilde aus kleinsten Einheiten – werde es niemals geben, glaubt Kretschmer.

Dagegen will Jürgen Altmann, Physiker und Rüstungskontrollexperte an der Universität Dortmund derartige „Assembler“ nicht ausschließen. In einer von der Deutschen Stiftung Friedensforschung finanzierten Studie untersuchte er, was demnächst möglich ist im Krieg der Zwerge (Military Nanotechnology: Potential Applications and Preventive Arms Control, Routledge, London/New York, 2005).

„Bisher hat niemand zeigen können, dass solche Systeme Naturgesetzen widersprechen. Ich gehe daher davon aus, dass sie kommen können. In den nächsten zehn Jahren aber müssen wir uns darum wohl noch keine Sorgen machen“, ist Altmanns Fazit.

Auch intelligenter Staub dürfte noch etwas auf sich warten lassen.

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