9. November 2012 14:37 Verhaltensbiologie Wes Lied ich sing, des Wurm ich ess

Noch im Ei müssen manche Vogeljungen genau zuhören, was die Eltern singen. Denn nur wenn sie das richtige Lied beherrschen, werden sie nach dem Schlüpfen gefüttert. Das "Passwort" hat einen guten Grund.

Von Christian Weber

Verhaltensbiologie Ein Lied als Futter-Passwort

Dieses Lied singen "Australische Sänger" im Nest. Ihre Jungen müssen noch im Ei genau zuhören. Denn nur wenn sie es ebenfalls beherrschen, werden sie nach dem Schlüpfen gefüttert.

(Video: Colombelli-Negrel et al./Current Biology, Foto: Colombelli-Negrel et al., Current Biology)

Manche Vögel müssen bereits im Ei gut zuhören, damit sie nach dem Schlüpfen ausreichend zu fressen bekommen. Das konnte ein Forscherteam um Sonia Kleindorfer von der Flinders University im australischen Adelaide in Feldbeobachtungen und Experimenten bei Australischen Sängern nachweisen, die zu den Sperlingsvögeln gehören (Current Biology, online).

Demnach werden die jungen Nestlinge nur dann gefüttert, wenn sie einen einzelnen, bestimmten Ton pfeifen können, denen ihnen ihre Mutter draußen vor dem Ei in ihrer Pränatalzeit vorgesungen hat. Mit anderen Worten: Sie müssen ein Passwort beherrschen.

Kleindorfer und ihre Kollegen waren auf das ungewöhnliche Verhalten der Vögel gestoßen, als sie eigentlich in verschiedenen Nationalparks in Südaustralien den Zusammenhang von Nesträubern und Alarmrufen studieren wollten.

Dabei waren ihnen Weibchen aufgefallen, die vor ihren noch intakten Eiern sangen. Später beobachteten sie dann, dass sich die Töne von Nest zu Nest unterschieden. Und als die Forscher dann Eier zwischen den Nestern vertauschten, stellten sie fest, dass die Küken das Lied der Stiefmutter sangen.

Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass der individuelle Bettelruf tatsächlich im Ei erlernt wurde. Ein weiterer Beleg für die Passwort-Hypothese zeigte sich daran, dass die Eltern die Fütterung einstellten, wenn aus einem Lautsprecher unter dem Nest ein falscher Ton zugespielt wurde.

In weiteren Beobachtungen stellten die Biologen außerdem fest, dass das Weibchen auch ihrem Partner und weiteren Bruthelfern den passen Ton vorpfeifen und beibringen.

Relativ einfach ist die Erklärung für das erstaunliche Verhalten der Australischen Sänger: Höchstwahrscheinlich wollen die Vögel verhindern, dass sie fremde Jungtiere aufziehen, deren Eier ihnen ein Kuckuck ins Nest gelegt hat.