6. Februar 2013 14:40 Skurriles Experiment Motte am Steuer

14 männliche Seidenspinner lenken einen Roboter. Ihr Treibstoff: Ein Sexual-Hormon. Obwohl die Motten dabei auch kleinere Verkehrsunfälle verursachten, feiern die Forscher ihre Entdeckung als Erfolg.

Christopher Schrader

Selbst Motten können Auto fahren, wenn man es geschickt anstellt. Forscher der Universität Tokio haben 14 männlichen Seidenspinnern die Kontrolle über einen Roboter gegeben. Die Insekten waren mit einem Stab, der ihnen auf den Rücken geklebt wurde, am Gefährt fixiert. Mit ihren Beinen konnten sie über einen Styroporball auf einem Luftpolster gehen, aus dessen Bewegungen der Roboter seine Steuersignale errechnete. Ein Sexual-Hormon lockte die Tiere an; es wurde per Luftstrom durch einen Windkanal geblasen.

Die Motten mussten den Roboter im Prinzip nur 60 Zentimeter nach vorn fahren, um zur Quelle des Pheromons zu kommen. Tatsächlich kurvten alle ziemlich herum, fanden aber schließlich das mit dem Duft beträufelte Filterpapier.

Dann verschärften die Forscher die Bedingungen. Erst nahmen sie den Motten die Sicht auf die Wände des Windkanals. Da fanden die Tiere in einem Sechstel der Fälle nicht mehr ans Ziel. Dann manipulierten die Wissenschaftler den Roboter, sodass er sich in eine Richtung schneller drehte als in die andere oder verzögert auf die Schritte der Motten reagierte. Am Ende prallten die Roboter bei mehr als der Hälfte der Fahrten an die Wand oder irrten länger als 210 Sekunden herum. Insgesamt werten die Japaner die Versuche aber als Erfolg. Tatsächlich hätten Menschen nach ähnlichen Manipulationen am Auto vermutlich mehr Unfälle.