12. Februar 2013 12:22 Klimaschutz Das Ozonloch schließt sich

Von Christopher Schrader

Die Ozonhülle war 2012 dichter als seit vielen Jahren. Zeitweise war das Ozonloch über dem Südpol kaum noch zu sehen.

Ein wenig später im Jahr würde man die Kreise für Ostereier halten, die von oben fotografiert worden sind. Ihre Färbung changiert von tiefblau bis zartrot, wobei das Blau gegen Ende der Reihe ausgegangen zu sein scheint. Auch wenn das ästhetisch bedauerlich sein mag, ist es eine gute Nachricht, wie die europäische Weltraumagentur Esa erklärt.

Die bunten Kreise sind Satellitenbilder vom Südpol, und die Farben ein Maß des Ozongehalts der Stratosphäre. Das tiefe Blau steht dabei für ein tiefes Loch in der Schicht von Molekülen aus drei Sauerstoffatomen. Die Lücke lässt gefährliche Ultraviolett-Strahlung ungefiltert bis zur Erdoberfläche gelangen. Im Südfrühling 2012 aber, also den Monaten September bis November, war das Loch kaum noch zu sehen, zeigen die Messungen von Esas MetOp-Satellit. "Es war das kleinste Loch im vergangenen Jahrzehnt", verbreitete die Agentur.

Ähnlich haben es auch die Satelliten der Nasa gesehen. Demnach hatte das Ozonloch Ende September eine Größe von ungefähr 21 Millionen Quadratkilometern, nachdem es ein Jahr vorher noch 26 Millionen gewesen waren. Aber die Größe hängt stark vom Wetter und den kalten Höhenwinden ab und schwankt daher von Jahr zu Jahr. Trends sind schwer abzulesen.

Es tut sich auch am Himmel nicht wirklich ein Loch auf, das ergibt sich erst in der Definition: Wo die Menge des Ozons unter 220 sogenannte Dobson-Einheiten fällt, erklären die beteiligten Forscher eine Region für defizitär. Die Grenze ergibt sich aus dem unteren Limit in historischen Messungen. Dobson-Einheiten sind dabei ein Maß für die Ozonmoleküle in einem Schnitt durch die Atmosphäre. Die Zahlen, die der Maßzahl zugrunde liegen, sind gewaltig: Ein Dobson entspricht ungefähr 27 Billionen Sauerstoff-Verbindungen in einer Säule mit einem Quadratzentimeter Grundfläche. In der dünnen Höhenluft - das meiste Ozon schwebt in 32 Kilometern Höhe - ist das eine formidable Schicht, aber unter Normalbedingungen an der Erdoberfläche wäre die gesamte Ozonhülle ein Schleier von zwei, drei Millimetern Dicke.

Noch schwebt viel Chlor in der Atmosphäre

Zerstört wird das schützende Gas durch Chlor-Verbindungen, die die Menschheit einst im Fortschrittsglauben freigesetzt hat. Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) galten als Wunderstoffe und wurden als Kühlmittel und Treibgase benutzt. Die Chemikalien werden in die Stratosphäre getragen, wo sich besonders in den kalten, dunklen Monaten des Südwinters die Chloratome befreien, begünstigt durch den Windwirbel um die Antarktis. Sie hüpfen dann sozusagen von Ozon zu Ozon, um sie zu zerbrechen. Die Produktion und Freisetzung von FCKW ist unter dem 1987 beschlossenen Montreal-Protokoll verboten. Die Emissionen sind gesunken, aber noch schwebt viel Chlor in der Atmosphäre. Erst gegen 2050 erwarten Forscher eine Wiederherstellung der Ozonhülle.

Währenddessen hat das Ozonloch auch den Windgürtel selbst verändert, nach Süden gezogen und beschleunigt. Das wiederum peitscht die Wellen des Ozeans auf und macht sich in den Meeresströmungen bemerkbar. Eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen setzt demnach wohl einen dauerhaften Verzicht auf Blau und möglichst auch Türkis in den Satellitenkarten voraus.