20. November 2012, 17:02 Greenpeace zu Schadstoffen in der Kleidung Zweifelhafte Zwirne

Ob C&A oder Armani: In Kleidungsstücken von 20 großen Modemarken fanden Greenpeace-Tester Umweltgifte. Die Waschmaschine spült diese Chemikalien in heimische Gewässer - mit unabsehbaren Folgen.

Greenpeace prangert auf verschiedene Arten den Einsatz von Umweltgiften in der Modeindustrie an - so auch mit der Modenschau "Toxic Threads" in China. 

(Foto: REUTERS)

Deutsche Verbraucher besitzen heute viermal so viel Kleidung wie noch 1980. All die Kleider, T-Shirts und Hosen mögen das Selbstbewusstsein heben. Die Umwelt dagegen leidet unter den immer neuen Mode-Diktaten.

Denn egal ob C&A oder Armani: Internationale Modehäuser setzen bei der Herstellung von Kleidung giftige Chemikalien ein, die an den Produktionsstandorten, aber auch in Deutschland in Gewässer gelangen, wie eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace ergab.

Die Organisation untersuchte 141 Kleidungsstücke, gekauft in 29 Ländern, von internationalen Modemarken wie Armani, Benetton, C&A, Calvin Klein, Diesel, Esprit, Gap, H&M, Tommy Hilfiger, Vero Moda und Zara. Hergestellt wurden die Textilien in 18 Ländern, überwiegend auf der südlichen Erdhalbkugel.

In der Kleidung aller 20 untersuchten Modemarken fanden Tester Nonylphenolethoxylate (NPE). Die in der EU weitgehend verbotene Chemikalie wird zu Nonylphenol abgebaut. Die Substanz ist nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor allem für Wasserorganismen giftig. "Bei Menschen greift sie in den Hormonhaushalt ein", sagte Jörg Feldmann, Sprecher der Bundesanstalt. "Weil sie sich anreichert, steht sie auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe." Die Grenzwerte wurden laut Greenpeace nicht überschritten. Doch geringe NPE-Konzentrationen müssen nicht heißen, dass nur kleine Mengen des Schadstoffs bei der Fertigung eingesetzt wurden. Das meiste NPE gelangt bei der Herstellung in die Umwelt, im fertigen Produkt sind dann nur noch Spuren nachweisbar.

Einige Kleidungsstücke enthielten laut Greenpeace auch gesundheitsschädigende Phthalate in hoher Konzentration. Solche Chemikalien können den Hormonhaushalt stören und möglicherweise zu Unfruchtbarkeit führen. Sie sind vor allem in Aufdrucken wie Bildern oder Logos zu finden, wo sie offenbar als Weichmacher dienen. Im Laufe der Zeit können sie dort freigesetzt werden - und so ebenfalls ins Wasser gelangen. In zwei Kleidungsstücken fanden die Tester Amine, die in höheren Konzentrationen Krebs auslösen können. Allerdings lagen die gemessenen Werte unter dem EU-Grenzwert.

"Modemarken missbrauchen weltweit Flüsse als private Abwasserkanäle und verschmutzen so das Trinkwasser von Millionen Menschen", kritisierte die Chemie-Expertin von Greenpeace, Christiane Huxdorff.

Die aktuell nachgewiesenen Chemikalien sind nur ein Teil der Umweltprobleme, die durch die Bekleidungsindustrie ausgelöst werden. Schon bei der Produktion von Baumwollfasern werden enorme Mengen an Wasser und Pestiziden eingesetzt. Auch beim Färben und Veredeln von Textilien werden erhebliche Wassermengen verbraucht: 200 Tonnen Wasser pro Tonne Kleidung. Dazu kommt eine große Anzahl von Chemikalien und Mischungen: So gibt es beispielsweise über 10.000 verschiedene Farbstoffe, die man zum Färben und Bedrucken nutzen kann.

Diese Umweltbelastungen sind umso ärgerlicher, da die Deutschen mehr Kleidung kaufen, als sie brauchen. In ihren Schränken und Kommoden liegen im Schnitt 20 Teile, die nie getragen werden, kritisiert Greenpeace. Jedes Jahr wird demnach rund eine Million Tonnen Kleidung weggeworfen.

Greenpeace-Untersuchungen hatten bereits im vergangenen Jahr gezeigt, dass Textilchemikalien durch Fabrikabwässer im Herstellungsland und durch die Haushaltswäsche im Absatzland freigesetzt werden. Sechs Modefirmen, darunter Puma, Nike, Adidas, H&M und C&A, kündigten daraufhin die Umstellung auf eine giftfreie Produktion bis 2020 an.

Wer jetzt schon auf ökologische Kriterien beim KIeiderkauf achten will, kann Second-Hand-Kleidung kaufen oder auf Textilien mit Öko-Label zurückgreifen. Eine Liste empfohlener Siegel gibt es hier.

Vermieden werden sollten dagegen Kleidungsstücke, die Hinweise tragen wie: "Separat waschen". Dies ist ein Indiz dafür, dass ihre Farbstoffe besonders schnell ins Wasser gelangen. Auch Jeans im Used-Look sind nicht zu empfehlen. Verantwortlich für den getragenen Look ist das Sandstrahlen, das ein massives Gesundheitsrisiko für Fabrik-Arbeiter darstellt.

Eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse können Sie hier lesen.